(1929-1994)
Portrait de Sam Francis, Eric Koch / Anefo / NationaalArchief, 1968 — CC BY-SA 3.0 NL
Sam Francis, geboren am 25. Juni 1923 in San Mateo (Kalifornien), gestorben am 4. November 1994 in Santa Monica, zählt zu den bedeutendsten amerikanischen Malern der abstrakten Nachkriegskunst. Bekannt wurde er im Paris der 1950er-Jahre; besonders früh erkannten jedoch Kuratoren und Händler in Bern und Basel seinen Rang. Seine fließenden Farbinseln und weiten, leeren Weißflächen machten ihn zu einem der großen Koloristen seiner Zeit. Ebenso umfangreich ist sein druckgrafisches Werk: mehr als 500 Auflagen, vor allem Farblithografien, daneben Radierungen, Aquatinten, Siebdrucke und Monotypien.
Die Galerie Le Coin des Arts bietet derzeit Sam Francis’ Farblithografie Damp (1969) an, mit der Werkstattnummer SF-90 und im Werkverzeichnis von Connie W. Lembark unter L104 verzeichnet. Gedruckt wurde sie in der Tamarind-Werkstatt in Los Angeles; ausgewählt haben wir sie, wie jedes Blatt, nach Druckqualität, Auflage, Provenienz und Erhaltung. Über neue Arbeiten informiert Sie die Schaltfläche „Künstler folgen“.
Francis studierte zunächst Botanik, Medizin und Psychologie an der University of California in Berkeley. Als Angehöriger des Fliegerkorps der US-Armee verletzte er sich 1943 bei einem Übungsflug schwer am Rücken. Während eines mehrjährigen Krankenhausaufenthalts begann er zu malen. Nach Berkeley zurückgekehrt, schloss er 1949 mit dem Bachelor und 1950 mit dem Master in Kunst ab. Der Blick von oben, die Erfahrung des Fliegers, prägt nach Einschätzung des Museo Reina Sofía seine Bildräume von Anfang an.
Ab 1950 lebte Francis in Paris, wo er unter anderem Al Held, Joan Mitchell und Jean-Paul Riopelle kennenlernte. 1952 stellte er erstmals allein aus, in der Galerie Nina Dausset und der Galerie du Dragon: fast monochrome, weiße und graue Leinwände. Der Kritiker Michel Tapié setzte sich für ihn ein, man rechnete ihn dem Tachismus zu. Die Seerosenbilder Monets führten ihn zur reinen Farbe und zu großen Formaten zurück. Im Dezember 1954 besuchten Arnold Rüdlinger, Leiter der Kunsthalle Bern, und der Berner Händler Eberhard W. Kornfeld sein Pariser Atelier – der Beginn einer dauerhaften Freundschaft und einer engen Bindung an Bern. Rüdlinger zeigte 1955 in der Ausstellung „Tendances actuelles 3“ erstmals Francis’ großformatige Gemälde in der Schweiz; ab 1957 stellte Kornfeld ihn regelmäßig in seiner Galerie aus und ermutigte ihn zur Druckgrafik. 1956 nahm ihn das New Yorker Museum of Modern Art in die Ausstellung „Twelve Americans“ auf.
Als Leiter der Kunsthalle Basel beauftragte Rüdlinger Ende 1956 drei Wandbilder für das Treppenhaus; Francis malte sie 1956 bis 1958 in Paris, von 1958 bis 1964 hingen sie in Basel. Die Kunsthalle kaufte sie nicht; heute befindet sich Basel Mural I im Norton Simon Museum in Pasadena, Basel Mural II im Stedelijk Museum Amsterdam. In der Kunsthalle Basel eröffnete am 19. April 1958 auch die Wanderausstellung des MoMA „The New American Painting“ mit siebzehn Malern, darunter Francis, Jackson Pollock, Mark Rothko und Adolph Gottlieb; sie reiste anschließend unter anderem nach Berlin. 1959 war Francis auf der documenta II in Kassel und auf der Biennale von São Paulo vertreten, 1964 auf der documenta III. Weitere Wandbilder folgten: 1957 in Tokio, 1959 für die Chase Manhattan Bank in New York und später ein Auftrag für Berlin. 1961 lag er schwer erkrankt in einem Berner Krankenhaus – in dieser Zeit entstand die Serie der „Blue Balls“. Er unterhielt zeitweise ein eigenes Atelier in Bern; die Kunsthalle Bern widmete ihm um 1960 eine Einzelausstellung, die danach im Moderna Museet in Stockholm gezeigt wurde.
Ab 1962 lebte Francis in Santa Monica, blieb aber Japan eng verbunden: 1966 heiratete er die Künstlerin Mako Idemitsu, 1973/74 lebte er überwiegend in Tokio. Die Kunsthalle Basel zeigte ihn 1968 erneut. In den frühen 1970er-Jahren entstanden die „Fresh Air“-Bilder und die Rasterbilder der „Matrix“-Serie, beeinflusst von der Jung’schen Analyse, die er 1971 begann. 1984 gründete er in Los Angeles den Buchverlag The Lapis Press. Im Jahr 1993 richtete Pontus Hulten in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn eine große Retrospektive aus. Im letzten Lebensjahr, krebskrank und ohne Gebrauch der rechten Hand, malte er mit der linken noch rund 150 kleine Bilder. Das Kunstmuseum Bern würdigte später in „Sam Francis und Bern“ die Beziehung zur Stadt und ihren Künstlern wie Franz Fedier, Samuel Buri, Rolf Iseli und Peter Stein; das Kunstmuseum Basel besitzt Werke von ihm. Im September 2024 versteigerte die Galerie Kornfeld in Bern aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld das Gemälde Paris Summer (1958).
Seine ersten Lithografien entstanden 1960 in Zürich beim Drucker Emil Matthieu, verlegt von Kornfeld und Klipstein, Bern: First Stone eröffnet die Folge, The White Line (Auflage 75) besitzt das MoMA. 1963 arbeitete er sechs Monate im Tamarind Lithography Workshop in Los Angeles, fast ausschließlich mit Tuschelavis; dort druckte Dan Socha 1969 auch Damp. Bei Gemini G.E.L. entstand 1971 Spleen, über 1,80 m breit, sein bis dahin größtes Blatt; dort lernte er auch den Siebdruck kennen. 1970 gründete er in Santa Monica seine eigene Werkstatt, The Litho Shop: Zuerst Hitoshi Takatsuki, dann über zwanzig Jahre George Page druckten seine Lithografien; ab 1981 kam mit Jacob Samuel der Tiefdruck hinzu, vor allem die Aquatinta. Seine Monotypien behandelt Pontus Hultens Buch The Monotypes of Sam Francis (Stuttgart, Cantz, 1994).
Maßgeblich ist das Werkverzeichnis von Connie W. Lembark, The Prints of Sam Francis: A Catalogue Raisonné 1960-1990 (New York, Hudson Hills Press, 1992), in zwei Bänden: Band I die Lithografien mit einem Essay von Ruth E. Fine, Band II Tiefdrucke, Siebdrucke und Plakate. Lithografien tragen eine „L“-Nummer: „Lembark L1“ ist First Stone, „L104“ ist Damp. Im Handel begegnen außerdem Werkstattnummern „SF“ (Damp = SF-90, Veiled Sail = SF-91 = L105); sie ersetzen die Lembark-Nummer nicht.
Werkverzeichnis. Lembark-Nummer, SF-Nummer, Titel, Jahr, Format und Werkstatt müssen übereinstimmen. Blätter nach 1990 sind im Band von 1992 nicht enthalten.
Auflage. Die Auflagen sind oft klein, für Damp werden 20 Exemplare angegeben. Farbprobedrucke, bei Francis zahlreich, stehen außerhalb der Auflage und sollten so bezeichnet sein. Mehr unter Der Druck.
Signatur. Erwarten Sie eine Bleistiftsignatur; das Exemplar von Damp in der National Gallery of Art in Washington trägt „Sam Francis“ und „Tam Imp“ in Grafit. Siehe Die Unterschrift.
Papier und Erhaltung. Die großen Bögen, oft BFK Rives, sind randvoll gedruckt; Lichtschäden, Flecken oder beschnittene Ränder wiegen schwer, wo das Weiß des Papiers Teil des Bildes ist.
Plakate. Auch Plakate stehen bei Lembark; ein Offset-Ausstellungsplakat bleibt dennoch eine Reproduktion und kein Originaldruck.
Unikate. Monotypien und Gouachen sind Einzelstücke und gehören in das Archiv der Sam Francis Foundation. Lesen Sie unsere Seiten zu Authentizität und Rahmen.
Wir zeigen Sam Francis neben weiteren Meistern der gestischen Abstraktion: Ernst Wilhelm Nay, Hans Hartung, Jean-Paul Riopelle, Adolph Gottlieb und Zao Wou-Ki. Entdecken Sie die Schule von Paris und lyrische Abstraktion sowie unsere Radierungen und Lithografien.
Connie W. Lembark, The Prints of Sam Francis: A Catalogue Raisonné 1960-1990, New York, Hudson Hills Press, 1992 · Pontus Hulten, The Monotypes of Sam Francis, Stuttgart, Cantz, 1994 · Debra Burchett-Lere (Hg.), Sam Francis: Catalogue Raisonné of Canvas and Panel Paintings, 1946-1994, University of California Press, 2011 · Kunstmuseum Bern – Sam Francis und Bern · Galerie Kornfeld – Paris Summer, 1958 · MoMA – The New American Painting, 1958 · National Gallery of Art – Damp · Sam Francis Foundation
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