(1926-2016)
Jean Miotte, geboren am 8. September 1926 in Paris und gestorben am 1. März 2016, zählt zu den Malern des Informel und der lyrischen Abstraktion, die im Paris der Nachkriegszeit hervortraten. Seine gestische, farbstarke Malerei, die er selbst gern mit einer Choreografie verglich, fand besonders früh im deutschsprachigen Raum Resonanz: Ausstellungen in Recklinghausen, Köln und Frankfurt am Main in den späten 1950er-Jahren, ein erster Museumsankauf durch das Museum Ludwig in Köln im Jahr 1960, später ein Atelier in Hamburg. Werke von ihm besitzen unter anderem das Museum of Modern Art und das Guggenheim Museum in New York, die Staatsgalerie moderner Kunst in München und das Museum am Ostwall in Dortmund.
Le Coin des Arts zeigt derzeit ein Ölgemälde auf Leinwand von Jean Miotte, Sans titre (Ohne Titel), ein Unikat, das seine gestische Handschrift gut vertritt. Die Galerie verfolgt das Werk des Künstlers und bietet seine Originalgrafik an, sobald gute Abzüge mit gesicherter Provenienz verfügbar sind. Über die Schaltfläche „Künstler folgen“ werden Sie über Neuzugänge informiert.
Miotte studierte zunächst Mathematik. Zur Malerei fand er während seines Militärdienstes 1946, als er die Wände seiner Kaserne bemalte. Ab 1947 besuchte er Ateliers in Montparnasse, darunter die von Othon Friesz und des Bildhauers Ossip Zadkine. Theater und Tanz, vor allem das Erbe der Ballets Russes, prägten seine Vorstellung von Malerei als Rhythmus. Eine Italienreise führte ihn zu den Meistern des Quattrocento und zu römischen Abstrakten wie Piero Dorazio. In Meudon lernte er Hans Arp und Gino Severini kennen und malte seine ersten abstrakten Bilder; die Quellen datieren diesen Schritt zwischen 1948 und 1950. 1952 begegnete er dem Amerikaner Sam Francis.
1953 stellte Miotte erstmals im Salon des Réalités Nouvelles aus. Seine erste Einzelausstellung fand 1957 in der Galerie Lucien Durand in Paris statt; ab 1958 vertrat ihn der Kunsthändler Jacques Dubourg. Im selben Jahr war er in Recklinghausen zu sehen, wo der Salon des Réalités Nouvelles gastierte. 1959 nahm er an der „Section Informel“ der ersten Biennale de Paris teil. Der Kölnische Kunstverein zeigte ihn 1959 und 1962 in Ausstellungen von Pariser Malern. 1960 erwarb das Museum Ludwig in Köln eines seiner Werke – den ersten Museumsankauf überhaupt –, und die Galerie Am Dom in Frankfurt am Main stellte ihn aus.
1961 stellte er in der Galerie Bonnier in Lausanne neben Sam Francis, Georges Mathieu und Jean-Paul Riopelle aus. Ein Stipendium der Ford Foundation ermöglichte ihm im selben Jahr einen sechsmonatigen Aufenthalt in den USA, wo er Robert Motherwell, Mark Rothko, Jacques Lipchitz und Alexander Calder traf. 1962 folgte eine Einzelausstellung in der Galerie Iolas in New York, 1963 eine Retrospektive im Stedelijk Museum in Schiedam. Danach richtete er sich ein Atelier in Pignans in Südfrankreich ein. 1965 war er in der Amsterdamer Ausstellung Cobra et l’Informel vertreten.
Anfang der 1970er-Jahre lebte und arbeitete Miotte in Hamburg, danach in Vitry bei Paris. 1972 zeigte der Internationale Währungsfonds in Washington 46 seiner Leinwände. Um 1975/76 arbeitete er auf roher Jute, mit Gouache und in Collagen aus Packpapier und Zeitungspapier. 1976 stellte er in Padua mit Enrico Baj, Calder und Karel Appel aus. Ende des Jahrzehnts verlegte er sein Atelier nach New York. Im Mai 1980 wurden rund fünfzig Werke im französischen Kulturzentrum in Peking gezeigt – nach den Quellen die erste Ausstellung eines westlichen Malers in China nach Maos Tod. Es folgten Hongkong, Singapur und Taipeh. 1987 erwarb das Guggenheim Museum zwei Arbeiten auf Papier.
Für die Eingangshalle der Opéra Bastille schuf er im Auftrag der Stadt Paris das Großformat Sud. In den 1990er-Jahren mehrten sich die Retrospektiven: Toulouse (1992), Budapest (Műcsarnok, 1996). Im deutschsprachigen Raum folgten die Kunsthalle Düsseldorf (1997), eine Schau mit Arbeiten auf Papier in Dresden (1997), das Museum am Ostwall in Dortmund und das Musée d’Art et d’Histoire in Freiburg im Üechtland (1999), 2000 das Museum Ludwig in Koblenz und 2005 eine Ausstellung in Genf. 2002 wurde in New York die Jean Miotte Foundation gegründet, untergebracht im Gebäude des Chelsea Art Museum, das bis Ende 2011 regelmäßig seine Bilder zeigte. Miotte starb am 1. März 2016 im Alter von 89 Jahren.
Miotte war in erster Linie Maler, schuf aber auch Druckgrafik, vor allem farbige Lithografien, die die Spontaneität seiner Gouachen fortsetzen. Eine Lithografie von 1977, Apache Melody, gehört zur Sammlung der Iowa State University Museums. 1989 beteiligte er sich an der Grafikedition Mémoire artistique de la liberté zum 200. Jahrestag der Französischen Revolution zugunsten der Stiftung France Libertés – Danielle Mitterrand, zusammen mit Joseph Beuys, Bernard Schultze, Jean Tinguely, Antoni Tàpies und Robert Motherwell; die Blätter wurden am 10. Dezember 1989 in der Pariser Oper und 1991 im Centre Pompidou gezeigt. Grafik von Miotte besitzen in Deutschland die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg und die Graphothek Berlin, in Frankreich die Bibliothèque nationale de France.
Ein Werkverzeichnis der Druckgrafik ist nach unserem Kenntnisstand nicht erschienen. Maßgeblich sind Ausstellungskataloge und Monografien wie Marcelin Pleynets Miotte, œuvres sur papier 1950-1965 (1987). Ein Blatt wird daher über Auflage, Verleger und gegebenenfalls die Mappe, aus der es stammt, dokumentiert.
Unikat oder Auflage. Ein Ölbild, eine Gouache oder eine Collage ist ein Unikat; eine Lithografie ist ein Abzug aus einer festgelegten Auflage. Prüfung und Preis unterscheiden sich entsprechend. Siehe Was ist ein Originaldruck? und der Druck.
Provenienz bei Gemälden. Fragen Sie nach Galerieetiketten (Jacques Dubourg, Iolas, Diane de Polignac u. a.), Rechnungen, Ausstellungskatalogen und einem Foto der Rückseite. Ohne Werkverzeichnis haben diese Unterlagen besonderes Gewicht.
Signatur und Nummerierung. Zu Lebzeiten verlegte Blätter sind in der Regel mit Bleistift signiert und nummeriert. Gedruckte Signaturen ohne Auflagenangabe verlangen Vorsicht. Siehe die Unterschrift.
Mappenwerke. Blätter aus Gemeinschaftseditionen wie der von 1989 sollten Verleger und Auflage eindeutig zugeordnet werden können; Künstlerabzüge sind von der nummerierten Auflage zu unterscheiden.
Typische Fallen. Ausstellungsplakate, Offset-Reproduktionen und Karten sind keine Originalgrafik. Nach März 2016 datierte Blätter können keine eigenhändige Signatur tragen.
Zustand und Rahmung. Miottes leuchtende Farben sind lichtempfindlich; wählen Sie bei der Rahmung UV-Schutzglas. Unsere Garantien finden Sie unter Authentizität.
Le Coin des Arts wählt auch Werke von Künstlern aus, die Miotte in Zeit und Gestus nahestehen: Georges Mathieu, Jean-Paul Riopelle, Sam Francis, Piero Dorazio und Karel Appel. Entdecken Sie auch die Schule von Paris und lyrische Abstraktion, unsere modernen Gemälde sowie Radierungen und Lithografien.
Marcelin Pleynet, Miotte, œuvres sur papier 1950-1965, 1987 · C. M. Cluny, Miotte, peintures et gouaches, 1989 · Mémoire artistique de la liberté, Éditions Géfart, Paris, 1989 · Ketterer Kunst – Jean Miotte, Biografie · Almine Rech – Jean Miotte · Galerie Diane de Polignac – Biografie Jean Miotte · Dedalus Foundation – Mémoire artistique de la liberté (1989) · Iowa State University Museums – Jean Miotte
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