(1928-2017)
Arthur Luiz Piza, geboren am 13. Januar 1928 in São Paulo, gestorben am 26. Mai 2017 in Paris, war ein brasilianischer Grafiker, Maler und Bildhauer, der seit 1951 in Frankreich lebte. Als Schüler des aus Pleß stammenden Radierers Johnny Friedlaender entwickelte er eine unverwechselbare Technik: Mit Hohleisen, Stichel und Hammer grub er so tief in dicke Kupferplatten, dass jeder Abzug zum Relief wird. 1959 erhielt er den nationalen Grafikpreis der Biennale von São Paulo und war auf der documenta II in Kassel vertreten, 1966 folgte der David-Bright-Preis der Biennale von Venedig. Sein druckgrafisches Werk umfasst rund 400 Blätter und war über Jahrzehnte besonders in Deutschland und der Schweiz präsent.
Die Galerie Le Coin des Arts bietet rund vierzig Arbeiten von Piza an, darunter die Hohleisenstiche Faîte (1967), Anamorphose und Rouge bleu vert (1970), die „Mineralien“ Béryl, Calcédoine und Calcite (1971), Lucarne und Fruit défendu (1972), Cobra, Jacaré und La balade du petit carré V (1973), Espace dans les ronds (1974), Fragmentation (1988), Frémissement singulier (1991), Striation (1992), Bâton rouge (1993), Damier bleu (1995), Crescendo du noir II (2008), Le rouge d’en haut und Arrangement des triangles, außerdem die Radierung mit Aquatinta Rouge jaune bleu (1970), das Blatt Le coussin rouge (1970), die Keramik Disque III (1973), die Malerbücher Lichens (1983) und Piège à mots (1991) sowie eine Folge gestochener Neujahrskarten für die Pariser Galerie Michel (1994-2007). Jedes Blatt wird nach Druckqualität, Prägung, Auflage, Provenienz und Erhaltung ausgewählt.
Ein schwerer Autounfall im Alter von sieben Jahren hielt Piza von der Schule fern; er wurde privat unterrichtet, las viel und kopierte die Abbildungen eines Buches über Van Gogh. In den 1940er-Jahren lernte er im Atelier des Modernisten Antônio Gomide (1895-1967) Öl- und Freskomalerei. Dort begegnete er Clelia Dente, die er 1949 heiratete. Nach seiner Teilnahme an der ersten Biennale von São Paulo 1951, mit Arbeiten surrealistischer Prägung, ließ sich das Paar noch im selben Jahr in Paris nieder.
In Paris erlernte Piza bei Johnny Friedlaender Radierung, Aquatinta, Kaltnadel und Kupferstich. Die frühen Platten tragen noch dessen unregelmäßige, surrealistisch gefärbte Handschrift; gegen Ende der 1950er-Jahre setzt sich eine konstruktive, geometrische Formensprache durch. Nach einem Ankaufspreis auf der zweiten Biennale von São Paulo (1953) zeigte das Museu de Arte Moderna de São Paulo 1958 seine erste Einzelausstellung, 1959 folgten Rio de Janeiro und die Pariser Galerie La Hune. Im selben Jahr gewann er den nationalen Grafikpreis der fünften Biennale von São Paulo und stellte auf der documenta II in Kassel aus.
Schon früh fand Piza in deutschen Galerien ein treues Publikum. Das Grafische Kabinett Weber in Düsseldorf stellte ihn 1960 aus, das Frankfurter Kunstkabinett 1962, die Galerie Schmücking in Braunschweig 1963 und in Dortmund 1974; es folgten Mannheim (1968), die Galerie Heimeshoff in Essen (1972, 1979), die Galerie Lochte in Hamburg sowie Wiesbaden (beide 1976). In der Schweiz erhielt er 1961 den Grafikpreis der Triennale Grenchen, und Einzelausstellungen fanden in Genf (1971), bei der Galerie Bernhard Schindler in Bern (1973, 1977), in La Neuveville (1973) und bei der Galerie Suzanne Egloff in Basel (1974) statt. Weitere Preise kamen aus Ljubljana (1961), Havanna und Santiago de Chile (1965), Venedig (David-Bright-Preis, 1966), Florenz und Krakau (1970). Daneben entstanden Collagen aus zerschnittenen Aquarellen auf Leinwand, Kupfer oder Holz und ab 1979 die „Capachos“, farbige Dreiecke auf Sisalmatten.
1980 gründete Piza in Paris mit Julio Le Parc, Roberto Matta, Luis Tomasello und Horacio Garcia-Rossi den Espace latino-américain, dessen Präsident er viele Jahre war. Es folgten tief eingeschnittene Papierarbeiten („Corte / Recorte“, 1984-1985), ein Wandrelief für das Französische Kulturzentrum in Damaskus (1986), Arbeiten in Sèvres-Porzellan, Schmuck für Artcurial und Drahtgitterreliefs. Auch in Deutschland blieb er präsent, etwa bei der Galerie Braun in Wuppertal (1994) und der Galerie Donath in Troisdorf (1995); in Österreich stellte er 2008 in Innsbruck aus. Die Albertina in Wien und das Saarlandmuseum in Saarbrücken besitzen Werke von ihm. Piza, Chevalier des Arts et des Lettres, starb am 26. Mai 2017 in Paris.
Piza trieb den Tiefdruck an seine Grenze: Mit Hohleisen, Stichel, Nagel und Hammer verwandelte er die Kupferplatte in ein Flachrelief. Das feuchte Papier wird beim Druck in die Vertiefungen gepresst, sodass die Abzüge eine kräftige Blindprägung aufweisen; dank der tiefen Zellen konnte er mehrere Farben in einem Druckgang drucken. Man nannte ihn deshalb einen „Bildhauer der Platten“. Hauptverleger war die Galerie La Hune von Bernard Gheerbrant (Calcite, 1971, Auflage 95), in den 1990er-Jahren Jacqueline de Champvallins, deren Stempel Damier bleu (1995) trägt. Die Malerbücher druckte das Atelier Georges Leblanc: Piège à mots mit Gedichten von Claude Roy (Fata Morgana, 1991, 8 Stiche, 40 Exemplare); Lichens (1983) zu Gedichten von Jacques Lacarrière enthält fünf signierte Radierungen in 60 Exemplaren.
Das Werkverzeichnis der Druckgrafik bis 1981 stammt von K. Masrour: Piza, catalogue général de l’œuvre gravé (Art Moderne International, 1981), zitiert als „Masrour“ mit Nummer – Anamorphose ist Masrour 140, Calcite Masrour 146. Die Jahre 1989-1996 erfasst Bernard Gheerbrant, Piza, gravures à la gouge 1989-1996 (1997). In der Schweiz erschien 2014 bei den Éditions du Griffon eine dreisprachige Monografie, deren Vorzugsausgabe von 99 Exemplaren eine Originalgrafik auf BFK Rives enthält. Die Bibliothèque nationale de France besitzt 183 Blätter, die Pinacoteca do Estado de São Paulo ein vollständiges Konvolut.
Werkverzeichnis. Fragen Sie bei Blättern vor 1981 nach der Masrour-Nummer, für 1989-1996 nach der Angabe bei Gheerbrant.
Auflage. Die Auflagen schwanken: 85 bei Anamorphose, 95 bei Calcite, 99 bei Damier bleu, 211 bei Le coussin rouge. Mehr zum Druck.
Signatur. Die Auflagenexemplare sind mit Bleistift signiert und nummeriert; die kleinen Neujahrskarten für Händler oft nicht. Siehe die Unterschrift.
Prägung und Zustand. Das Relief macht den Wert aus. Ein flachgedrücktes oder gerolltes Blatt verliert erheblich; beim Rahmen sollte ein Abstandhalter das Glas vom Papier trennen.
Provenienz. Ein Verlegerstempel (La Hune, Champvallins) oder ein Galerieetikett, etwa einer der genannten deutschen Galerien, ist ein wertvoller Hinweis.
Fallen. Eine fotografische Reproduktion hat keine Prägung: Betrachten Sie das Blatt immer im Streiflicht. Objekte und Keramiken ohne Marke oder Dokumentation verdienen Vorsicht. Unsere Garantien finden Sie unter Authentizität.
Wir zeigen Piza neben seinem Lehrer Johnny Friedlaender, seinem Freund Zao Wou-Ki, den Lateinamerikanern Roberto Matta und Jesús Rafael Soto sowie Maria Helena Vieira da Silva, die wie er von der Galerie Jeanne Bucher vertreten wurde. Entdecken Sie auch die zeitgenössische Kunst und unsere Radierungen und Lithographien.
K. Masrour, Piza, catalogue général de l’œuvre gravé, Art Moderne International, 1981 · Bernard Gheerbrant, Piza, gravures à la gouge 1989-1996, Éditions J. de Champvallins, 1997 · Marcelo Mattos Araujo, Marie Sophie Lemoine, Arthur Luiz Piza, Éditions du Griffon, 2014 · Les presses du réel – Arthur Luiz Piza, Éditions du Griffon · Galeria Raquel Arnaud – Lebenslauf · Fonds Arthur-Luiz Piza
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