(1913-2005)
Madeleine Clavé / Archives Antoni Clavé – CC BY-SA 4.0
Antoni Clavé (Barcelona 1913 – Saint-Tropez 2005) war ein katalanischer Maler, Grafiker, Bildhauer und Bühnenbildner, der nach dem Spanischen Bürgerkrieg sein gesamtes Werk in Frankreich schuf. Vom Kinoplakatmaler in Barcelona über das Flüchtlingslager bei Perpignan bis zur Freundschaft mit Picasso und den Ausstattungen für Roland Petit führt ein ungewöhnlicher Weg zu einer Malerei aus Materie, Collage und Zeichen. Sein druckgrafisches Werk umfasst nach Angaben der Bibliothèque nationale de France rund 550 Blätter: Farblithografien der 1940er- und 1950er-Jahre, später Radierungen, Aquatinten und Carborundum-Drucke mit Reliefprägung, in denen Könige, Krieger, Handschuhe und zerknitterte Blätter wiederkehren.
Die Galerie Le Coin des Arts zeigt von Antoni Clavé ein Unikat in Mischtechnik, Guerrier à la lance (1960), sowie Druckgrafik aus allen Schaffensphasen: die Lithografien Cirque ou La Parade (1949), La Femme-peintre au coq (1951), Mort du Torero (1952), Femme-peintre (1953), Feuille de nuit (1963), Feuille d’automne (1964) und Trobadors (1970) sowie die Radierungen und Carborundum-Arbeiten La Main (1966), Roi Noir (1967), La Feuille (1967), Guerrier au fond rouge (1970), Guerrier aux étoiles (1970), Gants au collage (1972), Gris, Noir, Blanc, Rouge (1973), La Gloire des Rois (1976), Avec des flèches (1979), ein Blatt Ohne Titel (1988) und Un altre instrument (1989). Ausgewählt wurden sie nach Druckqualität, Auflage, Provenienz und Erhaltungszustand.
Antoni Clavé i Sanmartí wurde am 5. April 1913 in Barcelona geboren. Ab 1926 besuchte er Abendkurse an der Kunstschule der Llotja, unter anderem bei Josep Mongrell, und ging bei einem Anstreicher in die Lehre, wo er Leimfarben, Grundierungen und Holzmaserierung erlernte. Ab 1932 malte er für die Firma Cinaes die großformatigen Filmplakate an den Fassaden Barceloneser Kinos und arbeitete für Werbung und eine Kinderzeitschrift. Schon Mitte der 1930er-Jahre klebte er Schnüre, bedruckte Stoffe, Wellpappe und Zeitungspapier in seine Entwürfe – ein Vorgriff auf die Collagen seines Spätwerks. Im Bürgerkrieg zeichnete er Plakate und Propagandablätter für die republikanische Armee.
Ende Januar 1939 überquerte Clavé die französische Grenze und wurde zunächst in Prats-de-Mollo, dann im Lager des Haras in Perpignan interniert, wo er Porträts und Zeichnungen schuf. Im Frühjahr kam er nach Paris und verdiente seinen Lebensunterhalt mit Comics für Jugendzeitschriften. 1940 stellte er erstmals allein in der Buchhandlung Au Sans Pareil aus, 1941 bezog er ein Atelier in Montparnasse. Seine Malerei dieser Jahre steht Bonnard und Vuillard nahe; 1943 illustrierte er Mérimées Lettres d’Espagne mit Lithografien. 1944 besuchte Picasso seine Ausstellung – der Beginn einer langen Freundschaft, die Clavés Könige, Harlekine und Kinderbildnisse prägte.
Nach dem Krieg wurde Clavé zu einem gefragten Bühnenbildner, dessen Ausstattungen in Paris, London und New York zu sehen waren. Er entwarf Los Caprichos für die Ballets des Champs-Élysées (1946), Bühnenbild und Kostüme für Roland Petits Carmen (Uraufführung in London am 21. Februar 1949), Ballabile für Covent Garden (1950), Ruth Pages Revenge (1951) und Lorcas La Maison de Bernarda Alba (1951); für den Hollywoodfilm Hans Christian Andersen (1952) erhielt er zwei Oscar-Nominierungen. Zugleich illustrierte er bibliophile Bücher: Puschkins Pique Dame und Mérimées Carmen (1946), Voltaires Candide (1948) und vor allem Rabelais’ Gargantua, 1950 begonnen und 1955 von den Bibliophiles de Provence mit 61 Originalfarblithografien herausgegeben. Aus diesem Buch erwuchsen die Spielkartenkönige, mittelalterlichen Figuren und Krieger seines späteren Werks. 1954 gab Clavé die Bühne auf, um nur noch zu malen.
Es folgten rasch Auszeichnungen: der Unesco-Preis für Druckgrafik der XXVIII. Biennale von Venedig 1956, der Matarazzo-Preis der IV. Biennale von São Paulo 1957 und der Preis des Museums Kamakura bei der Grafik-Biennale Tokio 1958. Früh fand Clavé in der Schweiz ein aufmerksames Publikum: 1957 stellte ihn die Galerie Beyeler in Basel aus, mit einem Katalogtext von Jean Cassou; 1961 zeigte das Musée Rath in Genf die Schau „25 Ans de Peinture“. Der Verlag La Guilde de la Gravure (Paris–Genf) gab mehrere seiner Lithografien heraus, darunter Cirque ou La Parade (1949) und La Femme-peintre au coq (1951). Ab 1957 entwarf Clavé Teppiche, ab 1960 entstanden Reliefs, Assemblagen und totemartige Skulpturen aus Holz und Blei.
1965 ließ sich Clavé bei Saint-Tropez nieder und richtete dort eine eigene Druckwerkstatt ein. 1972 stellte die Galerie Dreiseitel in Köln aus, im selben Jahr reiste er über Tokio nach New York, wo ihn die Graffiti in U-Bahn und Straßen beeindruckten; die daraus entstandene Serie Vu à New York war 1990 auf der Art Basel zu sehen. In Paris widmeten ihm 1978 das Centre Pompidou und das Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris Ausstellungen, 1979 folgte das Musée d’Unterlinden in Colmar; 1984 war der gesamte spanische Pavillon der Biennale von Venedig seinem Werk gewidmet. 2001 fand in Locarno eine Retrospektive statt, begleitet von Pierre Daix’ Buch über seine Assemblagen. Clavé starb Ende August 2005 in Saint-Tropez. 2006 zeigte die Fondation Fernet-Branca in Saint-Louis bei Basel eine Retrospektive, 2008 die Galerie Beyeler in Basel.
Clavés frühe Druckgrafik besteht überwiegend aus Lithografien, viele davon in der Pariser Werkstatt von Edmond Desjobert gedruckt. Mitte der 1960er-Jahre wandte er sich dem Tiefdruck zu – Radierung und Aquatinta – und entdeckte 1968 das Carborundum-Verfahren, das Henri Goetz entwickelt hatte. Es erlaubte plastische Reliefs, tiefe Schwarztöne und Abdrücke realer Gegenstände; Clavé montierte Stoff, Karton, Schnüre und Schlüssel, später Nägel, Reißzwecken, Schrauben und Heftklammern in seine Platten und arbeitete mit Blindprägung – bis Ende der 1990er-Jahre.
Maßgeblich sind drei Werkverzeichnisse: Roger Passeron, Antoni Clavé. L’œuvre gravé 1939-1976, erschienen 1977 im Office du Livre in Fribourg; das Verzeichnis der Obra gráfica 1957-1983 der Sala Gaspar in Barcelona; sowie das dreisprachige Antoni Clavé. L’œuvre gravé / Printed Work / Obra grabada von Tomàs Llorens, Céline Chicha-Castex und Aude Hendgen (Skira, 2017), das die älteren Verzeichnisse aktualisiert und die illustrierten Bücher einschließt. Die Angabe „Passeron 264“ – zitiert für Guerrier aux étoiles (1970) – bezeichnet die Nummer im Verzeichnis von 1977; Blätter nach 1976 werden nach Sala Gaspar oder Skira zitiert.
Auflage. Die Auflagen schwanken stark: 200 Exemplare bei La Femme-peintre au coq (1951), 80 bei Guerrier aux étoiles (1970). Daneben gibt es Künstlerabzüge („EA“) und römisch nummerierte Exemplare. Mehr unter Der Druck.
Signatur. Originalabzüge sind von Clavé mit Bleistift signiert; eine in der Platte mitgedruckte Signatur genügt nicht. Siehe Die Unterschrift.
Papier und Ränder. Carborundum-Drucke verlangen kräftiges Papier, das das Relief trägt. Plattgedrückte Strukturen oder beschnittene Ränder mindern den Wert erheblich.
Werkverzeichnis. Lassen Sie sich die Nummer nach Passeron, Sala Gaspar oder Skira nennen und vergleichen Sie Maße und Farben.
Zustand. Collage-Elemente und Prägungen sind empfindlich; ältere Blätter können Stockflecken oder leichte Vergilbung zeigen. Ein tiefes Passepartout schützt das Relief – siehe unsere Seite Rahmen.
Fallstricke. Ausstellungsplakate (etwa der Galerie Beyeler oder der Sala Gaspar) werden mitunter als Originallithografien angeboten, ebenso aus Büchern gelöste Tafeln oder unsignierte Reproduktionen. Unsere Garantien erläutert die Seite Authentizität.
Le Coin des Arts wählt die Grafik von Antoni Clavé nach Druckqualität und Erhaltung aus. Verwandte Künstler: Pablo Picasso, Joan Miró, Antoni Tàpies, Eduardo Chillida und Wifredo Lam. Weiter zu Moderne Kunst und illustrierte Bücher.
Roger Passeron, Antoni Clavé. L’œuvre gravé 1939-1976, Office du Livre, Fribourg, 1977 · Tomàs Llorens, Céline Chicha-Castex, Aude Hendgen, Antoni Clavé. L’œuvre gravé / Printed Work / Obra grabada, Skira, 2017 · Antoni Clavé, Galerie Beyeler, Basel, 1957 (Text: Jean Cassou) · Ketterer Kunst – Antoni Clavé, Biografie · Almine Rech – Antoni Clavé, Chronologie · BnF – Antoni Clavé. Estampes (2018)
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