(1911-1977)
Émile Gilioli (geboren am 10. Juni 1911 in Paris, gestorben 1977 in Paris) zählt zu den maßgeblichen Vertretern der abstrakten Bildhauerei in Frankreich nach 1945. Als Sohn italienischer Schuhmacher lernte er zuerst das Schmiedehandwerk, fand während des Krieges in Grenoble zur Abstraktion und stellte anschließend bei Denise René, Louis Carré und Dina Vierny aus. Seine glatten, ei- und kieselförmigen Plastiken aus Stein, Marmor und polierter Bronze befinden sich unter anderem im Centre Pompidou, in der Tate, im Museum of Modern Art in New York und im Kunsthaus Zürich. Sein Hauptwerk im öffentlichen Raum ist das Nationaldenkmal der Résistance auf dem Plateau des Glières (1973). Daneben entstanden Collagen, Gouachen, Tapisserie-Entwürfe und eine Reihe von Original-Lithografien.
Die Galerie Le Coin des Arts zeigt derzeit drei Seiten seines Schaffens: die Skulptur La Boisseloune (1955) aus bemaltem und graviertem Stein, verzeichnet bei Jianou und Lassalle; das Unikat Intérieur cubiste (1941), ein Pastell aus der Grenobler Zeit; sowie zwei signierte Lithografien, Composition Aile noire und Composition (1962). Jedes Werk wurde nach Qualität, Auflage bzw. Einzigartigkeit, Provenienz und Erhaltung ausgewählt.
Gilioli wuchs am Canal Saint-Martin in einer italienischen Handwerkerfamilie auf. Als Kind lebte er zeitweise in Italien und erlernte dort die Arbeit am Schmiedefeuer – eine handwerkliche Schule, die sein Verhältnis zum Material dauerhaft prägte. Nach dem Ersten Weltkrieg zog die Familie nach Nizza. Dort besuchte er die École des Arts décoratifs und arbeitete ab 1928 bei einem Bildhauer, der Garten- und Fassadenschmuck fertigte. Mit einem Stipendium kam er 1931 an die École des Beaux-Arts in Paris, zeichnete zusätzlich an der Grande Chaumière und der Académie Ranson und ließ sich 1935 in Montparnasse nieder. 1939 stellte er erstmals im Salon des Tuileries aus, damals noch figurativ.
1939 eingezogen, kam Gilioli nach Grenoble und blieb dort bis zur Befreiung. Entscheidend war die Begegnung mit dem Museumskonservator Andry-Farcy, durch den er den Kubismus kennenlernte; im Museum sah er zudem den Originalgips des Pferdes von Raymond Duchamp-Villon. Das Pastell Intérieur cubiste (1941) dokumentiert genau diesen Umbruch. 1945 richtete ihm die Galerie Laforge in Grenoble die erste Einzelausstellung aus. Es folgten Aufträge für Gedenkstätten der Résistance in der Isère und im Vercors: das Mémorial von Voreppe (1946), das Denkmal für die Deportierten von Grenoble (1950), das Monument in La Chapelle-en-Vercors (1951) und die Liegefigur in Vassieux-en-Vercors (1952). Fortan lebte er abwechselnd in Paris und in Saint-Martin-de-la-Cluze südlich von Grenoble.
Zurück in Paris, schloss sich Gilioli 1946 den abstrakten Malern um die Galerie Denise René an – Victor Vasarely, Jean Deyrolle, Jean Dewasne und Serge Poliakoff – und stellte dort ab 1947 aus; im selben Jahr verkehrte er im Atelier von Constantin Brâncuși. 1948 zeigte ihn die Galerie neben Hans Arp, Alexander Calder, Picasso, Henri Laurens, Alberto Giacometti und Robert Jacobsen. Er beteiligte sich am Salon des Réalités Nouvelles und am Salon de Mai, gehörte 1949 zu den Gründern des Salon de la Jeune Sculpture, dessen erste Ausgabe 63 Bildhauer im Garten des Musée Rodin vereinte, und war Vizepräsident der von André Bloc geleiteten Gruppe Espace, der auch Fernand Léger und Le Corbusier angehörten und die eine Synthese von Kunst und Architektur anstrebte. Der französische Staat erwarb 1951 die polierte Bronze La Sphère (1947) für das Musée national d’art moderne. In diese Jahre gehört auch La Boisseloune (1955); die Form existiert zudem als Bronzeguss von 1959.
Ab 1956 arbeitete Gilioli in einem Atelier im Pariser Viertel Vaugirard, ab 1962 stellte er bei der Galerie Dina Vierny aus. Es entstanden große polierte Bronzen wie Astrale (1966), 1980 vom Centre Pompidou erworben, sowie öffentliche und sakrale Aufträge, etwa der Brunnen des Rathauses von Grenoble (1968). Im selben Jahr widmete ihm das Musée Galliera eine Retrospektive, und er veröffentlichte seine Gedanken in dem Buch La Sculpture. Zahlreiche Tapisserie-Kartons wurden unter anderem in Aubusson gewebt. Sein Hauptwerk ist das Nationaldenkmal der Résistance auf dem Plateau des Glières in Hochsavoyen, am 2. September 1973 von André Malraux eingeweiht: eine V-förmige Architekturskulptur von gut 15 Metern Höhe mit einer Sonnenscheibe im Zentrum. Gilioli starb 1977 in Paris. Das Centre Pompidou zeigte 1979 seine Skulpturen, das Musée Maillol 1997 eine Retrospektive. Im selben Jahr kaufte die Gemeinde Saint-Martin-de-la-Cluze auf Wunsch seiner Witwe Babet Haus und Atelier; das Atelier Gilioli ist seit 2004 öffentlich zugänglich.
Gilioli zeichnete unablässig – Pastelle, Kohlezeichnungen, Gouachen und Papiercollagen, in denen die Volumen seiner Bronzen zu flächigen Zeichen in Schwarz, Weiß und Farbe werden. Seine Lithografien stammen überwiegend aus den 1960er- und 1970er-Jahren; sie sind meist mit Bleistift signiert und nummeriert, in kleinen Auflagen (auf dem Markt sind 50, 75 und 80 Exemplare belegt), Künstlerabzüge teils mit römischen Ziffern. Auch die Radierung hat er gepflegt: Labyrinthe erschien 1962 in der Mappe Paroles peintes I bei Odette Lazar-Vernet in Paris, unsigniert wie herausgegeben. Daneben gibt es von Hand mit Gouache übergangene Siebdrucke; ein solches Blatt von 1971 mit Provenienz Galerie Dina Vierny wurde 2023 bei Van Ham in Köln angeboten. Ein Werkverzeichnis der Druckgrafik ist unseres Wissens nicht erschienen. Maßgeblich ist die Monografie von Ionel Jianou und Hélène Lassalle (Arted, Paris 1971), die die Skulpturen nummeriert; eine Dissertation von Valérie-Anne Sircoulomb-Müller (Paris 1, 1995) verzeichnet das plastische Werk. Ein Blatt wird daher über Titel, Datum, Auflage und Provenienz bestimmt.
Skulptur. Behauener Stein oder Marmor ist ein Unikat; Bronzen wurden in kleinen Auflagen gegossen (ein Guss der Boisselune von 1959 trägt „1/6“). Prüfen Sie Signatur, Datum, Nummer und gegebenenfalls die Nummer bei Jianou-Lassalle.
Unikate auf Papier. Pastelle, Gouachen und Collagen sind keine Druckgrafik; ihr Wert hängt von Datierung, Motiv und Farbfrische ab. Eine Provenienz aus der Galerie Dina Vierny oder dem Atelier ist ein Plus.
Auflage und Signatur. Eine Lithografie sollte eine Bleistiftsignatur und eine stimmige Nummer tragen. Gilioli starb 1977; spätere Signaturen sind ausgeschlossen.
Mappenwerke. Die Radierungen aus Paroles peintes sind original, aber unsigniert – der Preis muss das widerspiegeln.
Zustand. Tiefe lithografische Schwarzflächen zeigen jeden Kratzer; achten Sie auf Lichtrand, Stockflecken und beschnittene Ränder.
Fallstricke. Ausstellungsplakate und Reproduktionen werden unter seinem Namen angeboten. Unsere Garantien finden Sie auf der Seite Authentizität, zur Präsentation unseren Rahmen-Service.
Die Galerie führt auch Werke von Bildhauern und Abstrakten der Nachkriegszeit: Hans Arp, Fritz Wotruba, Bernhard Heiliger, Max Bill und Serge Poliakoff. Entdecken Sie die Schule von Paris und lyrische Abstraktion, die moderne Kunst und unsere Radierungen und Lithografien.
Ionel Jianou und Hélène Lassalle, Gilioli, Arted, Paris 1971 · Émile Gilioli, La Sculpture, Robert Morel, 1968 · Gilioli. Sculptures, Centre Georges Pompidou, Paris 1979 · Giovanni Carandente, Gilioli, Stendhal, Mailand 1980 · Centre Pompidou – La Sphère · Chemins de mémoire – Émile Gilioli · Galerie Dina Vierny – Gilioli · Van Ham, Köln – Gilioli, 2023 · Atelier Gilioli
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