(1915-1995)
Dietmar Bührer, 1974 — CC BY-SA 4.0
Bernhard Heiliger, geboren am 11. November 1915 in Stettin, gestorben am 25. Oktober 1995 in Berlin, gilt als einer der wichtigsten Bildhauer der deutschen Nachkriegszeit. Von seinem Atelier in Berlin-Dahlem aus prägte er über vier Jahrzehnte den öffentlichen Raum der Stadt, von der Flamme auf dem Ernst-Reuter-Platz bis zu Kosmos 70 im Reichstagsgebäude, und lehrte von 1949 bis 1986 an der Berliner Hochschule für bildende Künste. Er war auf der documenta I, II und III in Kassel und 1956 auf der Biennale Venedig vertreten. Neben Bronzen und Stahlplastiken hinterließ er ein umfangreiches zeichnerisches Werk und eine kleine Zahl sorgfältig edierter Originallithografien, die meisten aus dem Umfeld der Erker-Galerie in St. Gallen.
Die Galerie Le Coin des Arts bietet derzeit drei mit Bleistift signierte Lithografien Heiligers an: Erker-Treffen 1 (1972) und Erker-Treffen 3 (1979), zwei Blätter im Format 38 × 28 cm aus Auflagen von 200 Exemplaren, erschienen beim Erker in St. Gallen, sowie ein kleines Blatt von 1966 aus der Mappe Hommage à Hans Arp. Ausgewählt haben wir sie wegen der Druckqualität, des frischen Erhaltungszustands und ihrer klar belegten Herkunft aus dem Erker-Programm.
Nach einer Steinbildhauerlehre in Stettin (1930-1933) besuchte Heiliger von 1933 bis 1936 die Werkschule für Gestaltende Arbeiten bei Kurt Schwerdtfeger, einem ehemaligen Bauhaus-Schüler. Schon die frühesten erhaltenen Zeichnungen, Motive aus dem Pommerschen Haff und Fischerboote, zeigen die Bedeutung, die das Zeichnen für ihn zeitlebens behielt. Ab dem Wintersemester 1938/39 studierte er an der Staatlichen Hochschule in Berlin bei Arno Breker; als wichtigsten Teil seiner Ausbildung nannte er später Richard Scheibe. Im April 1939 reiste er für etwa zwei Wochen nach Paris, wo er Charles Despiau und Aristide Maillol besuchte. Wie die Bernhard-Heiliger-Stiftung darlegt, hat Heiliger diese Reise später zu einem längeren Aufenthalt ausgeweitet und Brekers Einfluss auf seine Arbeiten von 1939 bis 1941 weitgehend verschwiegen; als Bezugspunkte nannte er Constantin Brancusi und Hans Arp. 1941 eingezogen, diente er zwei Jahre als Funker an der Ostfront, arbeitete 1943 in Brekers Werkstätten in Wriezen, wurde 1944 erneut eingezogen und schlug sich bis Kriegsende nach Berlin durch.
Schon 1946 stellte Heiliger in Berlin aus, von 1947 bis 1949 lehrte er an der Hochschule in Weißensee. 1948 folgten die erste Einzelausstellung und der Sieg im Wettbewerb für ein Max-Planck-Denkmal; die Jäterin wurde zum ersten Museumsankauf nach dem Krieg. 1949 bezog er das Atelier am Käuzchensteig in Dahlem und wurde an die Hochschule in Charlottenburg berufen. Es folgten der Kunstpreis der Stadt Berlin (1950), eine Werkschau im Haus am Waldsee (1950), der Kunstpreis der Stadt Köln (1952), 1953 der Preis der Bundesregierung, ein Anerkennungspreis des Londoner Institute of Contemporary Arts im Wettbewerb „Der unbekannte politische Gefangene“ und die Teilnahme an der Biennale São Paulo. Nach der documenta I (1955) brachte das Jahr 1956 den Großen Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen, eine Einzelpräsentation auf der Biennale Venedig, den Fährmann in Esslingen und die Wahl in die Akademie der Künste Berlin. 1958 schuf er den Figurenbaum für den deutschen Pavillon der Weltausstellung in Brüssel. 1959 war er auf der documenta II vertreten, empfing Henry Moore in Dahlem und zeigte erste Retrospektiven in der Stadthalle Wolfsburg, der Kongresshalle Berlin, der Kunsthalle Mannheim und dem Kunstmuseum Luzern.
Nach einer ersten USA-Reise mit Ausstellung bei Staempfli in New York (1961) und der ersten Monografie von Hanns-Theodor Flemming (1962) wurde 1963 die Flamme auf dem Ernst-Reuter-Platz enthüllt; im selben Jahr entstand das Relief Pantha Rhei für die Botschaft der Bundesrepublik in Paris. 1964 folgten die documenta III und vom 3. Oktober bis 7. November die erste Einzelausstellung in der Galerie im Erker in St. Gallen. Ein Foto im Archiv der Stiftung zeigt Heiliger dort mit Max Bill, Martin Heidegger, dem Verleger Günther Neske und dem Galeristen Franz Larese vor dem Ausstellungsplakat. 1965 erhielt er den Burda-Preis für Plastik, 1966 entwarf er Bühnenbilder für Faust II und einen Relieffries in Bremen, 1968 standen die Vertikalen Motive I-III in der Neuen Nationalgalerie. Von 1970 bis 1994 stand Kosmos 70 im Westfoyer des Reichstagsgebäudes, sichtbar durch die Glaswand des Plenarsaals; beim Umbau eingelagert, soll die Plastik nach Beschluss des Kunstbeirats im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus einen neuen Ort finden. Ab 1969 arbeitete Heiliger zunehmend mit Aluminium, Stahl und Kunststoffen.
Es folgten Montana I im Park der Villa Hammerschmidt in Bonn, das Bundesverdienstkreuz (1974), der Lovis-Corinth-Preis und Retrospektiven in der Akademie der Künste Berlin und im Saarland Museum Saarbrücken (1975). Mit Beginn der achtziger Jahre setzte die „Eisenzeit“ ein: 1981 stellte die Galerie Levy in Hamburg aus, es entstanden Tag und Nacht für Daimler in Stuttgart-Untertürkheim, das Auge der Nemesis (1989) vor der Schaubühne am Kurfürstendamm, Echo I und II vor dem Kammermusiksaal der Philharmonie und das Ulmer Tor für das Universitätsklinikum Ulm. 1984 wurde er Ehrenmitglied des Deutschen Künstlerbundes, 1985 zeigte ihn das Wilhelm-Lehmbruck-Museum in Duisburg, 1989 erschien die Monografie von Siegfried Salzmann und Lothar Romain, 1991 folgte eine große Ausstellung auf der Museumsinsel. In seinem Todesjahr 1995 widmete ihm die Bundeskunsthalle Bonn eine Retrospektive. Die Bernhard-Heiliger-Stiftung (seit 1996) bewahrt Atelier, Skulpturengarten und Archiv im heutigen Kunsthaus Dahlem und digitalisiert derzeit die Zeichnungen und Lithografien.
Heiligers Druckgrafik ist vor allem Lithografie: Bögen, Klingen und Splitter in Schwarz oder Farbe, die die Linienführung der Metallplastiken auf das Blatt übertragen. Der wichtigste Partner war der Erker in St. Gallen, Galerie, Verlag und Lithowerkstatt (Erker-Presse) von Franz Larese (1927-2000) und Jürg Janett (1927-2016), wo auch Robert Motherwell druckte und 1969 Eduardo Chillida und Martin Heidegger Die Kunst und der Raum veröffentlichten. Das Kunstmuseum St. Gallen widmete dem Erker 2021 die Ausstellung ERKER Galerie – Edition – Verlag. Die Blätter Erker-Treffen sind kleinformatige Lithografien in Auflagen von 200 Exemplaren, mit Bleistift signiert und nummeriert; ein bei Drouot versteigertes Exemplar von Erker-Treffen 1 wurde als Druck der Erker-Presse auf BFK-Rives-Bütten beschrieben.
Die Mappe Hommage à Hans Arp vereint kleine Lithografien (ca. 22 × 17 cm) u. a. von Hans Hartung, dem Wiener Bildhauer Fritz Wotruba, Ossip Zadkine, Antoni Tàpies, Piero Dorazio, Asger Jorn und Robert Motherwell. Heiligers Blatt trägt Monogramm und Datum „BH / 66“ und ist auf 100 nummeriert; das Museum of Fine Arts in Houston nennt als Verlag die Galerie im Erker. Ein veröffentlichtes Werkverzeichnis der Druckgrafik ist uns nicht bekannt. Maßgeblich für die Plastik ist Marc Wellmann, Bernhard Heiliger 1915-1995. Monographie und Werkverzeichnis (Wienand, Köln 2005), zitiert als „WV“ mit Nummer (Flamme = WV 263, Kosmos 70 = WV 336); für die Köpfe liegt sein Werkverzeichnis in Bernhard Heiliger. Die Köpfe (Wienand, 2000) vor.
Verlag. Entscheidend ist der Erker-Bezug (Galerie im Erker, Erker-Verlag, Erker-Presse, St. Gallen) und die Angabe, aus welcher Publikation das Blatt stammt.
Auflage. Erker-Treffen: 200 arabisch nummerierte Exemplare; Hommage à Hans Arp: 100 Exemplare und eine kleine römisch nummerierte Serie. Mehr zum Druck.
Signatur. Auflagendrucke sind mit Bleistift signiert, teils nur mit „BH“ und Jahreszahl. Siehe die Unterschrift.
Einzelblatt. Die meisten Exemplare sind aus ihrer Mappe gelöst. Das ist üblich, sollte aber in der Beschreibung stehen.
Erhaltung. Bei kleinen Formaten zählen unbeschnittene Ränder. Schwarze Flächen zeigen Abrieb und Knicke, Licht vergilbt das Papier: eine konservatorische Rahmung mit UV-Schutzglas ist ratsam.
Keine Originalgrafik. Ausstellungsplakate, Katalogabbildungen und Fotografien von Plastiken. Unsere Garantien unter Authentizität.
Die Galerie zeigt Heiliger im Kreis der Bildhauer und Erker-Künstler mit Hans Arp, Fritz Wotruba, Max Bill, Ernst Wilhelm Nay und Horst Antes. Entdecken Sie auch moderne Kunst und unsere Radierungen und Lithografien.
Marc Wellmann, Bernhard Heiliger 1915-1995. Monographie und Werkverzeichnis, Wienand, Köln 2005 · Marc Wellmann, Bernhard Heiliger. Die Köpfe, Wienand, Köln 2000 · Siegfried Salzmann, Lothar Romain, Bernhard Heiliger, 1989 · Bernhard-Heiliger-Stiftung – Lebensdaten · Bernhard-Heiliger-Stiftung – Panta Rhei · museum-digital – Eröffnung Galerie im Erker · Deutscher Bundestag – Kosmos 70 · Museum of Fine Arts, Houston – Hommage à Hans Arp
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