(1885-1979)
Sonia Delaunay, vers 1912 — photographe anonyme — Domaine public
Sonia Delaunay (1885-1979) zählt zu den Wegbereiterinnen der abstrakten Kunst. Gemeinsam mit ihrem Mann Robert Delaunay entwickelte sie in Paris den Simultanismus, eine Malerei aus kontrastierenden Farbflächen, die sie wie kaum eine andere Künstlerin auf Buch, Stoff, Mode, Bühne und Alltagsobjekt übertrug. Ihr Weg führte über Karlsruhe, wo sie studierte, und über den Ersten Deutschen Herbstsalon in Berlin 1913; heute gilt sie als Hauptfigur der abstrakten Kunst der Schule von Paris. Ihre Originalgrafik – Lithografien, Radierungen und Pochoirs – bündelt diese Farbforschung in Kreisen, Schachbrettmustern und rhythmischen Bändern.
Die Galerie Le Coin des Arts in Paris bietet handsignierte und nummerierte Originallithografien und Radierungen von Sonia Delaunay an, Pochoirs aus der Edition der Galerie Denise René sowie bei Artcurial verlegte Keramiken und Porzellanobjekte – ausgewählt nach Farbqualität, Provenienz und Erhaltungszustand.
Sonia Delaunay wurde am 14. November 1885 als Sarah (oder Sophie) Stern in Hradyzk im Gouvernement Poltawa (heute Ukraine) geboren; manche Quellen nennen Odessa. Mit etwa fünf Jahren kam sie zu ihrem Onkel Henri Terk, einem wohlhabenden Rechtsanwalt in Sankt Petersburg, der sie adoptierte. Als Sonia Terk wuchs sie in einem kunstsinnigen Haushalt auf, mit Sommern in Finnland und Reisen zu den großen Museen Europas.
1903 ging sie nach Karlsruhe und studierte dort zwei Winter lang Zeichnen bei dem Maler Ludwig Schmid-Reutte – eine prägende deutsche Lehrzeit, die sie mit der akademischen Zeichnung vertraut machte. 1905 zog sie nach Paris und besuchte die Académie de la Palette in Montparnasse. Van Gogh, Gauguin, Henri Rousseau und die Fauves bestimmten ihre ersten farbstarken Bildnisse wie Philomène (1907).
1908 ging sie eine Zweckehe mit dem deutschen Kunsthändler und Sammler Wilhelm Uhde ein, der ihr im selben Jahr in seiner Pariser Galerie die erste Einzelausstellung ausrichtete. In seinem Umfeld lernte sie 1909 den Maler Robert Delaunay kennen; nach der Scheidung heirateten die beiden im November 1910, im Januar 1911 kam ihr Sohn Charles zur Welt, der später als Jazzhistoriker bekannt wurde.
Die aus Stoffresten genähte Kinderdecke für Charles (1911, heute im Musée National d’Art Moderne) markiert ihren Schritt in die Abstraktion. Ausgehend von Chevreuls Gesetz des Simultankontrasts der Farben machten Sonia und Robert die Farbe selbst zum Bildgegenstand; Apollinaire nannte diese Richtung Orphismus. Es entstehen Le Bal Bullier (1913) und Prismes électriques (1914).
1913 schuf sie mit dem Dichter Blaise CendrarsLa Prose du Transsibérien et de la petite Jehanne de France, das „erste simultane Buch“: ein fast zwei Meter langes Leporello, in dem Text und schablonierte Farbe (Pochoir) zusammen gelesen werden. Im selben Jahr zeigte sie auf Einladung von Herwarth Walden im Ersten Deutschen Herbstsalon der Galerie Der Sturm in Berlin vier Gemälde, zwanzig Bucheinbände und dieses Simultanbuch.
Der Kriegsausbruch 1914 überraschte die Familie im spanischen Fuenterrabía (Hondarribia). Sie lebte in Madrid, 1915-1916 in Vila do Conde in Portugal und kehrte dann nach Spanien zurück. Nach der Russischen Revolution 1917 verlor Sonia ihre Einkünfte aus Russland und machte die angewandte Kunst zum Beruf: Für Sergej Djagilews Ballets Russes entwarf sie die Kostüme der Neuinszenierung von Cléopâtre, in Madrid gestaltete sie das Petit Casino und eröffnete 1918 ihr Mode- und Einrichtungsgeschäft Casa Sonia. 1921 kehrte die Familie endgültig nach Paris zurück.
1923 bestellte ein Lyoner Seidenfabrikant rund fünfzig Stoffentwürfe bei ihr – der Beginn ihrer Tätigkeit als Textildesignerin unter der Marke „Simultané“. Sie entwarf Kostüme für Tristan Tzaras Le Cœur à gaz (1923) sowie Mäntel und Schals, die Nancy Cunard und Gloria Swanson trugen. Auf der Pariser Kunstgewerbeausstellung 1925 betrieb sie mit dem Couturier Jacques Heim die Boutique Simultanée auf dem Pont Alexandre-III. Ihr Pochoir-Album Compositions, couleurs, idées (Charles Moreau, 1930) machte ihr Formenrepertoire bekannt. Entwürfe lieferte sie auch an das Amsterdamer Einrichtungshaus Metz & Co.
Nach der Weltwirtschaftskrise schloss sie 1930 ihr Atelier und wandte sich wieder der Malerei zu. Für die Weltausstellung 1937 schufen die Delaunays monumentale Wandbilder für den Palais de l’Air und den Eisenbahnpavillon. Robert starb im Oktober 1941 in Montpellier. Die Kriegsjahre verbrachte Sonia in Grasse mit Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp und Alberto Magnelli, mit denen sie an gemeinsamen Lithografien arbeitete.
Nach 1945 setzte sie sich für die abstrakte Kunst ein, als Mitbegründerin des Salon des Réalités Nouvelles (1946) und der Groupe Espace (1953); 1962 zeigte die Galerie Denise René ihre Gouachen. Bereits 1958 widmete ihr das Städtische Kunsthaus Bielefeld eine Einzelausstellung. 1964 wurde die Schenkung von Werken Roberts und Sonias an das Musée National d’Art Moderne im Louvre gezeigt – sie war damit die erste Künstlerin, die zu Lebzeiten im Louvre ausgestellt wurde. Es folgten eine Retrospektive im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris (1967), die Bemalung eines Matra 530 (1967), ab 1976 Textilien, Teppiche, Porzellan und Schmuck für Artcurial und 1975 die Ernennung zum Offizier der Ehrenlegion. Sie starb am 5. Dezember 1979 in Paris.
Im deutschsprachigen Raum blieb sie präsent: Die Hamburger Kunsthalle zeigte 1999 „Robert Delaunay – Sonia Delaunay“ mit Werken aus dem Centre Pompidou, die Kunsthalle Bielefeld 2008-2009 „Sonia Delaunays Welt der Kunst“, und die Schirn Kunsthalle Frankfurt nahm sie 2015-2016 in die Ausstellung „Sturm-Frauen“ auf. Die große Retrospektive des Musée d’Art Moderne de Paris (2014-2015) wanderte anschließend an die Tate Modern in London.
Druckgrafik begleitet ihr gesamtes Schaffen, von frühen Radierungen (1908) bis zu den großen Farblithografien der 1960er- und 1970er-Jahre. Im Steindruck fand sie die Grundelemente ihrer Malerei wieder: ungebrochene Farbflächen, die als Kreise, Halbkreise, Schachbretter und Streifen aneinanderstoßen. Blätter wie Polyphonie, Cible, Damiers verts, Carreaux noirs oder Les Jouets portugais kreisen um Rhythmus, Musik und Licht. Die Auflage liegt meist bei 75 oder 100 Exemplaren, nummeriert und mit Bleistift handsigniert, ergänzt durch einige E.A.- oder H.C.-Exemplare; einzelne Blätter wurden bei Mourlot in Paris gedruckt, Radierungen bei Lacourière. 1961 schuf sie acht Radierungen zu Tristan Tzaras Juste présent.
Das Pochoir (Schablonendruck) blieb ihr bevorzugtes Medium. 1961 gab die Galerie Denise René die signierten und nummerierten Pochoirs Poésie de mots, poésie de couleurs heraus, in denen sie Gedichte von Cendrars, Tzara und anderen Freunden farbig gestaltete. Ihr Verleger Jacques Damase publizierte Rythmes-Couleurs (1966), Robes poèmes (1969) und die Monografie Sonia Delaunay. Rythmes et couleurs (Hermann, 1971). Ein vollständiges Werkverzeichnis der Grafik existiert nicht; im Handel wird meist auf Damase verwiesen („Damase S. …“). In den 1970er-Jahren gab Artcurial nummerierte Objekte aus Limoges-Porzellan und bei Bianchini-Férier in Lyon bedruckte Stoffe heraus; kleine Keramik-Auflagen entstanden ab 1968 bei L.C. Barberis in Turin.
Beim Kauf einer Lithografie oder eines Pochoirs sind folgende Punkte wichtig: die Technik, die Auflage und Nummerierung (75/100, E.A., H.C.), die Bleistift-Signatur, die Referenz bei Damase, Verleger oder Drucker (Mourlot, Lacourière, Denise René), die Provenienz und der Zustand. Da ihre Kunst von leuchtenden Farbkontrasten lebt, mindern Lichtschäden oder Vergilbung den Wert erheblich.
Originalgrafik oder Reproduktion? Ihre Motive wurden vielfach reproduziert: unsignierte Pochoir-Tafeln „nach“ Delaunay aus Büchern, Plakate, Offsetdrucke, Tücher und Dekorationsobjekte. Diese sind keine Originaldrucke, die unter der Kontrolle der Künstlerin entstanden. Die Artcurial-Objekte sind nummerierte Multiples und von den handsignierten Lithografien zu unterscheiden.
Die Galerie Le Coin des Arts wählt die Originalgrafik, Pochoirs und Keramiken von Sonia Delaunay sorgfältig nach Authentizität, Provenienz und Erhaltung aus und berät Sammler bei Auswahl und Rahmung. Entdecken Sie auch Werke von Robert Delaunay, Hans Arp, Fernand Léger, Auguste Herbin und Victor Vasarely.
Wikipedia (DE) – Sonia Delaunay · Wikipédia (FR) – Sonia Delaunay · Ausstellungsplakat Städtisches Kunsthaus Bielefeld, 1958 · Tate Modern – Sonia Delaunay (2015) · Jacques Damase, Sonia Delaunay. Rythmes et couleurs, Paris, Hermann, 1971
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