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Edouard PIGNON

(1905-1993)

Edouard PIGNON

Biographie

Édouard Pignon – Biografie, Lithografien und Originalgrafik

Édouard Pignon (geboren am 12. Februar 1905 in Bully-les-Mines, Pas-de-Calais; gestorben 1993 in La Couture-Boussey, Eure) zählt zu den wichtigsten Malern der Pariser Nachkriegszeit, der sogenannten Nouvelle École de Paris. Als Bergmannssohn arbeitete er selbst unter Tage und später in den Autofabriken von Citroën und Renault, bevor er sich ganz der Malerei widmete. Sein Werk entfaltet sich in Serien – der Hafen von Ostende, die Bergleute, die Olivenbäume, die Hahnenkämpfe, die Taucher, die roten Akte – im Spannungsfeld zwischen Figuration und Abstraktion. Neben Gemälden, Keramiken und Bühnenbildern schuf er ein bedeutendes druckgrafisches Werk aus Farblithografien, Radierungen und Künstlerbüchern.

Die Galerie Le Coin des Arts verfolgt das Schaffen von Édouard Pignon und bietet seine Originaldrucke an, sobald gute Abzüge verfügbar sind – ausgewählt nach Druckqualität, Auflage, Provenienz und Erhaltung. Wer über neue Werke informiert werden möchte, klickt auf dieser Seite auf „Künstler folgen“.

Kindheit im Kohlerevier und Arbeiterjahre in Paris

Pignon wuchs im nordfranzösischen Kohlebecken auf. Am 3. September 1912 erlebte er als Kind die Schlagwetterexplosion in der Grube La Clarence, bei der 79 Menschen starben; 1919 fuhr er selbst als Grubenjunge (galibot) ein und arbeitete später als Zement- und Stuckarbeiter. Nach dem Militärdienst bei der Luftwaffe in Syrien ließ er sich 1927 in Paris nieder. Tagsüber Arbeiter bei Citroën und Renault, besuchte er abends Kurse der Arbeiteruniversität und Zeichenkurse in Montparnasse. 1931 trat er der Vereinigung revolutionärer Schriftsteller und Künstler (AEAR) bei, 1933 der Kommunistischen Partei Frankreichs. Seine ersten Drucke waren Linolschnitte, die er zwischen 1932 und 1936 für die Gruppe Les Indélicats schnitt.

Begegnung mit Picasso und die Jahre der Besatzung (1936-1945)

1936 lernte Pignon Pablo Picasso kennen – laut Encyclopædia Universalis eine für seine Malerei entscheidende Begegnung; nach dem Krieg wurden beide Freunde. Im selben Jahr entstand sein erster Toter Arbeiter; bis 1939 arbeitete er als Layouter der Wochenzeitschrift Regards. 1939 folgte die erste Einzelausstellung in Paris. Im Mai 1941 stellte er in der Galerie Braun bei den „Zwanzig jungen Malern französischer Tradition“ aus, gemeinsam mit Jean Bazaine, Alfred Manessier und Gustave Singier. Hinter dem patriotisch klingenden Titel verbarg sich ein Bekenntnis zur modernen Farbmalerei – zu einer Zeit, als die Besatzer die Moderne als „entartet“ verfemten. 1944 erschienen zwei seiner Zeichnungen in dem heimlich herausgegebenen lithografischen Album Vaincre.

Ostende, Collioure und Vallauris (1945-1955)

In den Sommern 1945 und 1946 malte Pignon in Collioure die schwarz gekleideten Katalaninnen am Mittelmeer. Ab dem Winter 1945/46 hielt er sich in Ostende auf; die Hafenserie von 1947 bis 1949 begründete seine Methode der Variation eines einzigen Motivs. Ab 1946 stellte er in der Galerie de France aus. Mit der Schriftstellerin und Kritikerin Hélène Parmelin, seiner späteren Ehefrau, hatte er einen Sohn, Nicolas (geboren 1948). Es folgten die Bergleute (1948-1952), Bühnenbilder und Kostüme für Jean Vilar – Schéhérazade beim Festival d’Avignon 1948, Brechts Mutter Courage 1951 – sowie, auf Einladung Picassos, ein Aufenthalt in Vallauris 1951; dort entstanden 1953 rund zweihundert Keramiken.

Hahnenkämpfe, documenta und internationale Anerkennung (1955-1970)

Die deutsche Rezeption setzte früh ein: Pignon war in Kassel auf der documenta 1 (1955), der II. documenta (1959) und der documenta III (1964) vertreten. In diesen Jahren entstanden die Olivenbäume (1958-1964), die berühmten Hahnenkämpfe (1959-1968), in denen Farbe zu einem Wirbel aus Federn und Krallen explodiert, die Dreschszenen (1961-1962), die Taucher (1962-1966) und die Kriegerköpfe (1964-1967). 1958 nahm er an der Biennale von Venedig teil; 1960 fanden die ersten Retrospektiven in Metz und Luxemburg statt, in den 1960er Jahren folgten Ausstellungen unter anderem in Luzern. 1966 widmete ihm das Musée National d’Art Moderne in Paris eine große Retrospektive mit 180 Gemälden sowie 150 Zeichnungen und Aquarellen.

Späte Akte und Würdigung im Grand Palais (1970-1993)

Das Spätwerk kreist um große Aktzyklen: Rote Akte (1973-1976), Akte mit Kakteen (1978-1982), Riesenakte (1986-1989). Hinzu kamen monumentale Keramikwände für öffentliche Bauten. Nach Ausstellungen im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris (1976) und im Centre Pompidou (1980) zeigte das Grand Palais 1985 rund 300 Werke. Ab 1986 zunehmend erblindet, starb Pignon 1993; er ruht auf dem Friedhof Montparnasse.

Das druckgrafische Werk: Lithografie, Radierung, Künstlerbuch

Um 1930 erhielt Pignon eine erste Ausbildung bei einem Lithografen. Seine bevorzugte Technik blieb die Lithografie, schwarz wie farbig; daneben arbeitete er in Radierung, Aquatinta und Kupferstich. Auch hier dachte er in Variationen: Zustandsdrucke wie die zwei Zustände des Bauern mit Olivenbaum (1952) belegen es. Gedruckt wurde in den großen Pariser Werkstätten, vor allem bei Mourlot (Lithografie) und Crommelynck (Tiefdruck).

Für den deutschsprachigen Raum sind zwei Verleger besonders wichtig. Der Verleger Nesto Jacometti, der vor allem zwischen Zürich und Paris lebte, gründete 1955 den Verlag L’Œuvre Gravée, der bis 1971 Blätter von rund zwanzig Künstlern herausgab, darunter Zao Wou-Ki, Johnny Friedlaender, Maurice Estève und Marino Marini. Von Pignon erschien dort etwa Repiquage de jasmin (1955), eine sechsfarbige Lithografie auf Arches-Bütten in einer Auflage von 90 Exemplaren. 1994 widmete das Museo Casorella in Locarno Jacomettis Verlagstätigkeit eine zweibändige Publikation; Auktionshäuser zitieren diese Blätter nach „Wyder 1994“. Teile der Sammlung Jacometti wurden 2022 bei Quittenbaum in München versteigert. Zweitens gab der Propyläen-Verlag in Berlin 1973 die Mappe Hommage à Picasso heraus, zu der Pignon die bei Mourlot gedruckte Lithografie Picasso Soleil beisteuerte; ein Exemplar besitzt das Museum of Modern Art in New York. Zu seinen Künstlerbüchern gehören Paul Valérys Dialogue de l’arbre (1958) und Ronsards Les Mascarades (1976).

Maßgeblich ist heute das Werkverzeichnis der Druckgrafik, das 2022 das Musée du Dessin et de l’Estampe Originale in Gravelines unter der Leitung von Virginie Caudron (mit Philippe Bouchet und Samuel Dégardin) zur Ausstellung „Édouard Pignon. L’œuvre gravé et lithographié“ veröffentlichte; es erfasst unter anderem 86 bis dahin unbekannte Blätter. Ein Zitat besteht stets aus Autor und Nummer und erschließt Datum, Auflage und Zustände eines Blattes.

Worauf beim Kauf einer Originalgrafik von Pignon zu achten ist

Auflage und Nummerierung. Verlegte Lithografien sind in der Regel mit Bleistift nummeriert (etwa 76/90). Manche Ausgaben haben zusätzlich eine römisch nummerierte Serie – Hommage à Picasso erschien in 30 Exemplaren I-XXX und 90 Exemplaren 1-90. Mehr zum Druck.

Signatur. Pignon signierte mit Bleistift „Pignon“ unten rechts und datierte häufig („55“). Eine im Stein mitgedruckte Signatur ersetzt keine eigenhändige Unterschrift.

Papier und Prägestempel. Gute Auflagen sind auf Arches- oder Rives-Bütten mit breitem Rand gedruckt; der Trockenstempel des Verlegers („L’Œuvre Gravée“) und Sammlerstempel sind wertvolle Hinweise.

Werkverzeichnis. Maße, Farben, Auflage und Zustand sollten mit dem Katalog von Gravelines übereinstimmen.

Erhaltung. Farblithografien sind lichtempfindlich: auf Verblassen, Stockflecken und Spuren alter säurehaltiger Passepartouts achten.

Fallstricke. Ausstellungsplakate, Offset-Reproduktionen und aus Zeitschriften oder Büchern gelöste Tafeln werden oft als „Lithografien“ angeboten; sie sind weder signiert noch nummeriert. Siehe Was ist ein Originaldruck? sowie unsere Seiten zu Authentizität und Rahmung.

Le Coin des Arts wählt Pignons Grafik nach Frische des Abzugs und gesicherter Provenienz aus. Verwandte Künstler: Pablo Picasso, Fernand Léger, Jean Bazaine, Maurice Estève und Gustave Singier; dazu die Schule von Paris und unsere Radierungen und Lithografien.

Quellen und Literatur

Édouard Pignon. L’œuvre gravé et lithographié, Werkverzeichnis, hrsg. von Virginie Caudron, Gravelines, 2022 · Philippe Bouchet, Édouard Pignon 1905-1993, Cercle d’Art · Quittenbaum, München – Die Sammlung Jacometti · MoMA – Picasso Soleil (Propyläen-Verlag, Berlin) · Museum Gravelines – Pressemappe 2022 · Encyclopædia Universalis

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