(1920-2014)
Chu Teh-Chun (Zhu Dequn, 朱德群), geboren am 24. Oktober 1920 in Baitu im Kreis Xiao (damals Provinz Jiangsu), gestorben am 26. März 2014 in Paris, gehört zu den bedeutendsten Malern der lyrischen Abstraktion der École de Paris. In Hangzhou sowohl in westlicher Ölmalerei als auch in chinesischer Kalligrafie ausgebildet, lebte er ab 1955 in Paris, wurde 1980 französischer Staatsbürger und 1997 als erstes Mitglied chinesischer Herkunft in die Académie des Beaux-Arts gewählt. Neben seinen Gemälden, die in Hongkong Rekordpreise erzielen, hinterließ er ein Werk aus Originallithografien und Malerbüchern, das überwiegend in seinen beiden letzten Schaffensjahrzehnten in Paris entstand. Seit 2017 wird sein Nachlass von einer Stiftung in Genf betreut.
Die Galerie Le Coin des Arts zeigt Lithografien von Chu Teh-Chun aus den Jahren 1998 bis 2008: Toute Coude (1998), die Neujahrskarte Carte de vœux (2003), Composition XX und Zénith (2005), Aurora und Composition XXX, die Blätter III, V und VII aus Saison bleue (2006) sowie Étincelante élégance (2008), dazu eine bemalte Keramik, Sans titre (F 19), von 2004. Jedes Blatt wird nach Druckqualität, Auflage, Signatur und Erhaltungszustand ausgewählt.
1935 trat Chu Teh-Chun in die Nationale Kunstakademie Hangzhou ein, die Lin Fengmian gegründet hatte, um chinesische Tradition und europäische Moderne zu verbinden. Tuschmalerei lernte er bei Pan Tianshou, Ölmalerei bei Wu Dayu und Fang Ganmin; zu seinen Mitschülern zählte Zao Wou-Ki. Nach dem Abschluss 1941, mitten im Chinesisch-Japanischen Krieg, unterrichtete er ab Mitte der 1940er-Jahre an der Architekturabteilung der Nationalen Zentraluniversität in Nanjing. Zeichnerische Strenge und kalligrafische Geste blieben fortan die beiden Pole seiner Kunst.
1949 ging er nach Taipeh, lehrte westliche Malerei an der heutigen Nationalen Pädagogischen Universität Taiwan und stellte 1954 erstmals allein in der Zhongshan Hall aus. 1955 ließ er sich endgültig in Paris nieder. Ein Bildnis seiner Frau Tung Ching-Chao von 1956 erhielt eine Silbermedaille im Pariser Frühjahrssalon. Entscheidend wurde im selben Jahr die Retrospektive von Nicolas de Staël im Musée National d'Art Moderne: Chu gab die Gegenständlichkeit auf und entwickelte eine Abstraktion, in der kalligrafischer Duktus und weite Farbräume an Landschaft erinnern, ohne sie abzubilden. 1958 folgten Ausstellungen in der Pariser Galerie du Haut-Pavé und eine Schau der École de Paris in Charlottenborg, Kopenhagen.
Nach Einzelausstellungen bei Henriette Legendre in Paris (1960 und 1963) und der Teilnahme am Salon de Mai ab 1961 fand Chu früh Resonanz im deutschsprachigen Raum: 1962 zeigte ihn die Galerie Baier in Mainz, 1965 und 1967 die Galerie Latzer in Kreuzlingen, 1967 die Galerie Räber in Luzern und 1972 die Galerie Die Dritte Welt in München; 1974 war er in einer Gruppenausstellung der Galerie Atelier Mensch in Hamburg vertreten, 1982 in Paris 1959 – Lyrische Abstraktion bei der Galerie Koppelmann in Köln. International lud ihn das Carnegie Institute in Pittsburgh 1964 und 1967 ein, und 1969 erhielt er einen eigenen Saal auf der X. Biennale von São Paulo. 1982 widmete ihm das Musée André Malraux in Le Havre eine Retrospektive. Wie Hans Hartung oder Pierre Soulages machte er die Geste zum eigentlichen Bildgegenstand.
Auf einer Reise nach Genf im Jahr 1985 sah Chu Teh-Chun die verschneiten Alpen zunächst aus dem Flugzeug, dann auf der Rückfahrt im Zug: Daraus entstand die berühmte Schnee-Serie, die er um 1989 abschloss, mit gesprühtem und tropfendem Weiß über dunklen Gründen. In ihrer Nachfolge steht das Triptychon Harmonie hivernale (1990), das im April 2021 bei Sotheby's Hongkong rund 29,5 Millionen US-Dollar erzielte, sein bisheriger Auktionsrekord. Das Nationalmuseum für Geschichte in Taipeh richtete 1987 die erste Retrospektive aus; am 17. Dezember 1997 wurde er in die Académie des Beaux-Arts gewählt. In Genf stellte er 1985 bei der Galerie Pierre Huber und 1992 in der Galerie du Château aus; 1994 zeigte ihn das Museum Haus Ludwig in Saarlouis, 2004 die Galerie Atrium der UBS in Genf und Zürich. Es folgten Ausstellungen im Taipei Fine Arts Museum (1998) und im Shanghai Museum (2000), 2003 die Einweihung seines Monumentalbildes Symphonie festive im Großen Theater Shanghai.
2006 präsentierte die Galerie Frank Pagès in Baden-Baden seine Arbeiten auf Papier; Marlborough zeigte ihn in New York, Madrid und London. Auf Einladung der Manufacture nationale de Sèvres bemalte er 2007 bis 2009 rund fünfzig Porzellanvasen, die 2009 im Pariser Musée Guimet ausgestellt wurden. Anfang der 2000er-Jahre dachten Chu und seine Frau, angezogen von den Schweizer Landschaften, an eine Übersiedlung in die Schweiz; ein Schlaganfall 2009 vereitelte den Plan. Am 12. Juli 2017 gründete die Familie die gemeinnützige Fondation Chu Teh-Chun in Genf, geleitet von seiner Witwe Ching-Chao Tung Chu und seinem Sohn Yvon Chu; sie organisiert Ausstellungen, archiviert den Nachlass und bereitet das Werkverzeichnis vor. Werke befinden sich unter anderem im Musée d'Art Moderne de Paris, im Musée Cernuschi und im Musée d'Art Contemporain in Lüttich.
Chu Teh-Chun arbeitete fast ausschließlich in der Lithografie, die Lavierung, Transparenz und Pinselbewegung am getreuesten wiedergibt. 1992 schuf er ein großes Blatt für die Folge Olympic Centennial, in Barcelona in 250 Exemplaren gedruckt; der Großteil seiner Drucke entstand jedoch zwischen etwa 1998 und 2010. Der Pariser Drucker Frédéric Possot (Atelier Paris-Litho) druckte großformatige Blätter wie Composition XX und Zénith (2005, ca. 100 × 72 cm, Auflage 150) sowie das Buch Encre orageuse (2008) mit sechs Lithografien zu klassischen Gedichten von Lin Bu, Li Yu und Su Shi. Der Pariser Verleger Jacques Boulan gab Saison bleue (2006) heraus, sechs Lithografien und eine Kalligrafie in 99 Exemplaren auf Japan- und Rives-Papier, zusätzlich 30 in römischen Ziffern und 15 Künstlerexemplare, sowie Étincelante élégance (2008) in 100 Exemplaren auf Arches.
Ein Werkverzeichnis der Druckgrafik liegt bisher nicht vor; eine Lithografie von Chu Teh-Chun trägt daher keine Standardnummer nach dem Muster „Mourlot 345“. Bestimmt wird sie über Titel, Jahr, Format, Drucker, Verleger und Auflagenvermerk. Die Genfer Stiftung erarbeitet ein Werkverzeichnis des Gesamtwerks.
Signatur. Die Blätter sind in der Regel zweifach mit Bleistift signiert: in chinesischen Schriftzeichen (朱德群) und in lateinischer Schrift „Chu Teh-Chun“. Eine im Druck enthaltene Signatur ersetzt die eigenhändige Unterschrift nicht.
Auflage. Die großen Blätter erschienen meist in 99, 100 oder 150 nummerierten Exemplaren, dazu Künstlerexemplare (EA), römisch nummerierte Exemplare und H.C.-Abzüge. Mehr dazu unter Der Druck.
Blätter aus Mappenwerken. Einzelblätter aus Saison bleue oder Encre orageuse stammen aus Büchern oder Kassetten und sollten mit ihrer Tafelnummer ausgewiesen sein.
Papier und Zustand. Tiefe Schwarztöne und transparente Blau- und Goldtöne sind licht- und abriebempfindlich. Achten Sie auf vollständige Ränder, fehlende Lichtschäden und eine Rahmung mit UV-Schutzglas.
Keramik. Die Sèvres-Vasen (2007-2009) sind Unikate; kleinere bemalte Keramiken sollten eine dokumentierte Provenienz haben.
Fälschungen und Zertifikate. Die hohen Preise auf dem asiatischen Markt ziehen Fälschungen und als Lithografien angebotene Offsetdrucke an. Die Fondation Chu Teh-Chun in Genf stellt Echtheitszertifikate aus. Unsere Garantien finden Sie auf der Seite Authentizität.
Wir zeigen die Lithografien von Chu Teh-Chun zusammen mit Werken der großen Abstrakten der Nachkriegszeit: Zao Wou-Ki, Nicolas de Staël, Pierre Soulages, Hans Hartung und Ernst Wilhelm Nay. Entdecken Sie auch die Schule von Paris und lyrische Abstraktion sowie unsere Radierungen und Lithografien.
Fondation Chu Teh-Chun, Genf · Le Temps – „2020, l'odyssée Chu Teh-Chun“ · Waddington Custot – Ausstellungen und Sammlungen · Liang Gallery – Chronologie · Wikipedia (englisch) – Chu Teh-Chun
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