(1908-1994)
Fotograf: Vogt, Marcel, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Max Bill, geboren am 22. Dezember 1908 in Winterthur, gestorben am 9. Dezember 1994 in Berlin, ist der wichtigste Vertreter der Konkreten Kunst in der Schweiz. Der Bauhausschüler war Maler, Bildhauer, Architekt, Grafiker, Produktgestalter, Theoretiker und Politiker zugleich; als Mitbegründer und erster Rektor der Hochschule für Gestaltung Ulm prägte er die Nachkriegsgestaltung in Deutschland. Seine Bilder folgen vorab festgelegten Regeln: Farbprogressionen, gedrehte Quadrate, Variationen einer einzigen Figur. In der Druckgrafik, vor allem im Siebdruck, fand er das ideale Medium, um diese Systeme in Reihen durchzuspielen.
Die Galerie Le Coin des Arts zeigt derzeit mehrere Original-Siebdrucke von Max Bill: zwei Blätter Ohne Titel aus dem Jahr 1972, Carré (1970) sowie ein weiteres Blatt ohne Titel von 1970. Ausgewählt wurden sie nach Druckqualität, Gleichmäßigkeit der Farbflächen, Auflagenangabe und Erhaltung – bei Bill genügt ein einziger verblasster Farbton, um das Gleichgewicht der Komposition zu stören.
Von 1924 bis 1927 absolvierte Bill eine Lehre als Silberschmied an der Kunstgewerbeschule Zürich. 1925 gewann er den ersten Preis im Plakatwettbewerb zum Jubiläum der Schokoladenfabrik Suchard. Nach seinem Ausschluss aus der Schule finanzierte er mit dem Preisgeld das Studium am Bauhaus Dessau, wo er ab April 1927 bei Josef Albers, Wassily Kandinsky, Paul Klee, László Moholy-Nagy und Oskar Schlemmer lernte. 1929 ließ er sich in Zürich nieder, zunächst vor allem als Werbegrafiker; 1930 trat er dem Schweizerischen Werkbund bei. 1931 heiratete er die Cellistin und Fotografin Binia Spoerri, 1932–33 entstand sein eigenes Wohn- und Atelierhaus in Zürich-Höngg.
In Paris begegnete Bill Hans Arp und Piet Mondrian; ab 1933 stellte er mit der Gruppe Abstraction-Création aus, lernte Georges Vantongerloo kennen und schuf seine ersten Plastiken. 1935 entstand die erste Unendliche Schleife, eine dem Möbiusband verwandte Form, die ihn lebenslang beschäftigte. 1936 gestaltete er den Schweizer Pavillon der Triennale in Mailand, 1937 gehörte er zu den Gründern der Künstlervereinigung Allianz, 1941 gründete er den Allianz-Verlag. 1944 organisierte er in der Kunsthalle Basel die Ausstellung Konkrete Kunst, die erste internationale Schau dieser Richtung; 1949 folgte sein Text Die mathematische Denkweise in der Kunst unserer Zeit. Gemeinsam mit Camille Graeser, Verena Loewensberg und Richard Paul Lohse bildete er den Kern der Zürcher Konkreten.
1951, im Jahr seines großen Preises für Plastik auf der ersten Biennale von São Paulo, begann Bills deutsches Kapitel: Er war treibende Kraft bei der Gründung der HfG Ulm, entwarf ihre Gebäude, leitete ab 1952 die Abteilungen Architektur und Produktform und war ihr erster Rektor; offiziell eröffnet wurde die Schule 1955. Mit Hans Gugelot entwarf er 1954 den Ulmer Hocker, später Uhren für Junghans. An der documenta in Kassel nahm er 1955, 1959 und 1964 teil. Nach Konflikten mit jüngeren Dozenten, insbesondere mit Tomás Maldonado, trat er 1956 als Rektor zurück und kehrte 1957 in sein Zürcher Atelier zurück.
Bill saß ab 1961 im Zürcher Gemeinderat und von 1967 bis 1971 im Nationalrat; für die Expo 64 in Lausanne baute er den Sektor „Bilden und Gestalten“. Von 1967 bis 1974 hatte er den Lehrstuhl für Umweltgestaltung an der Hochschule für bildende Künste Hamburg inne; 1967/68 errichtete er sein Atelierhaus in Zumikon. 1968 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Zürich. Retrospektiven zeigten die Kunsthalle Bern und die Kestner-Gesellschaft Hannover (1968) sowie das Kunsthaus Zürich (1968/69). Zu seinem 100. Geburtstag widmete ihm das Marta Herford 2008 die Ausstellung Max Bill – ohne Anfang ohne Ende mit rund 200 Exponaten; das Zentrum Paul Klee in Bern zeigte 2021/22 max bill global über sein internationales Netzwerk.
Bills Plastiken prägen den öffentlichen Raum: die Pavillon-Skulptur an der Zürcher Bahnhofstrasse (1983) und Kontinuität (1986), ein rund fünf Meter hoher und etwa 50 Tonnen schwerer Granitmonolith vor der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Er war Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, übernahm 1985 den Vorsitz des Bauhaus-Archivs und erhielt 1993 den Praemium Imperiale in Tokio. 1991 heiratete er die Kunsthistorikerin Angela Thomas. Am 9. Dezember 1994 starb er nach einem Herzinfarkt am Flughafen Berlin-Tegel, auf der Rückreise von der Vorstellung seines Entwurfs für einen Erweiterungsbau des Bauhaus-Archivs. Sein Sohn Jakob gründete 1996 die max, binia + jakob bill stiftung, Angela Thomas 1997 die max bill georges vantongerloo stiftung im Haus Bill in Zumikon.
Den Auftakt bildet die Mappe Quinze variations sur un même thème (Paris, Éditions des Chroniques du Jour, 1938): sechzehn Blätter in Lithografie, Auflage 120, in denen eine Spirale schrittweise Dreieck, Quadrat, Fünfeck und Achteck erzeugt. 1942 steuerte Bill einen Linolschnitt zur Mappe 10 Origin bei (Allianz-Verlag Zürich, Auflage 100). Ab den 1960er-Jahren wurde der Siebdruck mit seinen satten, scharf begrenzten Flächen zu seiner bevorzugten Technik: Blätter der Edition Domberger in Stuttgart (etwa für den Siebdruck-Kalender 1968, Auflage 100), der Erker-Presse in St. Gallen und der Mappe Vier Zürcher Konstruktionen (1976), die zusammen mit Graeser, Loewensberg und Lohse erschien und sich in der Albertina in Wien befindet.
Maßgeblich sind zwei Publikationen. Max Bill. Das druckgrafische Werk bis 1968, herausgegeben von der Albrecht-Dürer-Gesellschaft zur Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg (15. Dezember 1968 bis 19. Januar 1969), Katalogredaktion Herbert Bessel, verzeichnet die Grafik bis 1968. Max Bill. Die grafischen Reihen (Verlag Gerd Hatje, Stuttgart, 1995, Vorwort von Angela Thomas Bill) dokumentiert das grafische Werk mit Kommentaren des Künstlers. Händler zitieren gelegentlich „Bessel“-Nummern; fragen Sie im Zweifel nach der genauen Quelle.
Auflage. Signierte Siebdrucke sind meist mit Bleistift nummeriert, in arabischen oder römischen Ziffern; daneben gibt es Künstlerexemplare. Mehr zum Druck.
Signatur. Originalblätter sind mit Bleistift signiert und meist datiert, unten rechts, mitunter mit Widmung. Eine im Druck wiedergegebene Signatur weist auf ein Plakat hin. Siehe die Unterschrift.
Plakat oder Grafik. Bill entwarf zahlreiche Ausstellungsplakate, oft selbst im Siebdruck. Für die Olympischen Spiele München 1972 gab die Edition Olympia eine signierte und nummerierte Auflage von 200 Exemplaren heraus, daneben Plakate mit gedruckter Signatur und Reproduktionen; nur Erstere ist ein Originaldruck.
Verlag und Stempel. Der Trockenstempel der Erker-Presse oder ein Verlagsvermerk (Domberger, XXe Siècle) erleichtert die Bestimmung. Blätter aus Kalendern oder Büchern sollten als solche ausgewiesen sein.
Zustand. Reine Farbflächen zeigen jeden Kratzer, jeden Knick und jede Lichtschädigung. Prüfen Sie die Ränder auf Stockflecken und wählen Sie einen Rahmen mit UV-Schutzglas. Unsere Garantien finden Sie unter Authentizität.
Die Galerie wählt Bills Siebdrucke nach Druckqualität und Erhaltung aus. Entdecken Sie dazu Josef Albers, Hans Arp, Gottfried Honegger, Anni Albers und Victor Vasarely sowie die moderne Kunst und unsere Radierungen und Lithographien.
Herbert Bessel (Red.), Max Bill. Das druckgrafische Werk bis 1968, Albrecht-Dürer-Gesellschaft, Nürnberg, 1968 · Max Bill. Die grafischen Reihen, Vorwort Angela Thomas Bill, Hatje, Stuttgart, 1995 · Bauhaus Kooperation – Max Bill · Zentrum Paul Klee – max bill global · Albertina – Vier Zürcher Konstruktionen · Galerie Cyprian Brenner – Kunstlexikon Max Bill
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