(1886-1966)
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Hans Arp, in Frankreich Jean Arp (1886-1966), gehört zu den großen Erneuerern der Kunst des 20. Jahrhunderts. Als Bildhauer, Maler, Grafiker und Dichter war er Mitbegründer von Dada in Zürich, stand den Surrealisten nahe und wurde zu einer Schlüsselfigur der Abstraktion. Seine weichen, organischen Formen, entstanden aus Zufall und Naturbeobachtung, haben die moderne Plastik nachhaltig geprägt. Der gebürtige Elsässer schrieb auf Deutsch als „Hans“ und auf Französisch als „Jean“ – ein Doppelname, der ein zwischen zwei Sprachen und Kulturen angesiedeltes Werk spiegelt.
Die Pariser Galerie Le Coin des Arts bietet ausgewählte Originalgrafik von Hans Arp an, vor allem Holzschnitte und Lithografien, die nach Druckqualität, Provenienz und Erhaltungszustand ausgesucht werden.
Hans Arp kommt am 16. September 1886 im damals deutschen Straßburg zur Welt. Er besucht die Kunstgewerbeschule in Straßburg, dann die Kunstschule in Weimar und schließlich die Académie Julian in Paris, deren akademischer Unterricht ihn enttäuscht. Mit seiner Familie lässt er sich im schweizerischen Weggis am Vierwaldstättersee nieder und gründet 1911 den Modernen Bund mit. Er lernt Paul Klee kennen und stellt 1912 in München bei der Ausstellung des Blauen Reiters an der Seite Kandinskys aus. Im selben Jahr entsteht seine erste Grafik, ein noch expressionistischer Selbstbildnis-Holzschnitt. 1913 arbeitet er einige Wochen für Herwarth Waldens Berliner Galerie Der Sturm.
Den Ersten Weltkrieg verbringt Arp in Zürich. 1916 gehört er mit Hugo Ball, Tristan Tzara, Marcel Janco und Richard Huelsenbeck zum Kreis des Cabaret Voltaire, der Keimzelle von Dada. Hier entstehen seine ersten Collagen „nach den Gesetzen des Zufalls“, bemalte Reliefs aus ausgesägtem Holz sowie zahlreiche Holzschnitte für Zeitschriften und Publikationen der Bewegung, darunter die Illustrationen zu Tzaras Vingt-cinq poèmes (1918).
In Zürich begegnet er der Künstlerin Sophie Taeuber, die er 1922 heiratet und mit der er gemeinsame Arbeiten schafft. 1919-1920 gründet er mit Max Ernst und Johannes Theodor Baargeld die Kölner Dada-Gruppe. 1920 erscheint in Hannover sein Gedichtband Die Wolkenpumpe – Arp ist zeitlebens auch ein bedeutender deutschsprachiger Dichter. In den 1920er-Jahren nähert er sich den Surrealisten und nimmt 1925 an ihrer ersten Ausstellung in der Pariser Galerie Pierre teil.
Von 1926 bis 1928 gestaltet er mit Sophie Taeuber und Theo van Doesburg die Innenräume der Aubette in Straßburg, ein Manifest der abstrakten Kunst. Das Paar zieht anschließend nach Clamart bei Meudon in ein von Sophie Taeuber entworfenes Wohn- und Atelierhaus. Arp schließt sich Cercle et Carré und Abstraction-Création an, der 1931 unter anderem mit Auguste Herbin gegründeten Gruppe.
Ab 1930 entstehen die „papiers déchirés“ (Zerrissene Papiere), und Arp wendet sich der Rundplastik zu – in Gips, Marmor und Bronze. Seine Menschlichen Konkretionen, glatte, gerundete Formen zwischen Körper, Pflanze und Stein, machen ihn zu einem der einflussreichsten Bildhauer des Jahrhunderts. Von Arp stammt übrigens auch der Begriff „Stabiles“ für die unbewegten Skulpturen seines Freundes Alexander Calder. Im nationalsozialistischen Deutschland gilt seine Kunst als „entartet“: 1937 wird eine Zeichnung aus dem Provinzialmuseum Hannover beschlagnahmt.
Im Zweiten Weltkrieg flieht er mit Sophie Taeuber, Alberto Magnelli und Sonia Delaunay nach Grasse und später in die Schweiz. Sophie Taeuber stirbt am 13. Januar 1943 in Zürich an den Folgen eines Unfalls; tief erschüttert, nimmt Arp seine Arbeit erst nach der Rückkehr nach Meudon 1946 wieder vollständig auf.
Nach dem Krieg folgt die internationale Anerkennung: Ausstellung bei Peggy Guggenheim in New York 1944, die Constellation für das Harvard Graduate Center 1949, das Relief für das UNESCO-Gebäude in Paris 1958. 1954 erhält er den Großen Internationalen Preis für Bildhauerei der Biennale von Venedig; das Museum of Modern Art in New York (1958) und das Musée National d’Art Moderne in Paris (1962) widmen ihm große Retrospektiven. In Deutschland ist er auf der documenta 1 (1955), der II. documenta (1959) und der documenta III (1964) in Kassel vertreten. 1957 wird er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, 1961 erhält er die Stephan-Lochner-Medaille der Stadt Köln, später das Große Bundesverdienstkreuz; in Frankreich wird er 1960 Ritter der Ehrenlegion.
1959 heiratet er Marguerite Hagenbach und lebt fortan zwischen Meudon und Locarno im Tessin. Hans Arp stirbt am 7. Juni 1966 in Basel und wird in Locarno beigesetzt. Sein Atelierhaus in Clamart beherbergt heute die Fondation Arp. Das 2007 eröffnete Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen, mit einem Neubau von Richard Meier, ist seinem Werk und dem von Sophie Taeuber-Arp gewidmet; die Stiftung Arp e.V. in Berlin widmet sich der Erforschung und Vermittlung des Werks beider Künstler.
Die Druckgrafik begleitet Arp von 1912 bis zu seinem Tod. Sie ist für ihn keine Reproduktion, sondern die folgerichtige Fortsetzung seiner Collagen und Reliefs: Dieselben ausgeschnittenen, schwebenden und ausbalancierten Formen wandern vom Papier auf den Holzstock und den Lithografiestein.
Der Holzschnitt ist seine ursprüngliche Technik: Schon zur Dada-Zeit illustrieren seine schwarz-weißen Holzschnitte Zeitschriften und Gedichtbände. Er kehrt sein Leben lang zu ihm zurück, und einige Kompositionen werden von dem Holzschneider Karl Schmid farbig geschnitten. Nach dem Krieg eröffnet ihm die Lithografie klare Farbflächen – Schwarz, Blau, Rot, Ocker –, in denen seine organischen Formen frei im Blatt zu schweben scheinen. Auch im Tiefdruck ist er tätig; der Stecher Jean Signovert überträgt mehrere seiner Collagen in Radierung und Kupferstich.
Maßgeblich ist das Werkverzeichnis von Wilhelm F. Arntz, Hans (Jean) Arp. Das graphische Werk 1912-1966 (1980). Es umfasst 426 Nummern und unterscheidet die Originalgrafik von den nach seinen Werken angefertigten Reproduktionsgrafiken. Jedes Blatt wird mit seiner Nummer zitiert, meist als „Arntz Nr.“ – die erste Angabe, die man prüfen sollte.
Als Dichter und bildender Künstler zugleich hat Arp zahlreiche Bücher illustriert, eigene wie die seiner Freunde Tristan Tzara, Richard Huelsenbeck oder Benjamin Péret. Besonders gesucht sind Le Siège de l’air (1946) mit gemeinsam mit Sophie Taeuber ausgeführten Zeichnungen, Le Voilier dans la forêt (Louis Broder, 1957) und Soleil recerclé (1966) mit Holzschnitten.
Als Protagonist von Dada, Surrealismus und Abstraktion nimmt Arp einen einzigartigen Platz in der Moderne ein und hat Generationen von Bildhauern und Malern beeinflusst. Seine Grafiken sind deutlich erschwinglicher als seine Skulpturen und ermöglichen den Erwerb eines Originals aus der Hand eines Gründervaters der modernen Kunst.
Bei einer Lithografie oder einem Holzschnitt von Hans Arp sind folgende Punkte entscheidend: die Technik, die Auflage und ihre Bezeichnung (nummeriertes Exemplar, Épreuve d’artiste, hors commerce), ob das Blatt handsigniert ist (meist mit Bleistift), die Nummer im Werkverzeichnis Arntz, die Unterscheidung zwischen Originalgrafik und Reproduktion, die mögliche Herkunft aus einem Buch oder einer Mappe sowie Provenienz und Erhaltungszustand. Bei Arp lassen große Farbflächen und breite weiße Ränder jeden Fleck sichtbar werden – der Zustand des Papiers ist daher ausschlaggebend.
Originalgrafik oder Reproduktion? Arps Formen wurden vielfach reproduziert. Ein Originaldruck ist eine vom Künstler für den Druck konzipierte Radierung, ein Holzschnitt oder eine Lithografie in limitierter Auflage, in der Regel handsigniert und nummeriert, auf hochwertigem Papier gedruckt und im Werkverzeichnis erfasst. Ein Blatt aus einem illustrierten Buch kann original sein, ohne signiert zu sein: Maßgeblich ist dann das Impressum des Buches.
Die Galerie Le Coin des Arts wählt die Originalgrafik von Hans Arp mit Blick auf Echtheit, Provenienz und Erhaltung aus und berät Sammler bei der Auswahl, der Rahmung und der Aufbewahrung. Entdecken Sie auch Werke seiner Weggefährten in unserer Galerie, etwa von Max Ernst, Man Ray, Joan Miró und Sonia Delaunay.
Fondation Arp, Clamart · Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen · Stiftung Arp e.V., Berlin · Wilhelm F. Arntz, Hans (Jean) Arp. Das graphische Werk 1912-1966, Gertrud Arntz-Winter, 1980 · Eduard Trier, Hans Arp. Skulpturen 1957-1966, Gerd Hatje, 1968.
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