(1875-1963)
Photographe inconnu - CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Jacques Villon, eigentlich Gaston Duchamp, geboren am 31. Juli 1875 in Damville (Normandie), gestorben am 9. Juni 1963 in seinem Atelier in Puteaux bei Paris, war Maler des Kubismus und einer der bedeutendsten französischen Druckgrafiker des 20. Jahrhunderts. Als ältester Bruder des Bildhauers Raymond Duchamp-Villon und von Marcel Duchamp versammelte er in Puteaux den Kreis, aus dem 1912 die Section d’Or hervorging. Sein grafisches Werk umfasst rund siebzig Jahre – von den ersten Kaltnadelarbeiten 1891 bis zu den Farblithografien der 1950er-Jahre – und schließt eine große Gruppe von Reproduktionsgrafiken nach Gemälden anderer Künstler ein, die man von seinen eigenen Blättern klar unterscheiden muss.
Die Galerie Le Coin des Arts zeigt derzeit Villons Le Pigeonnier normand („Der normannische Taubenturm“, 1954), eine Originallithografie in Farben, die zu den normannischen Motiven seiner Herkunft zurückkehrt. Weitere Blätter nehmen wir auf, wenn Druckqualität, Auflage, Provenienz und Erhaltung überzeugen. Wer über Neuzugänge informiert werden möchte, klickt auf dieser Seite auf „Künstler folgen“.
Gaston Duchamp stammte aus einer wohlhabenden, kunstsinnigen Familie. Sein Großvater mütterlicherseits, der Geschäftsmann und Künstler Émile Nicolle, führte ihn 1891 in die Kaltnadelradierung ein. 1894 zog er mit seinem Bruder Raymond nach Montmartre, begann ein Jurastudium und wechselte bald zur Kunst. Damals nahm er nach dem Dichter François Villon das Pseudonym Jacques Villon an. Er besuchte 1895 das Atelier von Fernand Cormon und 1904–1905 die Académie Julian. Über zehn Jahre lang arbeitete er als Karikaturist für Pariser Blätter wie Le Courrier français, Gil Blas und L’Assiette au beurre und entwarf einige Plakate. Ab 1899 verlegte Edmond Sagot seine großformatigen Farbaquatinten mit Szenen der Pariser Gesellschaft und der Jahrmärkte, die an Degas und Toulouse-Lautrec erinnern. 1903 wirkte er an der Zeichenabteilung des ersten Salon d’Automne mit.
1906 übersiedelte Villon nach Puteaux. Um 1911 traf sich in seinem Atelier ein Kreis um seine Brüder, Albert Gleizes, Jean Metzinger, Francis Picabia, Fernand Léger und Robert Delaunay, der über Proportion und den Goldenen Schnitt diskutierte. Den Namen Section d’Or trug die Ausstellung, die im Oktober 1912 in der Pariser Galerie La Boétie eröffnete. 1913 entstanden sieben große kubistische Kaltnadelradierungen, darunter L’Équilibriste; im selben Jahr wurden alle seine Bilder auf der Armory Show in New York verkauft. Im Ersten Weltkrieg diente er nach seiner Einberufung in einer Tarnungseinheit. Das Gemälde La Table d’échecs (1919) übertrug er 1920 in eine Radierung.
In den wirtschaftlich schwierigen 1920er-Jahren erhielt Villon 1922 von der Pariser Galerie Bernheim-Jeune den Auftrag zu einer langen Folge großer Farbaquatinten nach modernen Gemälden – nach Cézanne, Van Gogh, Renoir, Matisse, Picasso, Modigliani, Maximilien Luce und anderen. Das Museum of Modern Art zählte 1953 rund 140 solcher Blätter; die Kupferplatten gehörten dem Louvre. Anfang der 1930er-Jahre wandte sich Villon der Abstraktion zu (Amro, 1931) und beteiligte sich an Abstraction-Création, um 1935 kehrte er zur Figur zurück. Im Zuge der nationalsozialistischen Aktion „Entartete Kunst“ wurden 1937 zwei seiner Grafiken aus deutschen Sammlungen beschlagnahmt, darunter die Radierung Das Schachbrett aus den Beständen der Universität Göttingen und ein Halbakt aus dem Staatlichen Museum Saarbrücken.
Erst mit über sechzig Jahren kam der Durchbruch. Ab Dezember 1944 stellte ihn die Galerie Louis Carré in Paris aus. 1949 erhielt er in Lugano den internationalen Grand Prix für Grafik, 1950 den ersten Carnegie-Preis in Pittsburgh, 1956 den Großen Preis für Malerei der Biennale von Venedig. In Deutschland war er auf der documenta 1 (1955) und der documenta II (1959) in Kassel vertreten, postum auch auf der documenta III (1964). Ab 1955 entwarf er Glasfenster für die Sakramentskapelle der Kathedrale von Metz. Er starb im Juni 1963 in Puteaux; im selben Jahr zeigte ihn das Kunsthaus Zürich. Spätere Schauen in der Schweiz folgten unter anderem in Neuchâtel (1982) und Pully (2013); das Musée Jenisch in Vevey besitzt Werke von ihm. Im deutschsprachigen Raum erschien 2003 die Monografie von Dorothee Schmit im ATHENA-Verlag, Oberhausen.
Villon war vor allem Kupferstecher und beherrschte alle Tiefdrucktechniken: Kaltnadel, Radierung und Aquatinta, oft auf derselben Platte kombiniert und in mehreren Zuständen gedruckt. Seine Originalgrafik gliedert sich grob in die bei Sagot verlegten Farbaquatinten der Belle Époque, die kubistischen Kaltnadelblätter von 1913 und die streng konstruierten Radierungen der Zwischenkriegszeit (Les Trois Ordres, 1939; Globe céleste, 1944) sowie die Farblithografien der Nachkriegszeit, von denen mehrere bei Mourlot in Paris gedruckt wurden. Hinzu kommen illustrierte Bücher wie Jacques Lassaignes Éloge de Jacques Villon (1955).
Maßgeblich sind zwei Werkverzeichnisse: Jacqueline Auberty und Charles Pérussaux, Jacques Villon, catalogue de son œuvre gravé (Paris, Paul Prouté et ses fils, 1950), und vor allem Colette de Ginestet und Catherine Pouillon, Jacques Villon. Les estampes et les illustrations. Catalogue raisonné (Paris, Arts et Métiers Graphiques, 1979), das auch die Reproduktionsaquatinten verzeichnet. Eine Angabe wie „Ginestet & Pouillon 663“ verweist auf die Katalognummer mit Zuständen, Auflage und Maßen.
Original oder Reproduktion? Ein Blatt „nach Cézanne“ oder mit zweiter Signatur ist eine autorisierte Reproduktionsaquatinta, keine eigene Komposition Villons – mit entsprechend niedrigerem Wert.
Signatur und Auflage. Auflagendrucke sind mit Bleistift „Jacques Villon“ signiert; die Nummer sollte zur Auflage im Werkverzeichnis passen. Siehe die Unterschrift und der Druck.
Zustände. Villon druckte häufig Probedrucke und mehrere Zustände; Ginestet & Pouillon hilft bei der Einordnung.
Papier und Erhaltung. Frühe Farbaquatinten sind licht- und stockfleckenempfindlich; auf vollständige Ränder achten. Eine konservatorische Rahmung mit UV-Schutzglas ist ratsam.
Fallstricke. Ausstellungsplakate, unsignierte Zeitschriftenblätter, spätere Abzüge und fotomechanische Reproduktionen kursieren unter seinem Namen. Unsere Garantien erläutert die Seite Authentizität.
Die Galerie wählt Villons Grafiken nach Druckqualität und Erhaltung aus. Entdecken Sie auch Fernand Léger, Robert Delaunay, Georges Braque, Jean Bazaine und Auguste Herbin, die Moderne Kunst sowie unsere Radierungen und Lithografien.
Colette de Ginestet und Catherine Pouillon, Jacques Villon. Les estampes et les illustrations. Catalogue raisonné, Paris, Arts et Métiers Graphiques, 1979 · Jacqueline Auberty und Charles Pérussaux, Jacques Villon, catalogue de son œuvre gravé, Paris, Paul Prouté, 1950 · Dorothee Schmit, Jacques Villon (1875–1963), Oberhausen, ATHENA-Verlag, 2003 · Das große Lexikon der Graphik, Braunschweig, Westermann, 1984 · MoMA – Pressemitteilung zur Villon-Ausstellung, 1953 · Larousse – Gaston Duchamp, genannt Jacques Villon
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