(1887-1965)
Joop van Bilsen for Anefo, CC0, via Wikimedia Commons
Le Corbusier, eigentlich Charles-Édouard Jeanneret, wurde am 6. Oktober 1887 in La Chaux-de-Fonds im Schweizer Jura geboren und starb am 27. August 1965 in Roquebrune-Cap-Martin an der Côte d’Azur. Der Architekt der Villa Savoye und der Kapelle von Ronchamp war zugleich Maler, Zeichner, Bildhauer, Entwerfer von Tapisserien und Grafiker. Gemeinsam mit Amédée Ozenfant begründete er den Purismus; sein druckgrafisches Werk ist schmal, enthält aber zwei Hauptwerke: das lithografierte Buch Le Poème de l’angle droit (1955) und die Radierfolge Unité (1963–1965). 1930 wurde er französischer Staatsbürger.
Die Galerie Le Coin des Arts zeigt derzeit eine Originalzeichnung Le Corbusiers: Marines, datiert 1934, ein Unikat aus den Jahren, in denen der Künstler seine Sommer an der französischen Atlantikküste verbrachte und Boote, Muscheln und Treibholz zeichnete. Darüber hinaus verfolgt die Galerie den Markt für seine Originallithografien und Radierungen und bietet sie an, sobald Blätter in guter Druckqualität, mit gesicherter Auflage, Provenienz und Erhaltung verfügbar sind.
Der Vater, Georges-Édouard Jeanneret, war Emailleur von Zifferblättern, die Mutter, Marie Charlotte-Amélie Perret, Musikerin. Von 1900 bis 1904 ließ sich der Sohn an der Kunstschule seiner Heimatstadt zum Graveur und Ziseleur von Uhrgehäusen ausbilden – das Arbeiten mit dem Stichel steht also am Anfang seines Weges. Charles L’Eplattenier lenkte ihn zur Architektur; 1906 wirkte er an der Villa Fallet mit. Es folgten die Lehr- und Wanderjahre: eine Studienreise in die Toskana und nach Wien (1907–1908), ein Praktikum bei Auguste und Gustave Perret in Paris (1908–1909) und vor allem die Zeit bei Peter Behrens in Berlin (1910–1911), danach die große Reise nach Griechenland, Kleinasien und Süditalien. Zurück in La Chaux-de-Fonds unterrichtete er an der Kunstschule, eröffnete 1912 ein eigenes Büro und baute 1917 die Villa Turque für den Industriellen Anatole Schwob.
Im Februar 1917 zog Jeanneret endgültig nach Paris. Mit dem Maler Amédée Ozenfant formulierte er im Manifest Après le cubisme (1918) den Purismus, eine Malerei der klaren Konturen und typisierten Gegenstände; im selben Jahr entstand sein erstes puristisches Ölbild, La Cheminée. 1920 gründeten beide mit dem Dichter Paul Dermée die Zeitschrift L’Esprit Nouveau, in der er für seine Architekturtexte erstmals das Pseudonym „Le Corbusier“ verwendete. Die Galerie Druet zeigte 1921 die puristischen Bilder der beiden. 1922 tat er sich mit seinem Cousin Pierre Jeanneret zusammen, 1923 erschien Vers une architecture, und im selben Jahr war er an der Bauhaus-Ausstellung in Weimar beteiligt. 1927 lieferte er mehrere Bauten für die Weißenhofsiedlung in Stuttgart.
Um 1927 öffnete sich seine Malerei den „objets à réaction poétique“ – Kieseln, Knochen, Wurzeln, Muscheln – und zunehmend der menschlichen Figur. Von 1926 bis 1936 verbrachte er jeden Sommer in Le Piquey am Bassin d’Arcachon; dort skizzierte er Fischerboote, Hütten und Strandgut, die er im Pariser Atelier zu abstrakten Formen vereinfachte. Aus dieser Bildwelt stammt die Zeichnung Marines von 1934. Parallel entstanden die Villa Savoye in Poissy (1928–1931) und der Schweizer Pavillon der Cité universitaire in Paris; 1928 war er Mitbegründer der CIAM in La Sarraz. 1930 heiratete er Yvonne Gallis, 1943 stellte er den Modulor vor, ein Proportionssystem auf Grundlage des menschlichen Körpers.
Nach dem Krieg folgten die Unité d’habitation in Marseille (1947–1952), Ronchamp, das Kloster La Tourette und ab 1950 Chandigarh. Für den deutschsprachigen Raum entscheidend wurde die Zürcher Galeristin und Verlegerin Heidi Weber, die sich ab 1958 für sein bildnerisches Werk einsetzte: Im Februar 1959 zeigte sie in ihrem Studio „Mezzanin“ Gemälde, Tapisserien, Zeichnungen und Lithografien, 1962 erhielt sie für dreißig Jahre das Recht, seine Werke weltweit zu vertreiben. 1960 beauftragte sie ihn mit einem Ausstellungsbau in Zürich (Höschgasse 8); das Centre Le Corbusier – Heidi Weber Museum wurde am 15. Juli 1967 eröffnet, sein letztes realisiertes Projekt und sein einziger Bau aus Stahl und Glas. Seit 2019 betreibt das Museum für Gestaltung Zürich ihn im Auftrag der Stadt als Pavillon Le Corbusier. Die Wanderausstellung Le Corbusier – The Art of Architecture des Vitra Design Museum mit Leihgaben der Fondation Le Corbusier (darunter 20 Gemälde, 8 Skulpturen und rund 80 Zeichnungen und Pläne) war in Weil am Rhein (2007–2008) und im Martin-Gropius-Bau Berlin (2009) zu sehen. Ehrendoktorate verliehen ihm unter anderem die Universität Zürich und die ETH Zürich. 2016 nahm die UNESCO 17 seiner Bauten in sieben Ländern in die Welterbeliste auf, darunter die Häuser der Weißenhofsiedlung sowie in der Schweiz die „Petite villa au bord du lac Léman“ in Corseaux und das Immeuble Clarté in Genf.
Hauptwerk ist Le Poème de l’angle droit, entstanden 1947–1953, 1955 bei Tériade in Paris erschienen und bei Mourlot in einer Auflage von 250 Exemplaren gedruckt. Handschriftliche Texte und Farbkompositionen sind durchweg Lithografien; das Museum of Modern Art zählt in seinem Exemplar 121 Lithografien einschließlich der Umschläge. Einzelblätter im Handel stammen meist aus aufgelösten Exemplaren. Bei Mourlot entstand auch Le Modulor (1956), eine sechsfarbige Lithografie nach einer Collage. Im Frühjahr 1960 führte Le Corbusier Heidi Weber bei Fernand Mourlot ein, der die gemeinsam verlegten Lithografien druckte, etwa die Serie Panurge (1962). Die Folge Unité umfasst 20 Radierungen, davon 17 mit Farbaquatinta, entstanden 1963–1965, gedruckt von Aldo und Piero Crommelynck, 1965 verlegt von Alain C. Mazo auf BFK-Rives-Velin. Auktionshäuser zitieren meist Heidi Webers Werkband von 1988 („Weber“ mit Seitenzahl); das Kölner Haus Lempertz verweist zudem auf Hansjörg Gadient, Le Corbusier. Das grafische Werk (Zürich/Montreal 1988). Für die Gemälde liegt das Werkverzeichnis von Naïma und Jean-Pierre Jornod vor (Skira, 2005).
Herkunft des Blattes. Ein Blatt aus dem Poème, eine Weber-Mourlot-Lithografie und eine Radierung aus Unité sind verschiedene Werkgruppen mit unterschiedlichen Preisen. Zuerst Folge, Drucker und Jahr klären.
Auflage und Nummerierung. Das Poème erschien in 250 Exemplaren, seine Tafeln sind in der Regel nicht einzeln signiert. Die Blätter von Unité sind nummeriert, aber nicht alle signiert. Mehr unter Der Druck.
Signatur. Le Corbusier signierte mit Bleistift, mitunter mit Widmung. Manche Lithografien tragen zusätzlich das im Stein gezeichnete Monogramm „L-C“ mit Datum – Teil des Bildes, keine Handsignatur. Siehe Die Unterschrift.
Posthume Drucke und Reproduktionen. Was nach seinem Tod 1965 gedruckt wurde, kann keine eigenhändige Signatur tragen. Ausstellungsplakate und Offsetreproduktionen sind keine Originaldrucke.
Zeichnungen und Echtheit. Für Unikate wie Marines ist die Fondation Le Corbusier in Paris maßgeblich, die den Nachlass verwahrt; laut Auktionskatalogen bestätigt sie die Echtheit von Werken und stellt auf Anfrage ein Zertifikat aus.
Erhaltung und Provenienz. Stockflecken, verblasste Farben und beschnittene Ränder mindern den Wert. Hinweise auf unseren Seiten zu Echtheit und Rahmung.
Le Coin des Arts wählt Werke von Le Corbusier mit derselben Sorgfalt aus wie die anderer Meister der modernen Kunst, etwa Fernand Léger, Hans Arp, Max Bill, Georges Braque oder Pablo Picasso. Entdecken Sie auch unsere Radierungen und Lithografien und illustrierten Bücher.
Le Corbusier. Catalogue raisonné de l’œuvre peint, Naïma und Jean-Pierre Jornod, Skira, 2005 · Le Corbusier – the artist. Works from the Heidi Weber collection, Edition Heidi Weber, Zürich, 1988 · Museum für Gestaltung Zürich – Pavillon Le Corbusier · Vitra Design Museum – Le Corbusier · LeMO, Deutsches Historisches Museum – Le Corbusier · Historisches Lexikon der Schweiz · Heidi Weber – Centre Le Corbusier
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