(1881-1973)
Portrait de Pablo Picasso par la revue Vea y Lea, 1962 - Domaine public
Pablo Picasso (1881-1973) gilt als der einflussreichste Künstler des 20. Jahrhunderts. Maler, Bildhauer, Zeichner, Keramiker und Grafiker, Mitbegründer des Kubismus an der Seite von Georges Braque, erfand er seine Bildsprache über sieben Jahrzehnte immer wieder neu – von der Blauen Periode bis zu den späten Bildern aus Mougins. Als Schlüsselfigur der Moderne ist er zugleich einer der bedeutendsten Druckgrafiker der Kunstgeschichte: Radierungen, Aquatinten, Kaltnadelarbeiten, Lithografien und Linolschnitte in einer Zahl von weit über zweitausend Blättern, dazu Hunderte von Entwürfen für edierte Keramiken aus Vallauris.
Die Galerie Le Coin des Arts in Paris bietet Originalwerke von Pablo Picasso an: handsignierte Radierungen aus der Werkstatt der Brüder Crommelynck, darunter Blätter der berühmten Suite 347, Keramiken aus der Manufaktur Madoura sowie bei Mourlot lithografierte Ausstellungsplakate – ausgewählt nach Druckqualität, Provenienz und Erhaltungszustand.
Pablo Ruiz Picasso wird am 25. Oktober 1881 in Málaga geboren. Sein Vater, der Maler und Zeichenlehrer José Ruiz Blasco, unterrichtet ihn früh. 1891 zieht die Familie nach A Coruña, wo der Dreizehnjährige erstmals ausstellt, 1895 nach Barcelona; dort besucht er die Kunstschule La Llotja. Nach einem kurzen Studium an der Akademie San Fernando in Madrid (1897) verkehrt er im Barceloner Künstlercafé Els Quatre Gats, wo seine erste Einzelausstellung stattfindet.
Im Oktober 1900 kommt Picasso zur Weltausstellung erstmals nach Paris, im April 1904 bezieht er ein Atelier im Bateau-Lavoir auf dem Montmartre. Auf die schwermütige Blaue Periode (1901-1904) folgt die Rosa Periode der Gaukler und Harlekine. Seine erste große Radierung, Das karge Mahl (Le Repas frugal, 1904), gibt Ambroise Vollard 1913 zusammen mit weiteren Platten der Saltimbanques-Folge heraus. Der Sommer 1906 im katalanischen Gósol leitet eine radikale Vereinfachung der Form ein.
Mit Les Demoiselles d’Avignon (1907) bricht Picasso mit der Zentralperspektive. Gemeinsam mit Georges Braque entwickelt er den Kubismus, vom analytischen Kubismus bis zu den Papiers collés ab 1912. Entscheidend ist die Begegnung mit dem in Mannheim geborenen Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler, der 1907 seine Galerie in der Rue Vignon eröffnet und Picasso im Dezember 1912 exklusiv unter Vertrag nimmt. Kahnweilers Bestand wird im Ersten Weltkrieg als feindliches Eigentum beschlagnahmt; später setzt er seine Arbeit mit der Galerie Louise Leiris fort, die zur Verlegerin von Picassos späten Radierfolgen wird. Den Sommer 1911 verbringt Picasso mit Braque im südfranzösischen Céret.
1917 entwirft Picasso Vorhang, Bühnenbild und Kostüme für Parade von Diaghilews Ballets Russes nach einem Libretto von Jean Cocteau; 1918 heiratet er die Tänzerin Olga Chochlowa, Mutter seines Sohnes Paulo (1921). 1927 beginnt die Beziehung zu Marie-Thérèse Walter, Mutter von Maya (1935). 1937 malt er Guernica für den Pavillon der Spanischen Republik auf der Pariser Weltausstellung. Das Bild bleibt bis 1981 im Museum of Modern Art in New York und befindet sich seit 1992 im Museo Reina Sofía in Madrid.
1944 tritt Picasso der Kommunistischen Partei Frankreichs bei; seine lithografierte Taube von 1949 wird zum weltweiten Friedenssymbol. Mit Françoise Gilot, Mutter von Claude (1947) und Paloma (1949), lebt er an der Riviera und entdeckt in Vallauris die Keramik. 1958 erwirbt er Schloss Vauvenargues, 1961 heiratet er Jacqueline Roque und zieht nach Notre-Dame-de-Vie bei Mougins, wo er am 8. April 1973 stirbt.
Die erste Museumsretrospektive überhaupt zeigt das Kunsthaus Zürich 1932: 225 Gemälde, rund 34.000 Besucher. In Basel stimmen die Bürgerinnen und Bürger am 17. Dezember 1967 dem Ankauf der Gemälde Les deux frères und Arlequin assis für das Kunstmuseum zu; Picasso schenkt der Stadt daraufhin vier weitere Werke. Die Fondation Beyeler in Riehen widmete 2019 der Blauen und Rosa Periode eine vielbeachtete Ausstellung. In Berlin zeigt das Museum Berggruen seit 1996 die Sammlung Heinz Berggruens mit ihrem Picasso-Schwerpunkt; im Jahr 2000 wurde sie für die Nationalgalerie erworben. Das Museum Ludwig in Köln besitzt dank Schenkungen von Peter und Irene Ludwig (1994 und 2001) eine der drei größten Picasso-Sammlungen der Welt. Und in Bern verlegte der Kunsthandel Kornfeld die maßgeblichen Werkverzeichnisse der Grafik.
Der Tiefdruck begleitet Picasso ein Leben lang. 1931 erscheinen seine Illustrationen zu Balzacs Le Chef-d’œuvre inconnu (Vollard) und zu Ovids Metamorphosen (Skira). Die Suite Vollard – hundert Radierungen, Aquatinten und Kaltnadelarbeiten aus den Jahren 1930 bis 1937 mit Bildhaueratelier, Minotaurus und Rembrandt – druckt Roger Lacourière um 1939; bei ihm erlernt Picasso auch die Zuckeraussprengtechnik für Buffons Histoire naturelle (1942). Die Minotauromachie (1935) gehört zu den Hauptblättern des Jahrhunderts.
1963 richten die Drucker Aldo und Piero Crommelynck, einst bei Lacourière tätig, in Mougins eine Druckwerkstatt in seiner Nähe ein. Es entsteht die Suite 347, radiert vom 16. März bis 5. Oktober 1968, in einer Auflage von 50 handsignierten Exemplaren bei der Galerie Louise Leiris verlegt; später die Suite 156 (1970-1972), die erst nach seinem Tod erscheint. Die Blätter Gentilhomme, femme honteuse et reître und Grosse Prostituée, Sorcière à la Chouette et Voyageur en Sabots (1968) der Galerie gehören zur Suite 347; auch Sculpteur travaillant à un buste de femme II (1965, Radierung und Aquatinta) wurde bei Crommelynck gedruckt.
Am 2. November 1945 betritt Picasso die Pariser Druckerei von Fernand Mourlot. In drei Jahren bearbeitet er fast zweihundert Steine und Zinkplatten und sprengt die Regeln der Lithografie; der Stier (Dezember 1945 – Januar 1946) verwandelt sich in elf Zuständen in ein Linienzeichen. Mourlot veröffentlichte das Werkverzeichnis Picasso lithographe (4 Bände, André Sauret, 1949-1964). In Vallauris druckt Hidalgo Arnéra ab 1951 die Plakate der jährlichen Keramikausstellungen und der Stierkämpfe – der Ausgangspunkt für Picassos farbige Linolschnitte im Verfahren der „verlorenen Platte“. Die Galerie führt zudem bei Mourlot lithografierte Ausstellungsplakate, etwa Picasso et la tauromachie für das Museum von Céret.
Im Sommer 1946 lernt Picasso Suzanne und Georges Ramié kennen, die Betreiber der Töpferei Madoura in Vallauris, und arbeitet dort ab 1947 fast täglich. Zwischen 1947 und 1971 entwirft er 633 Modelle, die Madoura in Auflagen von 25 bis 500 Exemplaren nach seinem Original ausführt. Diese Keramiken tragen die Stempel „Madoura Plein Feu“ und „Edition Picasso“ oder den Vermerk „Empreinte originale de Picasso“ für Stücke, die von einer vom Künstler geschnittenen Matrize abgeformt wurden. Maßgeblich ist das Werkverzeichnis von Alain Ramié (Galerie Madoura, 1988), zitiert als „Ramié Nr.“. Die Galerie zeigt u. a. Picador (1952, Ramié 162), Corrida (1953, Ramié 198), den Pichet espagnol (1954, Ramié 245, Auflage 200) und den Pichet Têtes (1956, Ramié 368).
Bei einer Radierung oder Lithografie zählen Technik, Auflage und Nummerierung des Exemplars (50 bei der Suite 347), die Signatur mit Bleistift sowie die Werkverzeichnisnummern: Bloch (Georges Bloch, Kornfeld und Klipstein, Bern, 4 Bände, 1968-1979), Geiser/Baer (Picasso peintre-graveur, Bern, begonnen 1933 von Bernhard Geiser, fortgeführt von Brigitte Baer, 7 Bände, zitiert „Baer“ mit Zustand und Druck), Mourlot für Lithografien, Cramer für illustrierte Bücher und Czwiklitzer für Plakate. Hinzu kommen Drucker, Verleger, Provenienz und Papierzustand; Probedrucke tragen die Bezeichnung E.A. oder H.C. Bei Keramiken prüft man Stempel, Ramié-Nummer, Übereinstimmung des Dekors mit dem Modell und mögliche Restaurierungen.
Originalgrafik oder Reproduktion? Kein Künstler wurde häufiger reproduziert. Blätter „nach“ Picasso, die posthumen Lithografien der „Collection Marina Picasso“ (1979-1982, Auflage 500, von seiner Enkelin mit Bleistift signiert und mit Nachlassstempel) oder spätere Nachdrucke sind keine vom Künstler signierten Werke. Eine Originalgrafik stammt von Picasso selbst und ist in den Werkverzeichnissen erfasst. Ausstellungsplakate – auch bei Mourlot lithografierte – sind weder signiert noch nummeriert und werden als Plakate gesammelt.
Die Galerie Le Coin des Arts prüft jedes Werk von Picasso sorgfältig auf Echtheit, Provenienz und Zustand und berät Sammler bei Auswahl und Rahmung. Entdecken Sie auch Originalgrafik von Georges Braque, Henri Matisse, Joan Miró, Marc Chagall und Fernand Léger.
Kunsthaus Zürich, Picasso 1932 · Basler Picasso-Abstimmung 1967 · Museum Berggruen, Staatliche Museen zu Berlin · Museum Ludwig, Köln (KuLaDig) · Musée national Picasso-Paris · Georges Bloch, Pablo Picasso. Catalogue de l’œuvre gravé et lithographié, Kornfeld und Klipstein, Bern, 1968-1979 · Bernhard Geiser / Brigitte Baer, Picasso peintre-graveur, Bern, 1933-1996 · Fernand Mourlot, Picasso lithographe, 1949-1964 · Goeppert, Goeppert-Frank, Cramer, Pablo Picasso. Catalogue raisonné des livres illustrés, Genf, 1983 · Alain Ramié, Picasso. Catalogue de l’œuvre céramique édité 1947-1971, 1988.
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