(1934-2005)
Jean-Michel Folon (1934–2005) war ein belgischer Zeichner, Aquarellist, Plakatkünstler, Grafiker und Bildhauer. Seine kleinen Männer mit Hut und Mantel, seine Vögel und sanft verlaufenden Farbhimmel gehören zu den bekanntesten Bildfindungen der zeitgenössischen Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Um 1960 von New Yorker Zeitschriften entdeckt, arbeitete er für Verlage, Fernsehen und zahlreiche humanitäre Organisationen, bevor er sich der Skulptur zuwandte. Die Originalgrafik – Siebdrucke, Radierungen, Aquatinten, Lithografien – und über sechshundert Plakate machten sein Werk international bekannt.
Die Galerie Le Coin des Arts in Paris bietet handsignierte und nummerierte Originalsiebdrucke von Jean-Michel Folon an, etwa Souvenir d’Alice (1973) oder Le Marathon (1974), außerdem handsignierte Offsetdrucke und originale Plakate – ausgewählt nach Druckqualität, Provenienz und Erhaltungszustand.
Folon wurde am 1. März 1934 in Uccle (Brüssel) als ältestes von drei Kindern geboren. Die Familie lebte in Ixelles und verbrachte die Ferien in Knokke an der belgischen Küste – Meer und weite Horizonte blieben Leitmotive seines Werks. Nach einem Architekturstudium am Institut Saint-Luc schrieb er sich 1954 in der Abteilung für Industriedesign der Brüsseler Kunsthochschule La Cambre ein, verließ sie jedoch ohne Abschluss.
1955 reiste Folon per Anhalter nach Frankreich und ließ sich in Bougival bei Paris nieder. Fünf Jahre lang zeichnete er täglich, ohne nennenswerten Erfolg. Um 1960 schickte er Zeichnungen an New Yorker Magazine: Horizon, Esquire und The New Yorker veröffentlichten sie, später auch Fortune, The Atlantic Monthly und Time, für das er mehrere Titelbilder schuf. In New York begegnete er Saul Steinberg, der ihn auf Paul Klee aufmerksam machte.
1961 heiratete er die französische Künstlerin Colette Portal, die ihn zur Farbe führte. Ab 1965 arbeitete er mit Giorgio Soavi, dem künstlerischen Leiter von Olivetti, zusammen: Plakate, Illustrationen, ein Animationsfilm und ein Kalender entstanden. 1968 malte er ein 36 m² großes Wandbild für den französischen Pavillon der Mailänder Triennale und zog auf einen alten Bauernhof in Burcy, wo das Aquarell zu seinem bevorzugten Medium wurde.
Seine erste Aquarellausstellung fand 1969 in der Lefebre Gallery in New York statt. Es folgten die Galleria Il Milione in Mailand (1970) und das Musée des Arts décoratifs in Paris (1971). Folon vertrat Belgien auf der Biennale von Venedig (1970) und der Biennale von São Paulo, wo er 1973 den Großen Preis erhielt. Im deutschsprachigen Raum widmete ihm das Deutsche Plakat Museum in Essen1976 eine Ausstellung – eine Würdigung des Plakatkünstlers.
Er illustrierte Kafkas Die Verwandlung (1973), Borges (1974), Apollinaire und Ray Bradbury (1978) sowie das Werk von Jacques Prévert (1979) und schuf 1974 ein 165 m² großes Wandbild in der Brüsseler Metrostation Montgomery. Von 1976 bis 1983 eröffneten und beendeten seine animierten Vorspänne täglich das Programm des französischen Senders Antenne 2.
Ab 1985 lebte Folon in Monaco und behielt sein Atelier in Burcy. Er baute Boote aus Altholz, illustrierte 1988 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und gestaltete 1989 das Emblem zur 200-Jahr-Feier der Französischen Revolution. Für das Grand Théâtre de Genève entwarf er Bühnenbilder. Ermutigt von César, widmete er sich in den 1990er-Jahren der Bildhauerei in Bronze und Marmor; 1997 wurde am Strand von Knokke eine Bronzefigur aufgestellt, die bei Flut im Meer versinkt.
Bedeutende Ausstellungen folgten im Metropolitan Museum of Art in New York (1990), in der Pedrera in Barcelona (1993), im Bunkamura in Tokio (1995) sowie 1996 im Olympischen Museum in Lausanne und im Museo Morandi in Bologna. 2000 eröffnete die Fondation Folon im ehemaligen Gutshof des Schlosses La Hulpe bei Brüssel, deren Präsentation der Künstler selbst gestaltete. 2003 wurde er UNICEF-Botschafter und Ritter der Ehrenlegion. Nach einer letzten Retrospektive im Palazzo Vecchio und im Forte di Belvedere in Florenz starb er am 20. Oktober 2005 in Monaco.
Bereits in den 1960er-Jahren experimentierte Folon mit Farbtinten und dem Siebdruck, unter anderem mit dem Pariser Drucker und Verleger Jacques Marquet. Die übereinandergelegten Farbschichten und weichen Verläufe des Siebdrucks kamen seinen Himmeln und Silhouetten entgegen. Seine Siebdrucke der 1970er-Jahre erschienen meist in einer Auflage von einigen hundert Exemplaren, nummeriert und mit Bleistift handsigniert; einzelne Exemplare tragen den Vermerk H.C. (hors commerce).
Daneben schuf er Radierungen und Aquatinten, etwa für Maupassants L’Inutile Beauté und Borges’ Die kreisförmigen Ruinen, erschienen als illustrierte Bücher, sowie die Umweltserie Notre Terre (1991), und arbeitete in der Lithografie. Sein Text La Mort d’un arbre (1973) erschien mit einer Lithografie von Max Ernst als Vorwort; 1974 erschien er auf Deutsch unter dem Titel Ein Baum stirbt. Das Museo Cantonale d’Arte in Lugano bewahrt Folons Arbeit Ein Baum stirbt – Un albero muore (1974).
Mit mehr als 600 Plakaten – für Olivetti, Festivals, Ausstellungen, Städte wie Menton und vor allem für Amnesty International, UNICEF und Greenpeace – zählt Folon zu den großen Plakatkünstlern seiner Zeit. Der Band Posters by Folon (Abrams, 1978) mit einer Einführung von Milton Glaser dokumentiert dieses Schaffen. Vom Künstler handsignierte Plakate und Offsetdrucke sind besonders gesucht.
Folons Druckgrafik ist reichlich vorhanden und erschwinglich – ein idealer Einstieg in das Sammeln. Ein auf dem Markt gebräuchliches Werkverzeichnis seiner Grafik ist uns nicht bekannt; die Dokumentation stützt sich daher auf die Angaben auf dem Blatt, auf illustrierte Bücher und Ausstellungskataloge.
Wichtig sind: die Technik, die Auflage und die Nummerierung des Exemplars (E.A., H.C.), die handschriftliche Signatur mit Bleistift, Verleger oder Drucker, Datierung, Provenienz und Zustand. Da seine Farbverläufe lichtempfindlich sind, sollte man auf Verblassen, Stockflecken und Knicke achten.
Originalgrafik oder Reproduktion? Folons Motive wurden in großer Zahl reproduziert. Eine Originalgrafik ist nummeriert und auf gutem Papier handsigniert. Ein im Offsetverfahren gedrucktes Plakat mit Text ist in der Regel weder nummeriert noch signiert – die eigenhändige Signatur des Künstlers verleiht ihm daher besonderen Wert. Neuere Reproduktionen und Postkarten ohne Signatur oder Nummerierung gehören nicht zum Markt der Originalgrafik.
Die Galerie Le Coin des Arts wählt Folons Siebdrucke, signierte Offsetdrucke und Plakate mit Blick auf Authentizität, Provenienz und Erhaltung aus und berät Sammler bei Rahmung und Konservierung. Entdecken Sie auch weitere belgische Künstler der Galerie wie René Magritte, Pierre Alechinsky und Pol Bury sowie die Grafik von Jean Cocteau.
Fondation Folon, La Hulpe – Biografie · Vatikanische Museen – Chronologie Jean-Michel Folon (2022) · Encyclopædia Universalis – Jean-Michel Folon · Wikipedia – Jean-Michel Folon · Jean-Michel Folon, Posters by Folon, Einführung von Milton Glaser, New York, Abrams, 1978.
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