(1933-2006)
Miguel Ortiz Berrocal (1933–2006) zählt zu den eigenwilligsten Bildhauern Spaniens im 20. Jahrhundert. Der studierte Mathematiker und angehende Architekt schuf Skulpturen, die sich wie ein dreidimensionales Puzzle in Dutzende exakt gearbeitete Einzelteile zerlegen und wieder zusammensetzen lassen. In der zeitgenössischen Kunst gilt er als einer der Wegbereiter des plastischen Multiples: Seine Werke erschienen in nummerierten Auflagen – vom Bronzeguss bis zur handtellergroßen Miniatur – und machten die Skulptur ebenso sammelbar wie die Originalgrafik. Bereits 1964 war er auf der documenta III in Kassel vertreten.
Die Galerie Le Coin des Arts in Paris bietet originale Skulpturen und Multiples von Miguel Berrocal an, insbesondere die vernickelten „Mini-Multiples“ der späten 1960er-Jahre wie Mini-Cariatide (Opus 109), Portrait de Michèle und Mini Zoraida – Hommage an Paloma, ausgewählt nach Qualität der Ausführung, Provenienz und Erhaltungszustand.
Berrocal wurde am 28. September 1933 in Villanueva de Algaidas in der Provinz Málaga als ältester Sohn eines Landarztes geboren und wuchs in Madrid auf. Zur Vorbereitung auf das Architekturstudium belegte er exakte Wissenschaften, besuchte die Kunstakademie San Fernando, die Schule für Grafische Künste sowie Abendkurse an der Kunstgewerbeschule, wo der Bildhauer Ángel Ferrant sein Lehrer wurde.
Seine erste Einzelausstellung zeigte 1952 die Galería Xagra in Madrid. Von 1952 bis 1954 arbeitete er in Rom als Zeichner und Assistent von Architekten; 1954 waren Zeichnungen von ihm im spanischen Pavillon der Biennale von Venedig zu sehen.
Ein Stipendium führte ihn 1955 nach Paris, danach kehrte er nach Italien zurück. 1957 stellte die Galleria La Medusa in Rom seine ersten Eisenskulpturen aus, die noch an Eduardo Chillida erinnern. Berrocal gab die Architektur nun endgültig auf.
1959 entstanden mit Grand Torse (Opus 31) und Hommage à Piero della Francesca seine ersten zerlegbaren Skulpturen. Wie ein Komponist nummerierte er sein Werk fortan nach Opus-Zahlen; jede Arbeit ist eine genau festgelegte Abfolge ineinandergreifender Elemente. Torso, Kopf und liegende Figur – die klassischen Themen der Bildhauerei – interpretierte er mit geometrischer Strenge und surrealem Humor. 1962 folgten Ausstellungen in der Galerie Kriegel in Paris und der Albert Loeb Gallery in New York; im selben Jahr gelangte ein Werk in die Sammlung des Museum of Modern Art.
Ab 1962 arbeitete Berrocal in Serie und vervielfältigte seine Skulpturen ähnlich wie ein Grafiker seine Drucke. María de la O (Opus 92, 1962–1964), in einer Auflage von 200 Exemplaren erschienen, wurde 1964 auf der Biennale von Venedig gezeigt. Im selben Sommer nahm Berrocal an der von Arnold Bode geleiteten documenta III in Kassel teil – ein frühes Zeichen seiner Anerkennung im deutschsprachigen Raum.
Für Romeo e Giulietta (Opus 101, 1966–1967), aufgelegt in 2.000 Exemplaren, setzte er erstmals den Spritzguss ein: ein industrielles Verfahren, das hohe Auflagen bei unverminderter Passgenauigkeit erlaubte.
Ende der 1960er-Jahre ließ sich Berrocal im Palazzo Rizzardi in Negrar bei Verona nieder, wo er bis 2004 lebte und arbeitete. Der Mini David (Opus 107, 1967–1970) eröffnete die von Multicetera verlegte Reihe der „Mini-Multiples“: 9.500 vernickelte Exemplare mit grünem Achat, 500 vergoldete mit Lapislazuli und 6 Exemplare aus 18-karätigem Gold, jeweils mit illustriertem Begleitbuch. Es folgten u. a. die Mini-Cariatide (Opus 109), die Mini-María (1968), das Portrait de Michèle (1969), dessen Auge ein abnehmbarer Ring ist, und Mini Zoraida, eine Hommage an Paloma Picasso.
Gleichzeitig entstanden Hauptwerke wie Goliath (Opus 114, 1968–1972), Richelieu (Opus 115, 1968–1973) und das Picasso-Denkmal (Opus 129, 1972–1974) für Málaga, die Geburtsstadt von Pablo Picasso. 1973 vertrat er Spanien auf der Biennale von São Paulo.
1984 widmete ihm das spanische Kulturministerium im Palacio de Velázquez in Madrid eine Retrospektive mit 176 Skulpturen. 1987 gestaltete er die Goya-Büste für die erste Verleihung der Goya-Preise, des spanischen Filmpreises. Zur Weltausstellung 1992 in Sevilla schuf er Citius, Altius, Fortius und Doña Elvira; für Madrid entstand die monumentale Manolona (Opus 397). 1993 erhielt er die Goldmedaille Andalusiens, 2002 zeigte das IVAM in Valencia eine große Ausstellung.
Ende 2004 kehrte Berrocal in seinen Geburtsort zurück; er starb am 31. Mai 2006 in Antequera. Seine Erben gründeten 2007 die Fundación Escultor Berrocal, die in Villanueva de Algaidas ein Atelier-Museum betreibt; dessen erster Saal (2014) ist dem grafischen Werk gewidmet.
Für Berrocal erfüllte das Multiple dieselbe Funktion wie die Originalgrafik für einen Maler: ein vom Künstler eigens für eine nummerierte Auflage konzipiertes Werk, keine Reproduktion. Die Auflagen reichen von patinierter oder vergoldeter Bronze in einigen hundert bis einigen tausend Exemplaren bis zu vernickelten Miniaturen aus Zinkdruckguss (Zamak) und Messing mit Auflagen von bis zu rund 10.000 Exemplaren. Jedes Teil ist so gefertigt, dass sich das Ganze – oft zwanzig Elemente und mehr – zerlegen lässt; häufig verbirgt sich darin ein Schmuckstück: Ring, Anhänger oder Halbedelstein.
Die Mini-Multiples wurden in einer Schachtel mit Begleitbuch und Montageanleitung ausgeliefert, die heute gesucht sind. Daneben schuf Berrocal Siebdrucke, Zeichnungen und Künstlerbücher.
Beim Erwerb sind folgende Punkte zu prüfen: Titel und Opus-Nummer; Material (Bronze, vergoldete Bronze, vernickeltes Metall); Exemplarnummer und Höhe der Auflage; Signatur und Nummerierung, die meist in das Metall eingraviert sind (nicht handsigniert wie bei der Grafik); der Verleger (Multicetera, Artcurial u. a.); vor allem aber die Vollständigkeit aller Einzelteile – fehlt ein Element, mindert dies den Wert erheblich. Originalschachtel, Begleitbuch, Anleitung und Zertifikat steigern die Attraktivität; Vernickelung oder Patina sollten frei von stärkeren Kratzern und Oxidation sein.
Original oder Nachguss? Echte Berrocal-Multiples sind im Metall signiert und nummeriert, ihre Teile greifen passgenau ineinander. Unnummerierte Objekte oder lose sitzende Elemente sind mit Vorsicht zu betrachten.
Die Galerie Le Coin des Arts wählt die Multiples von Miguel Berrocal mit Blick auf Authentizität, Provenienz und Vollständigkeit aus und berät Sammler bei Präsentation, Sockel und Rahmung. Entdecken Sie auch Werke von Eduardo Chillida, Pablo Picasso, Pol Bury, Yaacov Agam und César.
documenta – documenta III (1964) · Wikipedia – Miguel Berrocal · Wikipedia (spanisch) · MoMA – Le Mini-David · IVAM Valencia (2002) · Auktionshaus Stahl, Hamburg – Portrait de Michèle
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