(1921-2012)
Ladislas Kijno (geboren am 27. Juni 1921 in Warschau, gestorben am 27. November 2012 in Saint-Germain-en-Laye) war ein französischer Maler polnischer Herkunft und eine eigenständige Stimme der lyrischen Abstraktion und des Informel der Nachkriegszeit. Berühmt wurde er durch seine Technik des zerknitterten Papiers („papier froissé“): Papier und später Leinwand werden geknüllt, wieder geglättet und mit gesprühter Farbe überzogen, sodass jede Falte zum Lichtträger wird. Neben Gemälden, Kirchenausstattungen und Glasfenstern hinterließ er Originallithografien und Siebdrucke.
Le Coin des Arts bietet derzeit Kijnos Originallithografie Composition (1971) an, ein abstraktes Blatt aus der Zeit seiner politisch engagierten Werkgruppen. Wie jede Grafik in unserem Bestand wurde es nach Druckqualität, Bleistiftsignatur, Nummerierung und Erhaltung ausgewählt. Wir verfolgen Kijnos Werk und nehmen weitere Blätter auf, sobald gute Abzüge auftauchen – mit dem Button „Künstler folgen“ werden Sie informiert.
Kijnos Vater war ein polnischer Geiger, seine Mutter stammte aus Barlin bei Béthune. 1925 zog die Familie nach Nœux-les-Mines im Bergbaugebiet des Pas-de-Calais, dem er zeitlebens verbunden blieb. Er studierte Literatur und Philosophie in Lille bei Jean Grenier, dem Lehrer Albert Camus’; Jahrzehnte später illustrierte er Greniers Les Îles. Eine schwere Erkrankung zu Beginn der 1940er-Jahre zwang ihn zu langen Sanatoriumsaufenthalten und führte zu einer geistigen Krise, die sein Werk prägte. 1946 begann er, den Gegensatz von glatten und geknitterten Oberflächen zu erforschen.
Ab 1947 widmete sich Kijno ganz der Malerei. 1949 malte er ein Abendmahl für die Krypta der Kirche Notre-Dame-de-Toute-Grâce auf dem Plateau d’Assy (Hochsavoyen), jenem Schlüsselprojekt der modernen Sakralkunst, an dem auch Léger, Matisse, Rouault und Chagall mitwirkten. Anfang der 1950er-Jahre entwickelte er sein Verfahren: Knittern, Entfalten, Sprühen – später mit Glyzerophthal-Sprühlack –, wobei die Grate das Pigment fangen und das Relief zu Licht wird. 1957 zeigte das Musée Picasso in Antibes unter Romuald Dor de la Souchère seine Serie der Galets („Kiesel“). In Paris stellte er in der Galerie Henri Bénézit aus und arbeitete mit dem griechischen Schriftsteller Nikos Kazantzakis zusammen.
1962 folgte die erste Ausstellung in der Galerie Henri Dupont in Lille, im November 1963 eine Schau in der Galerie Creuzevault in Paris mit einem Text des Kritikers René de Solier, der ihm 1972 einen Band der Reihe Musée de poche widmete. Kijno verstand sich als engagierter Maler: Et pourtant elle tourne, hommage à Galilée (1963), dann 1971 die Hommage à Angela Davis für die damals inhaftierte amerikanische Bürgerrechtlerin, aus der mehrere Lithografien mit dem Titel Balise pour Angela Davis hervorgingen. Im selben Jahr stellte ihn das Musée des Beaux-Arts in Le Havre aus. Auf der Biennale von Venedig 1980 zeigte er das Théâtre de Neruda, rund dreißig geknitterte Leinwände zu Ehren des chilenischen Dichters.
Anfang der 1980er-Jahre reiste Kijno mit dem Maler Chu Teh-Chun nach China; der daraus entstandene Zyklus Retour de Chine war 1985 im Manège royal in Saint-Germain-en-Laye zu sehen. Er entwarf Glasfenster für die Kathedrale Notre-Dame-de-la-Treille in Lille, darunter die große Fensterrose der 1999 vollendeten modernen Fassade. Das Palais des Beaux-Arts in Lille richtete ihm 2000 eine Retrospektive aus, Sankt Petersburg folgte 2006. Gemeinsam mit Robert Combas schuf er einen Kreuzweg mit vierzehn Stationen. Ab 2010 schenkte er Werke an Nœux-les-Mines; die Donation Kijno zeigt heute Gemälde, Zeichnungen, Knitterpapiere, Siebdrucke und die Geige seines Vaters.
Nach seinem Tod würdigten ihn zwei große Ausstellungen: „La grande utopie de Kijno“ in Saint-Germain-en-Laye (18. März bis 14. Mai 2017, rund 300 Werke) und „Kijno, du galet aux étoiles“ im Labanque in Béthune (23. März bis 4. August 2024, über 200 Werke, Kurator Renaud Faroux). Im deutschsprachigen Raum ist Kijno weit weniger präsent als in Frankreich; Ausstellungen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz sind kaum dokumentiert. Werke tauchen jedoch im Handel auf, etwa im Kölner Auktionshaus Van Ham mit einem kleinen Ölbild aus deutschem Privatbesitz. Den Referenzwert setzt Paris: Eine monumentale Composition (um 1978–1980, 198 × 368 cm) erzielte am 24. Juni 2022 bei Ader im Hôtel Drouot 88.320 €, fast das Dreifache der oberen Schätzung. Druckgrafik bietet einen weitaus zugänglicheren Einstieg.
Die Lithografie erlaubte Kijno, die Wirkung seiner Bilder – weiße Aussparungen, gesprühte Farbwolken, umrandete Ovalformen – auf Papier zu übertragen. Seine Blätter der 1970er-Jahre, etwa die Folge Balise pour Angela Davis (um 1971) oder abstrakte Kompositionen von 1976 in Auflagen von 100 Exemplaren, sind meist auf Velin oder BFK Rives gedruckt, etwa 50 × 70 cm groß, mit Bleistift signiert und nummeriert. Die Druckereien sind selten angegeben. Daneben entstanden Siebdrucke und ein Carborundum-Druck aus dem Atelier Pasnic für François Xaviers Le Berceau de Phénicie (2005). Zu seinen illustrierten Büchern zählen Salah Stétiés Fenêtre d’aveugle (Rougerie, 1998) und André Verdets Stances pour le peintre Alberto Magnelli (Sapone, 1999) mit einer signierten Lithografie in der Vorzugsausgabe.
Wichtig: Ein Werkverzeichnis der Druckgrafik Kijnos ist nach unserem Kenntnisstand nicht erschienen. Es gibt also keine Standardnummern wie „Mourlot 345“. Als Referenz dienen Monografien von René de Solier (1963, 1972) und Raoul-Jean Moulin (Kijno, Cercle d’Art, 1994).
Auflage und Nummerierung. Lithografien der 1970er-Jahre erscheinen meist in Auflagen von 100 bis 150 Exemplaren, dazu Künstlerabzüge mit „EA“. Die Nummer sollte mit Bleistift geschrieben, nicht gedruckt sein. Siehe der Druck.
Signatur. Originalgrafiken sind mit Bleistift signiert, meist unten rechts. Späte, für Institutionen herausgegebene Siebdrucke sind teils nur im Druck signiert und müssen so beschrieben werden. Siehe die Unterschrift.
Fehlendes Werkverzeichnis. Verlangen Sie eine vollständige Beschreibung (Jahr, Maße, Papier, Auflage) und eine detaillierte Rechnung; eine Provenienz aus den historischen Galerien Creuzevault oder Dupont ist ein Plus.
Papier und Ränder. Vollständige Ränder auf Velin oder BFK Rives; gesprühte Farbflächen sind lichtempfindlich – achten Sie auf Lichtränder, Stockflecken und verblasste Rot- und Blautöne.
Rahmung. UV-Schutzglas und säurefreies Passepartout sind empfehlenswert – siehe unsere Rahmung.
Fallstricke. Ausstellungsplakate, Reproduktionen aus Büchern wie Les Dessins de Kijno (1961) und dekorative Knitterpapiere „im Stil von Kijno“ sind keine Originalgrafik. Unsere Garantien finden Sie unter Authentizität.
Wir wählen Kijnos Lithografien neben Arbeiten verwandter Abstrakter aus: Chu Teh-Chun, Robert Combas, Hans Hartung, Ernst Wilhelm Nay und Georges Mathieu. Entdecken Sie auch die Schule von Paris und die lyrische Abstraktion sowie unsere Radierungen und Lithografien.
René de Solier, Kijno, Galerie Creuzevault, Paris 1963 · René de Solier, Ladislas Kijno, Le Musée de poche, Paris 1972 · Raoul-Jean Moulin, Kijno, Cercle d’Art, Paris 1994 · Renaud Faroux, Dans l’intimité de Kijno, Mélis, 2015 · Béthune-Bruay – Kijno, du galet aux étoiles (2024) · Van Ham, Köln – Ladislas Kijno · Gazette Drouot – Kijno goes large (2022) · Wikipédia – Ladislas Kijno
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