(1922-2005)
Pol Bury (geboren am 26. April 1922 in Haine-Saint-Pierre bei La Louvière, Belgien, gestorben am 27. September 2005 in Paris) gehört zu den Begründern der kinetischen Kunst. Der ehemalige Surrealist und CoBrA-Teilnehmer gab Anfang der 1950er-Jahre die Malerei auf und erfand eine Plastik der Langsamkeit: Kugeln, Stäbe und Würfel, die sich so behutsam bewegen, dass man ihre Bewegung eher ahnt als sieht. Er stand dem ZERO-Netzwerk nahe, war 1964 und 1968 auf der documenta in Kassel vertreten und wurde 1972 von der Nationalgalerie Berlin mit einer Einzelausstellung geehrt. Sein druckgrafisches Werk – Siebdrucke, Lithografien, Radierungen und ein Holzschnitt – kreist um die berühmten Cinétisations.
Die Galerie Le Coin des Arts verfolgt das Werk von Pol Bury und bietet seine Originalgrafik an, sobald sich Gelegenheit dazu bietet – ausgewählt wie alle unsere Blätter nach Druckqualität, Auflage, Provenienz und Erhaltungszustand. Wer über neue Arbeiten informiert werden möchte, klickt auf dieser Seite einfach auf „Künstler folgen“.
Bury besuchte ab 1938 kurzzeitig die Académie des Beaux-Arts in Mons. Prägender war die Begegnung mit dem Dichter Achille Chavée, der ihn in die Surrealistengruppe Rupture einführte. Seine frühen Bilder sind Yves Tanguy verpflichtet; 1940 arbeitete er an der Zeitschrift L’Invention collective von René Magritte und Raoul Ubac mit, 1945 nahm er an der Internationalen Surrealismus-Ausstellung in Brüssel teil. Nach dem Krieg schloss er sich der Jeune Peinture Belge an und gehörte von 1948 bis 1951 zu CoBrA, für deren Zeitschrift er schrieb und zeichnete. 1952 war er Mitbegründer der Gruppe Art Abstrait – das letzte Kapitel seiner Laufbahn als Maler.
Den Anstoß gaben die Mobiles von Alexander Calder. 1953 zeigte Bury in Brüssel seine ersten Plans mobiles, geometrische Tafeln, die der Betrachter von Hand drehen konnte. Die Pariser Galeristin Denise René lud ihn im April 1955 zur Gründungsausstellung der kinetischen Kunst, Le Mouvement, ein – neben Calder, Marcel Duchamp, Yaacov Agam, Jesús Rafael Soto, Jean Tinguely und Victor Vasarely. Ende der 1950er-Jahre versteckte er kleine Elektromotoren hinter seinen Reliefs: Es entstanden die Multiplans und die Ponctuations, deren weiße Drähte und Punkte kaum merklich zittern. 1959 beteiligte er sich an Vision in Motion – Motion in Vision im Antwerpener Hessenhuis, die als erste internationale Ausstellung des Netzwerks ZERO gilt, jener Bewegung, die von Düsseldorf aus Künstler aus ganz Europa verband.
Anfang der 1960er-Jahre ließ sich Bury in Paris nieder und stellte 1962 in der Galerie Iris Clert aus. Das Jahr 1964 brachte den Durchbruch: Er vertrat Belgien auf der 32. Biennale von Venedig, war auf der documenta III in Kassel (28. Juni bis 6. Oktober 1964) vertreten und hatte seine erste Einzelausstellung in der Lefebre Gallery in New York. Auch an der 4. documenta (27. Juni bis 6. Oktober 1968) nahm er teil. Ab Ende der 1960er-Jahre arbeitete er mit Stahl, Kupfer und poliertem Messing, entwarf ab 1968 Schmuck und drehte mit Clovis Prévost Experimentalfilme für die Fondation Maeght. 1970–71 tourte eine Retrospektive durch amerikanische Museen und endete im Solomon R. Guggenheim Museum in New York.
Früh nahm sich die Kestner-Gesellschaft in Hannover seines Werks an: Die von ihr organisierte Ausstellung wurde 1972 im Palais des Beaux-Arts in Charleroi und im CNAC in Paris gezeigt. Vom 10. März bis 8. Mai 1972 widmete ihm die Nationalgalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz in Berlin eine große Ausstellung, begleitet von einem 144-seitigen Katalog. 1989 präsentierten die Galerie Renée Ziegler in Zürich und die Galerie 44 in Düsseldorf die Schau Sculptures Cinétisations 1953–1988. 1994 zeigte das Museum am Ostwall in Dortmund eine Retrospektive seiner Arbeiten von 1939 bis 1994. Im selben Jahr erschien Rosemarie E. Pahlkes Monografie mit Werkverzeichnis der Skulpturen, deren Titel auf Deutsch, Französisch und Niederländisch lautet.
In Perdreauville westlich von Paris ansässig, entwickelte Bury ab Mitte der 1970er-Jahre hydraulische Brunnen, in denen Wasser stählerne Kugeln, Zylinder und Würfel langsam zum Kippen bringt. 1980 wurde einer davon in der Rotunde des Guggenheim Museum installiert. Es folgten Retrospektiven im Museo de Arte Moderno in Mexiko-Stadt (1977–78) und im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris (1982). Ab 1983 lehrte er Bildhauerei an der École nationale supérieure des Beaux-Arts in Paris; 1985 entstanden seine Kugelbrunnen aus Edelstahl im Hof des Palais-Royal. In den 1990er-Jahren folgten die bronzenen Volumes figés. Bury starb 2005 in Paris, während auf Schloss Seneffe eine Ausstellung seiner Brunnen lief.
Mitte der 1960er-Jahre übertrug Bury die Bewegung auf das unbewegte Bild. Für die Cinétisations zerschnitt er Fotografien von Bauwerken – Eiffelturm, Schiefer Turm von Pisa, Freiheitsstatue, New Yorker Brücken – in konzentrische Ringe und verschob sie gegeneinander, sodass die Architektur zu kreisen scheint. Die Originale sind Unikat-Collagen; ihre bekannteste gedruckte Fassung ist die Mappe X Cinétisations (1966): zehn Siebdrucke, verlegt von der Lefebre Gallery, New York, gedruckt in Paris im Atelier Clot, Bramsen et Georges, Auflage 62. Für Maeghts Zeitschrift Derrière le miroir schuf er originale Farblithografien, gedruckt bei Arte (Nr. 178, April 1969), dazu die Nr. 191 (1971) mit einem Text von Roland Topor. Im Tiefdruck entstand eine Radierung mit Aquatinta (1973–74), verlegt von 2RC in Rom (77 Exemplare und 10 Künstlerexemplare), im Hochdruck der Holzschnitt Cercle et dix triangles (1976). Zur Mappe Hommage à Picasso (1973) steuerte er Studien nach den Demoiselles d’Avignon von Picasso bei. Ein Werkverzeichnis der Druckgrafik ist unseres Wissens nicht erschienen; Pahlkes Katalog von 1994 gilt den Skulpturen. Ein Blatt wird daher über Titel, Datum, Verleger, Drucker und Auflage bestimmt.
Auflage. Burys Auflagen sind meist klein (62 bei den X Cinétisations, 77 bei der römischen Radierung). Die Nummerierung sollte zur angegebenen Auflage passen.
Signatur. Verlegte Blätter sind mit Bleistift signiert und nummeriert. Eine gedruckte Signatur ersetzt keine eigenhändige; nach 2005 kann kein Blatt mehr von ihm signiert worden sein.
Collage oder Druck? Eine originale Cinétisation ist eine Unikat-Fotocollage, der Siebdruck ihre Auflagenfassung – beides ist streng von Offset-Reproduktionen zu unterscheiden.
Derrière le miroir. Die eingebundenen Lithografien sind echte Originaldrucke, aber unsigniert und meist mittig gefaltet; nur die Vorzugsausgabe ist signiert.
Zustand und Fallen. Glatte Siebdruckflächen zeigen jeden Kratzer; prüfen Sie Lichtschäden, Stockflecken und Ränder. Ausstellungsplakate werden oft als Grafik angeboten. Unsere Garantien finden Sie auf der Seite Authentizität, zur Präsentation unser Angebot für Rahmen.
Die Galerie wählt Originalgrafik der Pioniere der bewegten Kunst aus: Jean Tinguely, Jesús Rafael Soto, Victor Vasarely, Max Bill und Josef Albers. Entdecken Sie auch die Bewegung kinetische Kunst und Op-Art sowie unsere Radierungen und Lithografien.
Rosemarie E. Pahlke, Pol Bury. Mit Oeuvrekatalog / avec catalogue raisonné / met oeuvrecatalogus, 1994 · Pol Bury, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin, 1972 · Pol Bury. Sculptures Cinétisations 1953–1988, Galerie Renée Ziegler, Zürich / Galerie 44, Düsseldorf, 1989 · Pol Bury, CNAC Archives Nr. 7, Paris 1972 (organisiert von der Kestner-Gesellschaft, Hannover) · documenta – documenta III · documenta – 4. documenta · MoMA – Untitled from X Cinetizations · Ketterer Kunst – Pol Bury
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