(1911-1993)
MANESSIER Alfred
Quinze Lithographies sur le thème de Pâques - X..., 1978
Farblithographie LCD3895
490.00€
MANESSIER Alfred
Quinze Lithographies sur le thème de Pâques - X..., 1978
Farblithographie LCD3894
490.00€
MANESSIER Alfred
Quinze Lithographies sur le thème de Pâques - I..., 1978
Farblithographie LCD3884
490.00€
Alfred Manessier wurde am 5. Dezember 1911 in Saint-Ouen (Département Somme) geboren und starb am 1. August 1993 in Orléans. Er zählt zu den Hauptvertretern der Nouvelle École de Paris und der lyrischen Abstraktion. Im deutschsprachigen Raum ist er vor allem durch seine Teilnahme an den ersten drei documenta-Ausstellungen in Kassel und durch seine großen Glasfenster in Essen, Köln, Bremen, Basel und Freiburg im Üechtland bekannt. Sein grafisches Werk – rund hundert Blätter – besteht überwiegend aus Farblithografien, die meist bei Mourlot in Paris gedruckt wurden.
Die Galerie Le Coin des Arts zeigt von Manessier ein Ölgemälde auf Leinwand, Barques (1954), ein Pastell Sans titre (1967) sowie signierte Originallithografien: Le Procès de Burgos I (1971), Laudes II (1976) und drei Blätter aus den Fünfzehn Lithografien zum Thema Ostern (1978). Jedes Blatt wurde nach Druckqualität, Auflage, Provenienz und Erhaltungszustand ausgewählt.
Manessier wuchs in Abbeville in der Picardie auf; der Großvater war Steinmetz, der Vater Weinhändler. Mit zwölf Jahren malte er erste Aquarelle in Le Crotoy an der Somme-Bucht, ab 1924 besuchte er die Kunstschule in Amiens. 1929 ging er nach Paris und studierte auf Wunsch des Vaters Architektur an der École des Beaux-Arts. Entscheidend wurde 1935 der Eintritt in die Freskoklasse von Roger Bissière an der Académie Ranson, wo er Jean Le Moal und Jean Bertholle kennenlernte. Mit ihnen schuf er 1937 Wandbilder für den Eisenbahnpavillon der Pariser Weltausstellung.
Im Mai 1941, unter deutscher Besatzung, stellte Manessier in der Pariser Galerie Braun mit den von Jean Bazaine versammelten „Jeunes peintres de tradition française“ aus – eine Behauptung farbiger, moderner Malerei gegen die offizielle Kunst. 1943 führte ein dreitägiger Aufenthalt in der Trappistenabtei La Grande Trappe bei Soligny (Orne) zu seiner Konversion zum Katholizismus und zur endgültigen Hinwendung zur gegenstandslosen Malerei. 1945 gehörte er zu den Gründern des Salon de Mai; 1949 folgte die erste Einzelausstellung bei Jeanne Bucher, begleitet von der Lithografiemappe Pâques. Es entstanden die großen Passionszyklen, etwa La Couronne d’épines (1950) und La Nuit de Gethsémani (1952).
Nach dem Malereipreis der Biennale von São Paulo (1953) erhielt Manessier 1954 in Wien den ersten Preis der Ausstellung sakraler Kunst und 1955 den Großen Preis des Carnegie Institute in Pittsburgh. Im selben Jahr war er auf der documenta 1 in Kassel vertreten, später auch auf der II. documenta (1959) und der documenta III (1964). 1958 richtete Werner Schmalenbach in der Kestner-Gesellschaft Hannover eine Retrospektive aus, die anschließend im Museum Folkwang in Essen und im Kunsthaus Zürich gezeigt wurde. Ebenfalls 1958 gewann er den ersten Preis für Druckgrafik an der Triennale in Grenchen (Schweiz). Höhepunkt war 1962 der Große Internationale Preis für Malerei der 31. Biennale von Venedig. Werke Manessiers befinden sich unter anderem im Wallraf-Richartz-Museum in Köln, in der Nationalgalerie Berlin und – mit vier Druckgrafiken – im Museum der Moderne Salzburg.
Seit den Fenstern für die Kirche von Les Bréseux (Doubs, 1948), einem der ersten abstrakten Fensterzyklen in einer alten Kirche, war Manessier ein gesuchter Glasmaler. In Basel gestaltete er 1952 die Fenster der Allerheiligenkirche, 1959 jene der Krypta des Essener Münsters, 1964 die Krypta von St. Gereon in Köln. Sein umfangreichstes deutsches Ensemble befindet sich in der Kirche Unser Lieben Frauen in Bremen: 1964 beauftragt, wurden die vier Hauptfenster 1966 eingesetzt; bis Oktober 1979 entstanden insgesamt neunzehn Fenster, nach dem Tod des Glasmachers François Lorin (1972) unter Manessiers eigener Leitung. In der Kathedrale St. Nikolaus in Freiburg im Üechtland verglaste er 1974-1976 die Heiliggrabkapelle (Nuit du Vendredi saint, Matin de Pâques) und 1988 die Rosette des Mittelschiffs, als Ergänzung der Fenster von Józef Mehoffer.
Ab 1963 arbeitete Manessier wiederholt in der Einsiedelei von Luchente bei Valencia; 1972 ließ er sich endgültig auf seinem Hof in Emancé in der Beauce nieder. Er reagierte auf politische Ereignisse – den Ungarnaufstand mit Requiem pour novembre 1956, den Burgos-Prozess gegen baskische Aktivisten (Dezember 1970) mit zwei Lithografien von 1971 – und schuf Tapisserien wie den Zyklus zu den Geistlichen Gesängen des Johannes vom Kreuz (1969-1971). Ab 1982 entwarf er sämtliche Fenster der Kirche Saint-Sépulcre in seiner Heimatstadt Abbeville. Nach einer Retrospektive im Pariser Grand Palais (1992-1993) wurde er am 28. Juli 1993 bei einem Autounfall im Loiret schwer verletzt und starb vier Tage später.
Manessier radierte ab 1943 und schuf Aquatinten (1955-1975, gedruckt bei Lacourière et Frélaut), doch seine eigentliche Technik war die Lithografie. Auf die Mappe Pâques (1949, sieben Lithografien, Druck Jean Pons, Verlag Jeanne Bucher, 75 Exemplare) folgten Jahrzehnte der Zusammenarbeit mit der Werkstatt Mourlot und dem Chromisten Henry Deschamps. Hauptverleger war die Galerie de France; daneben erschienen Blätter bei Nesto Jacometti (L’Œuvre gravée, Paris-Zürich), bei Klipstein & Co in Bern (Hiver, 1952) und bei der Guilde de la gravure (Paris-Genf). Für die Kestner-Gesellschaft entstand 1961 auf Anregung Schmalenbachs die Weihnachtslithografie L’Avent. Die beiden Procès de Burgos (1971, Mourlot, Galerie de France) messen 73 × 106 cm, Auflage 85 auf Vélin d’Arches; Laudes II (1976, Mourlot) 50 Exemplare plus 25 Künstlerabzüge; die Oster-Folge von 1977-1978 wurde in Barcelona von Ediciones Polígrafa in 99 Exemplaren auf Guarro-Papier herausgegeben.
Ein gedrucktes Werkverzeichnis der Grafik existiert nicht. Maßgeblich ist der Online-Katalog der Association Alfred Manessier, hervorgegangen aus der Masterarbeit von Laure Vallette (Université de Picardie Jules Verne, 2005) und ergänzt von Christine Manessier. Im Handel werden zudem der Grafikkatalog der Galerie de France von 1979 (die Burgos-Blätter dort Nr. 25 und 26) und die Verzeichnisse des Verlegers Jacometti („LNJ“-Nummern) zitiert.
Auflage und Nummerierung. Die Auflagen sind klein (meist 50 bis 125), dazu kommen Künstler-, H.C.- und „Ausstellungsabzüge“. Die Nummerierung muss zum Katalog passen; siehe der Druck.
Signatur. Echte Abzüge tragen die Bleistiftsignatur „Manessier“ im Rand; mehr zur Unterschrift.
Titel. Die beiden Burgos-Lithografien wurden lange mit vertauschter Nummerierung gehandelt; es gibt apokryphe Titel („Figure“ für Laudes II). Bild und Maße mit dem Katalog vergleichen.
Zustand. Große Bögen knicken leicht, Manessiers tiefe Blau- und Rottöne verblassen im Licht. Auf volle Ränder und UV-Schutzglas beim Rahmen achten.
Fallstricke. Lithografien aus der Zeitschrift XXe siècle (Auflage 2.000), Ausstellungsplakate und Reproduktionen sind keine signierten Originalabzüge. Die Osterblätter von 1978 werden mitunter als „Radierungen“ angeboten – es sind Lithografien. Unsere Garantien finden Sie unter Authentizität.
Die Galerie wählt Manessiers Werke mit derselben Sorgfalt aus wie die seiner Weggefährten: Roger Bissière, Jean Bazaine, Gustave Singier, Maurice Estève und Ernst Wilhelm Nay. Entdecken Sie auch die Schule von Paris und lyrische Abstraktion sowie unsere Radierungen und Lithografien.
Werner Schmalenbach (Hrsg.), Alfred Manessier, Kestner-Gesellschaft, Hannover, 1958 · Laure Vallette und Christine Manessier, Alfred Manessier. Les estampes, Université de Picardie Jules Verne / Association Alfred Manessier, 2005-2021 · J. P. Hodin, Manessier, 1972 · Unser Lieben Frauen Bremen – Die Manessier-Fenster · Museum der Moderne Salzburg – Alfred Manessier · Wikipedia – Alfred Manessier · Association Alfred Manessier – Druckgrafik
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