(1909-1989)
Henri Goetz (geboren am 29. September 1909 in New York, gestorben am 12. August 1989 in Nizza) war ein amerikanisch-französischer Maler, Pastellkünstler und Grafiker. Seit 1930 in Paris ansässig und 1949 eingebürgert, fand er über den Surrealismus zu einer dichten, frei komponierten lyrischen Abstraktion. In die Geschichte der Druckgrafik ging er als Erfinder des Carborundum-Verfahrens ein – des „procédé Goetz“ –, das Joan Miró, Antoni Clavé und Antoni Tàpies übernahmen. Das Musée Unterlinden in Colmar, das zwölf seiner Radierungen erworben hat, erinnert zudem an seine elsässischen Vorfahren.
Die Galerie Le Coin des Arts zeigt von Henri Goetz ein Ölgemälde auf Leinwand, das Unikat Composition en bleu, sowie signierte Originalgrafik: mehrere Radierungen Sans titre, eine Composition in Radierung und Aquatinta und Réminiscences, ein großformatiges Blatt der 1970er-Jahre aus einer Auflage von 40 Exemplaren. Ausgewählt werden die Blätter nach Druckqualität, Relief des Carborundums und Zustand des Papiers.
Goetz begann 1927 am Massachusetts Institute of Technology ein Studium der Elektrotechnik, hörte dann Kunstgeschichte in Harvard und besuchte die Grand Central School of Art in New York. 1930 ging er nach Paris, arbeitete an der Académie Julian und der Grande Chaumière sowie eine Zeit lang bei Amédée Ozenfant und malte zunächst Porträts. 1935 heiratete er die niederländische Malerin Christine Boumeester (1904-1971) und lernte den gebürtigen Leipziger Hans Hartung kennen, über den er Fernand Léger und Wassily Kandinsky begegnete. Um 1936 wurde seine Malerei gegenstandslos.
Im Januar 1937 stellte das Paar erstmals gemeinsam in der Pariser Galerie Bonaparte (Van Leer) aus; 1938 traf Goetz André Breton. Während der Besatzung war er mit Christian Dotremont und Raoul Ubac an La Main à plume beteiligt, der ersten surrealistischen Publikation im besetzten Frankreich, und illustrierte mit Christine La Femme facile von Georges Hugnet. Als Amerikaner verließ er Paris in Richtung Süden und kehrte erst nach der Befreiung 1944 zurück. Seit 1940 radierte er: Christine, ausgebildete Radiererin, hatte ihn das Handwerk gelehrt.
1947 drehte Alain Resnais den Kurzfilm Portrait de Henri Goetz. In den 1950er-Jahren näherte sich seine Abstraktion jener von Hartung und Gérard Schneider; ab 1960 kehrten Landschaften und Gegenstände in Bilder und Pastelle zurück. Das Musée national d’art moderne in Paris besitzt eine Peinture von 1956 und ein großes Bild ohne Titel von 1941-1945. Ab 1950 unterrichtete er – stets unentgeltlich – an der Académie Ranson, dann an der Grande Chaumière und am amerikanischen Konservatorium in Fontainebleau; 1965 eröffnete er in den früheren Räumen der Akademie von André Lhote seine eigene Schule, die bis 1984 bestand. Im deutschsprachigen Raum zeigten ihn nach den Angaben seiner Galeriebiografie unter anderem Galerien in Basel und Bern (1952), das Institut Français in Mainz (1963), die Galerie Boisserée in Köln (1965) und die Galerie Daberkow in Frankfurt am Main (1965 und 1969).
In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre entwickelte Goetz die Carborundum-Radierung; sein Lehrbuch La Gravure au carborundum erschien 1969 bei Maeght, eingeleitet von einem Brief Mirós vom 18. Januar 1968. Ab 1969 leitete er ein Mal- und Radieratelier an der Universität Vincennes. Christine Boumeester starb am 10. Januar 1971 in Paris. Die Sommer verbrachte Goetz in Villefranche-sur-Mer, wo 1983 in der Zitadelle das Musée Goetz-Boumeester eröffnete: rund sechzig Werke des Paares und etwa fünfzig Werke aus seiner Sammlung, darunter Picasso, Miró, Hartung und Picabia. 1988 widmete ihm die Galerie Michel Reymondin in Genf eine Retrospektive. Goetz starb am 12. August 1989 in Nizza.
Vor dem Carborundum nutzte Goetz die ganze Palette der Tiefdrucktechnik – Radierung, Aquatinta, Kupferstich, Kaltnadel, Weichgrund – sowie die Lithografie. Beim „procédé Goetz“ tritt das Relief an die Stelle der eingeschnittenen Linie: Pulver aus Siliziumkarbid wird mit Lack oder Kunstharz auf der Platte fixiert; die Körner halten die Farbe und ergeben samtige Schwärzen, tiefe Halbtöne und eine kräftige Prägung des Papiers. Das Verfahren erlaubt große Formate und lässt sich mit Radierung und Aquatinta kombinieren. Durch den Drucker Robert Dutrou lernte es Miró 1967 kennen; Clavé, Tàpies, Matta und James Coignard folgten.
Verlegt wurden seine Blätter vor allem in Paris und Nizza – La Hune, Jacques Goldschmidt, Hervieu, die Galerie Bellechasse (deren Folgen von 1978 Maurice Rousseau in Nizza druckte) – sowie von Sonet in Stockholm. Drei Werkverzeichnisse sind maßgeblich: Bergström und Tisari (Sonet, Stockholm, 1973) mit den ersten 167 Blättern (1940-1972); K. Masrour, L’Œuvre gravé de Goetz (Art Moderne, Paris, 1977) mit 280 Nummern, im Handel meist als „Masrour 154“ zitiert – so etwa vom Kölner Auktionshaus Van Ham; schließlich die Forschungen von Stanko Josimov (Paris IV-Sorbonne), der nach Jahren nummeriert („Josimov 78-05“ = fünfte Platte von 1978). Josimov stützt sich auf die 205 Blätter von 1969 bis 1985 im Cabinet des Estampes der Bibliothèque nationale de France. Die Blätter von 1985 bis 1989 sind noch kaum erfasst.
Werkverzeichnis. Fragen Sie nach der Nummer bei Masrour (bzw. Bergström für 1940-1972) und für 1969-1985 nach der Josimov-Nummer.
Auflage. Goetz druckte kleine Auflagen, meist 36 bis 55 Exemplare. Mehr unter Der Druck.
Signatur. Auflagendrucke sind mit Bleistift signiert und nummeriert; siehe Die Unterschrift.
Papier und Relief. Carborundum wurde meist auf Arches-Velin oder schwerem Büttenpapier gedruckt. Scharfe Prägung und satter Farbton zeichnen einen guten Abzug aus; ein tiefes Passepartout und eine Rahmung ohne Glaskontakt schützen das Relief.
Zustand. Die breiten Ränder der 1970er-Jahre zeigen oft Stockflecken, Lichtränder oder Reste alter Montierungen.
Fallstricke. Die Abbildungen im Lehrbuch von 1969 (Neuauflage 1974) sind Reproduktionen, keine Originalgrafik; auch Ausstellungsplakate und unsignierte Blätter sind keine Auflagendrucke. Unsere Garantien finden Sie unter Authentizität.
Die Galerie zeigt Goetz neben Künstlern seines Umfelds und weiteren Meistern des Carborundums: Hans Hartung, Raoul Ubac, Gérard Schneider, Joan Miró und Antoni Clavé. Entdecken Sie auch die Schule von Paris und lyrische Abstraktion, den Surrealismus und unsere Radierungen und Lithografien.
Henri Goetz, La Gravure au carborundum, Maeght, Paris, 1969 · Bergström und Tisari, L’Œuvre gravé de Goetz, Sonet, Stockholm, 1973 · K. Masrour, L’Œuvre gravé de Goetz, Art Moderne, Paris, 1977 · J.-P. Geay, Goetz, Cercle d’art, Paris, 1989 · Galerie Diane de Polignac – Biografie Henri Goetz · Van Ham, Köln – Henri Goetz · Musée Unterlinden, Colmar – Henri Goetz · Phillips – Joan Miró: New Methods of Printmaking · Encyclopædia Universalis – Henri Goetz
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