(1927)
Portrait d'Alex Katz - George Quasha / Speaking Portraits — CC BY 3.0
Alex Katz, geboren am 24. Juli 1927 in Brooklyn, New York, zählt zu den bedeutendsten figurativen Malern der amerikanischen Nachkriegskunst. In den 1950er-Jahren, auf dem Höhepunkt des Abstrakten Expressionismus, setzte er auf flächige Farbe, klare Konturen und kühles Licht: Porträts seiner Frau Ada, von Dichtern, Tänzern und Künstlern, Gesellschaftsszenen und die Landschaft Maines. Er gilt als Vorläufer der Pop-Art und ist bis heute aktiv. Ebenso wichtig ist sein druckgrafisches Werk von rund 800 Arbeiten: Siebdrucke, Lithografien, Holzschnitte, Radierungen, Aquatinten und in jüngerer Zeit Pigmentdrucke.
Le Coin des Arts bietet derzeit Sasha 2 (2016) an, einen Pigmentdruck (archival pigment print) in Farbe auf Crane-Museo-Max-Papier, Blatt etwa 86 × 86 cm, mit Bleistift signiert und nummeriert, aus einer Auflage von 100 Exemplaren zuzüglich Künstlerexemplaren, verlegt von Lococo Fine Art in St. Louis (Missouri). Wir haben das Blatt nach Druckqualität, Zustand und Provenienz ausgewählt – und erklären unten offen, worin sich ein solcher Pigmentdruck von einem Siebdruck oder einer Lithografie unterscheidet.
Katz, Sohn russischer Einwanderer, wuchs in Queens auf. Nach dem Dienst in der US-Marine studierte er ab 1946 an der Cooper Union School of Art in Manhattan, die er 1949 abschloss; schon als Student zeichnete er Fahrgäste in der U-Bahn. Ein Stipendium führte ihn 1949 an die Skowhegan School of Painting and Sculpture in Maine, wo er die Freilichtmalerei vor dem Motiv kennenlernte; im folgenden Sommer kehrte er zurück. Seit 1954 verbringt er die Sommer in Lincolnville. Im selben Jahr hatte er seine erste Einzelausstellung in der Roko Gallery in New York.
Mitte der 1950er-Jahre reduzierte Katz seine Figuren auf flache Formen vor einfarbigem Grund. 1958 heiratete er Ada, Biologin und Fulbright-Stipendiatin; sie wurde sein bevorzugtes Modell und erscheint in mehr als tausend Bildnissen. Seit 1959 entstehen die Cutouts, ausgeschnittene, frei im Raum stehende gemalte Figuren. Die Leinwände wuchsen, Ausschnitt und Nahsicht übernahm er von Kino und Plakatwand; unter den Dargestellten sind Frank O’Hara, John Ashbery, Allen Ginsberg und Robert Rauschenberg. Für den Choreografen Paul Taylor entwarf er Bühnenbilder und Kostüme, etwa für Polaris (1976), für den Dichter Kenneth Koch Bühnenbilder. 1977 installierte er am Times Square 23 sechs Meter hohe Porträtköpfe auf Werbetafeln. Die Albertina sieht in ihm den Erfinder der „Cool Painting“, analog zum Cool Jazz von Miles Davis.
Seine erste Museumsretrospektive richtete ihm 1986 das Whitney Museum of American Art aus. In den 1990er-Jahren rückten großformatige Landschaften in den Mittelpunkt – Blätter, Wasser, Schatten, Blumen –, die Katz „environmental“ nennt, weil sie den Betrachter umfangen. 1996 eröffnete das Colby College Museum of Art in Waterville (Maine) einen eigenen Katz-Flügel, gestützt auf eine Schenkung von über 400 Werken. Internationale Bekanntheit erlangte er, so die Albertina, erst nach seinem 70. Lebensjahr. 2022 folgten die Retrospektiven Alex Katz: Gathering im Solomon R. Guggenheim Museum, New York (21. Oktober 2022 – 20. Februar 2023), und im Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid; 2024 erhielt er die amerikanische National Medal of Arts.
Im deutschsprachigen Raum ist Katz vor allem mit der Albertina in Wien verbunden. 2009 schenkte er ihr nahezu sein gesamtes druckgrafisches Œuvre, rund 800 Blätter; 2017 kamen weitere 60 Werke, überwiegend Zeichnungen, hinzu. Damit besitzt die Albertina die größte Katz-Sammlung Europas und zählt ihn zu den „Cornerstones“ ihrer Gegenwartskunst, neben Maria Lassnig, Georg Baselitz, Valie Export und Arnulf Rainer. Zum 95. Geburtstag zeigte sie in der Basteihalle Alex Katz – Cool Painting (8. März – 29. Mai 2023), 100 Werke aus eigenem Bestand, kuratiert von Gunhild Bauer. In München widmete das Museum Brandhorst ihm vom 6. Dezember 2018 bis 22. April 2019 eine Retrospektive mit mehr als 80 Arbeiten von den 1950er-Jahren bis heute, großenteils aus der Sammlung Brandhorst; der Katalog erschien bei Hirmer.
In den 1950er-Jahren entstanden vereinzelt Radierungen, Linolschnitte, Schablonendrucke und ein dreifarbiger Holzschnitt, Still Life (1953), den Katz selbst druckte. Seit 1965 ist die Druckgrafik zentraler Teil seiner Arbeit. Der Siebdruck passt zu seinen Farbflächen; neuere Blätter zählen Dutzende Farben (51 bei Christy, 2013). In New York druckte und verlegte Simca Print Artists Blätter wie Red Coat (1983, Auflage 73, im MoMA). Hinzu kommen Lithografien, oft mit Siebdruck kombiniert (Ada Four Times, 1979/80, GHJ Graphics), Aquatinten, Holzschnitte und Fotogravuren (Coma Berenices, 2005, mit einem Gedicht von John Ashbery, Graphicstudio Tampa). Seit den 2010er-Jahren verlegt Lococo Fine Art seine Pigmentdrucke.
Das maßgebliche Werkverzeichnis entstand in der Albertina: Klaus Albrecht Schröder, Marietta Mautner Markhof, Gunhild Bauer (Hg.), Alex Katz. Prints. Catalogue Raisonné 1947–2011, Hatje Cantz, Ostfildern 2011; die zweite, um rund 300 Nummern erweiterte Auflage, Gunhild Bauer, Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Alex Katz Prints. Catalogue Raisonné 1947–2023, erschien 2023 bei Hatje Cantz zur Wiener Ausstellung. Ein Online-Supplement auf der Website des Künstlers ergänzt es. Zitiert wird „Schröder 118“ oder „S. 731“; das Kölner Auktionshaus Van Ham etwa verzeichnete Ada Four Times als WVZ 118–121 (Zuschlag: 9.030 € inkl. Aufgeld). Ältere Angaben beziehen sich auf Nicholas Maravell, Alex Katz: The Complete Prints (New York 1983).
Pigmentdruck oder Siebdruck? Siebdruck und Lithografie entstehen von einer Druckform – je Farbe ein Sieb, ein Stein oder eine Platte –, die Künstler und Drucker bearbeiten. Ein Pigmentdruck ist ein Tintenstrahldruck mit lichtbeständigen Pigmenttinten nach einer digitalen Datei, ohne von Hand bearbeitete Druckform. Zur Künstleredition statt Reproduktion machen ihn die vom Künstler freigegebene Darstellung, die angekündigte limitierte Auflage, Signatur und Nummer mit Bleistift, der benannte Verleger und die Aufnahme ins Werkverzeichnis. Gemessen an der klassischen Definition des Originaldrucks bildet er eine eigene Kategorie, und so bezeichnen wir ihn.
Auflage. Katz-Auflagen liegen meist zwischen etwa 50 und 150 Exemplaren, dazu Künstlerexemplare; Sasha 2: 100, Probedrucke mit „AP“. Siehe der Druck.
Signatur und Stempel. Bleistiftsignatur und Nummer; Lococo stempelt rückseitig, Simca mit Trockenstempel. Mehr zur Unterschrift.
Zustand. Große Farbflächen zeigen jeden Kratzer, Knick und jede Lichtrandbildung; auf volle Ränder achten.
Fallen. Offset-Plakate und Zeitschriftenbeilagen sind Reproduktionen; Blätter ohne Nummer und Verleger sind zu prüfen. Siehe Authentizität und Rahmen.
Wir wählen Grafik von Alex Katz im Zusammenhang mit anderen Meistern des Drucks aus: Roy Lichtenstein, Josef Albers, Sam Francis, Henri Matisse und Adolph Gottlieb. Entdecken Sie auch zeitgenössische Kunst sowie unsere Radierungen und Lithografien.
Gunhild Bauer, Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Alex Katz Prints. Catalogue Raisonné 1947–2023, Hatje Cantz 2023 · Klaus Albrecht Schröder, Marietta Mautner Markhof, Gunhild Bauer (Hg.), Alex Katz. Prints. Catalogue Raisonné 1947–2011, Hatje Cantz, Ostfildern 2011 · Nicholas Maravell, Alex Katz: The Complete Prints, New York 1983 · Albertina – Alex Katz. Cool Painting · Albertina – Schenkungen · Museum Brandhorst – Alex Katz · Van Ham – Ada Four Times · Alex Katz – Catalogue raisonné · Guggenheim – Alex Katz: Gathering
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