(1909-1987)
Anna-Eva Bergman (1909-1987), in Stockholm geboren, in Norwegen aufgewachsen und in Wien, Dresden, Berlin und Paris künstlerisch geprägt, zählt zu den eigenständigsten Positionen der Abstraktion nach 1945 und der Nouvelle École de Paris. Ihre Berge, Fjorde, Horizonte und Gestirne, auf wenige Grundformen reduziert und mit Blattmetall – Gold, Silber, Kupfer, Zinn – belegt, verwandeln die Landschaft des hohen Nordens in meditative, lichtempfindliche Bilder. Lange stand sie im Schatten ihres Ehemanns Hans Hartung; heute wird sie international wiederentdeckt. Auch als Grafikerin hat sie ein bedeutendes Werk hinterlassen, vor allem Holzschnitte, die in Gold- und Silberfarbe gedruckt sind.
Die Galerie Le Coin des Arts in Paris bietet Originalgrafik von Anna-Eva Bergman an – Holzschnitte, Radierungen und Lithografien –, ausgewählt nach Druckqualität, Provenienz und Erhaltungszustand.
Anna-Eva Bergman kam am 29. Mai 1909 in Stockholm als Tochter eines schwedischen Vaters und einer norwegischen Mutter zur Welt; die Eltern trennten sich bald, und sie wuchs in Norwegen auf. Schon früh zeichnete sie Landschaften und Karikaturen. 1926 begann sie an der staatlichen Kunstgewerbeschule in Oslo, 1927-1928 studierte sie an der Osloer Kunstakademie bei Axel Revold.
Prägend wurde Wien: 1928 schrieb sie sich an der Kunstgewerbeschule ein und studierte bei Eugen Steinhof, dessen Lehre von Konstruktion und Proportion ihr Denken nachhaltig beeinflusste. Eine Krankheit zwang sie zu einer längeren Genesung und zur Abreise aus Österreich. 1929 besuchte sie kurz die Akademie von André Lhote in Paris und lernte dort den deutschen Maler Hans Hartung kennen, den sie noch im selben Jahr heiratete.
Zwischen 1930 und 1936 lebte das Paar an der Côte d'Azur, in Dresden, Paris, Berlin und auf Menorca, wo es sich 1933-1934 ein Haus am Meer bauen ließ. Unter dem Eindruck der Neuen Sachlichkeit von Otto Dix und George Grosz verdiente Bergman ihren Lebensunterhalt mit satirischen Zeichnungen und illustrierten Reportagen für norwegische Zeitungen. Ihre ersten Einzelausstellungen fanden in der Dresdner Galerie Kühl und 1932 bei Blomqvist in Oslo statt.
1937 trennte sie sich, schwer erkrankt, von Hartung und erholte sich an der italienischen Riviera, wo sie byzantinische Mosaiken und die Malerei der Renaissance studierte. Nach der Scheidung kehrte sie 1939 nach Norwegen zurück.
In den Kriegsjahren illustrierte Bergman Bücher, zeichnete gegen den Nationalsozialismus und vertiefte ihre Studien zum Goldenen Schnitt. Der Architekt Christian Lange, ein Kenner der Gotik, machte sie mit den vergoldeten mittelalterlichen Altartafeln Norwegens vertraut – Vorbild ihrer späteren Arbeit mit Blattmetall. Ab 1946 malte sie wieder intensiv.
Eine Reise entlang der nordnorwegischen Küste bis in die Finnmark brachte 1950 den Durchbruch zur Abstraktion: Fortan baute sie ihre Bilder aus wenigen elementaren Formen – Fels, Berg, Fjord, Horizont, Planet – und schuf ihre ersten Werke mit Blattmetall, dessen Oberfläche das Licht des Raumes einfängt und zurückwirft.
1952 stellte sie im Pariser Salon de Mai aus, an dem sie bis 1960 jährlich teilnahm, und fand wieder mit Hartung zusammen. Im selben Jahr reiste sie nach West-Berlin, zeigte dort ihre neuesten Arbeiten und besuchte den Kunstkritiker Will Grohmann. 1957 heirateten Bergman und Hartung ein zweites Mal. Die Buchhandlung-Galerie La Hune zeigte 1955 ihre Grafik, die Galerie de France widmete ihr 1958 und 1962 Einzelausstellungen.
1959 waren ihre Gemälde auf der documenta II in Kassel zu sehen. Ab 1962 verbrachte das Paar regelmäßig längere Zeit im andalusischen Carboneras, dessen Meereshorizonte eine neue Werkgruppe anregten. Es folgten Retrospektiven in Oslo, Bergen (1966) und Turin (1967); 1969 vertrat sie Norwegen auf der Biennale von São Paulo.
1973 bezogen Bergman und Hartung das von ihm entworfene Wohn- und Atelierhaus in Antibes. Anna-Eva Bergman starb am 24. Juli 1987 in Grasse. Seit 1994 bewahrt die Fondation Hartung-Bergman in der Villa das Werk und die Archive beider Künstler.
Die Retrospektive Anna-Eva Bergman. Voyage vers l'intérieur im Musée d'Art Moderne de Paris (31. März-16. Juli 2023) und die Ausstellung Becoming Anna-Eva Bergman im Nasjonalmuseet Oslo (2024) leiteten ihre Wiederentdeckung ein. Die Berlinische Galerie kündigt mit Anna-Eva Bergman. Grenzen des Sichtbaren (18. März-2. August 2027) die erste Überblicksausstellung ihres Werkes in Deutschland an, mit rund 40 Gemälden und Grafiken aus den Jahren 1930 bis 1970.
Schon während des Studiums in Oslo und Wien entstanden erste Drucke; zentral wurde die Druckgrafik nach der Rückkehr nach Paris. 1953-1954 arbeitete Bergman im renommierten Atelier Lacourière am Montmartre und beherrschte bald alle Verfahren der Tiefdrucktechnik: Radierung, Aquatinta, Vernis mou, Kaltnadel und Kupferstich. Die Radierung Le Nord (1958), gedruckt und verlegt von Lacourière et Frélaut, diente als Umschlag des Katalogs der Galerie de France.
Ihr bevorzugtes Medium war jedoch der Holzschnitt, meist im Langholz, dessen Maserung sie bewusst einsetzte. Ab den 1960er-Jahren entstand – in Paris, dann in Deutschland und der Schweiz – eine umfangreiche Folge von Holzschnitten in Gold, Silber oder Manganblau, die den Glanz ihres Blattmetalls in die Grafik übertragen: Fjord (1967), Uranus, Horizon und Mer (1968), Petites vagues (1974).
1963 begann die Zusammenarbeit mit der Erker-Presse in St. Gallen, die ihre Lithografien nach Motiven der Finnmark (Finnmark, Cap Nord, Mur de montagne, Auflage je 24 Exemplare), mehrere Holzschnitte sowie die illustrierten Bücher L'Or de vivre von Jean Proal (1974) und Egil Skallagrimsson von Halldór Laxness (1979) druckte. In Nürnberg druckte die Lithographische Kunstanstalt F. Xaver Leipold Holzschnitte wie Astre (1967), Uranus, Horizon und Mer (1968) in Auflagen von 30 Exemplaren; spätere Lithografien entstanden bei Mourlot in Paris. 1978 erhielt sie die Goldmedaille der Internationalen Grafikbiennale in Fredrikstad.
Maßgeblich ist das Werkverzeichnis Anna-Eva Bergman. L'œuvre gravé / Grafikk (Fondation Hartung-Bergman und Nasjonalmuseet, 2015). Jedes Blatt trägt dort ein Kürzel nach Technik – „G“ für Tiefdruck, „GB“ für Holzschnitt, „L“ für Lithografie –, eine Nummer und das Entstehungsjahr, etwa GB 33-1968 Uranus.
Kleine Auflagen, hochwertige Papiere und metallische Druckfarben verleihen Bergmans Grafik eine Präsenz, die ihren Gemälden nahekommt.
Beim Kauf eines Holzschnitts, einer Radierung oder Lithografie von Anna-Eva Bergman sollten Sie prüfen: die Technik und bei Holzschnitten die Verwendung von Gold- oder Silberfarbe; die Auflage und Nummerierung des Exemplars (meist 10 bis 50) bzw. die Bezeichnung E.A. oder H.C.; ob das Blatt mit Bleistift handsigniert ist; die Nummer im Werkverzeichnis; die Druckerei (Lacourière, Erker-Presse, Leipold, Mourlot); Provenienz und Erhaltungszustand, insbesondere oxidierte Silberfarbe oder Lichtschäden am Papier.
Originalgrafik oder Reproduktion? Seit den jüngsten Ausstellungen sind zahlreiche Plakate und Reproduktionen nach ihren Gemälden im Umlauf – unsigniert und nicht nummeriert. Ein Originaldruck wurde von Bergman selbst auf Holzstock, Platte oder Stein geschaffen und unter ihrer Aufsicht gedruckt.
Die Galerie Le Coin des Arts wählt die Radierungen und Lithografien von Anna-Eva Bergman mit besonderem Augenmerk auf Authentizität, Provenienz und Zustand aus und berät Sie bei Rahmung und Konservierung. Entdecken Sie auch die Grafik von Hans Hartung, Serge Poliakoff, Pierre Soulages, Maria Helena Vieira da Silva und Zao Wou-Ki.
Berlinische Galerie, Anna-Eva Bergman. Grenzen des Sichtbaren (2027) · Store norske leksikon · Musée d'Art Moderne de Paris, Pressemappe 2023 · Nasjonalmuseet, Oslo · Galerie Poggi, Anna-Eva Bergman. Œuvres gravées (2026) · Geneviève Duris, Catherine Gonnard, Randi E. V. Godø, Anna-Eva Bergman. L'œuvre gravé / Grafikk, Fondation Hartung-Bergman / Nasjonalmuseet, 2015.
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