(1923-2020)
Mithé Espelt (1923-2020), eigentlich Marie-Thérèse Espelt, war eine französische Keramikerin aus Lunel (Hérault) am Rand der Camargue. Ab Ende der 1940er-Jahre schuf sie in ihrem Atelier Spiegel, Dosen, Schmuck und Wohnaccessoires aus glasierter Irdenware mit im Ofen eingebranntem Gold. Da sie ihre Arbeiten nicht signierte und jede Selbstinszenierung ablehnte, geriet ihr Name lange in Vergessenheit; erst seit den 2010er-Jahren und durch eine 2020 erschienene Monografie wird ihr Werk als bedeutender Beitrag zur französischen Keramik der Nachkriegszeit wahrgenommen.
Die Galerie Le Coin des Arts in Paris zeigt originale Keramiken von Mithé Espelt – Wandspiegel („Manège“, „Fleurs“, „Cage“, quadratische Spiegel), rosa und vergoldete „Oiseau“-Dosen, Schmuckdosen und Tauben –, ausgewählt nach Qualität von Glasur und Vergoldung, Provenienz und Erhaltungszustand.
Marie-Thérèse Espelt kam 1923 in Lunel in einer Winzerfamilie zur Welt. Zum Umfeld der Familie gehörte der Maler und Bühnenbildner Jean Hugo, der auf dem Mas de Fourques bei Lunel lebte; so wuchs sie in einem von Kunst und Literatur Südfrankreichs geprägten Milieu auf.
1939, mit sechzehn Jahren, begann sie an der École des Beaux-Arts de Montpellier Zeichnen und Bildhauerei zu studieren. Danach widmete sie sich bei der Keramikerin Émilie Decanis der Keramik und gehörte zum ersten Jahrgang der experimentellen Keramikschule von Fontcarrade. Decanis erkannte ihr Talent früh und beteiligte sie an Ausstellungen in Frankreich und im Ausland.
Nach dem Krieg vervollständigte sie ihre Ausbildung in Paris. In Saint-Germain-des-Prés fertigte sie Keramikknöpfe für Haute-Couture-Häuser und arbeitete im Umfeld der Schmuck- und Objektkünstlerin Line Vautrin.
Um 1946, mit 23 Jahren, kehrte sie in den Süden zurück und eröffnete in Lunel ein eigenes Keramikatelier: zunächst Gebrauchskeramik, dann erste Schmuckkollektionen und kleine Spiegel. Um 1947/48 entstanden die mit Goldflocken besetzten Spiegel und „Geheimdosen“, die ihren Ruf begründeten. Zu den dokumentierten Modellen zählen „Bijoux“ (1948), „Amélie“ und „Oblong“ (1949), „Quadrille“ (um 1952), „Mérida“ (um 1955), „Engrenages“ (um 1958), „Cuzco“ (1974) und „Esmeralda“ (1980).
Verkauft wurden ihre Arbeiten zunächst in Sète, Montpellier und Paris, später in Biarritz, Saint-Tropez, auf Martinique und in den USA. Für das provenzalische Haus Souleiado (Charles Deméry) verantwortete sie die Schmuckkollektionen; dazu kamen Sonderanfertigungen, etwa für Louise de Vilmorin. Dem Kunstbetrieb blieb sie über fünf Jahrzehnte bewusst fern.
Weil ihre Stücke unsigniert sind, wurden viele anonym gehandelt oder anderen zugeschrieben, etwa François Lembo. In den 2010er-Jahren lernte der Sammler Antoine Candau die Künstlerin kennen und dokumentierte ihr Werk in der Monografie Mithé Espelt, le luxe discret du quotidien (Éditions Odyssée, 2020), die heute als maßgebliches Referenzwerk zur Bestimmung und Datierung der Modelle gilt. Mithé Espelt starb im September 2020 im Alter von 97 Jahren, kurz vor Erscheinen des Buches.
Espelt arbeitete mit in Formen gepresster Irdenware (terre estampée), farbigen Glasuren in Türkis, Schwarz, Scharlachrot oder Grün und eingebranntem Gold, häufig mit Craquelé. Manche Stücke enthalten Glaseinschlüsse. Die Spiegel verbinden den Keramikrahmen mit Spiegelglas und einer grünen Filzrückseite; Dosen stehen oft auf schwarz lackierten, mit Filz bezogenen Holzsockeln. Vögel, Tauben, Blumen und Sonnen prägen ihr Motivrepertoire.
Zuschreibung: Eine fehlende Signatur oder Marke ist bei Espelt die Regel. Maßgeblich sind Modell, Machart (gepresste Irdenware, Glasuren, eingebranntes Gold, Filzrückseite) und idealerweise ein Verweis auf die Monografie von Candau („Candau S. …“).
Entstehungszeit: Modelle werden nach ihrem Entwurfsjahr datiert; Stücke der späten 1940er- und der 1950er-Jahre sind besonders gefragt.
Zustand: Auf Abplatzungen, Haarrisse, beriebene Vergoldung, Restaurierungen sowie den Zustand des Spiegelglases (Oxidation, blinde Stellen, Ersatzglas) und des originalen Filzes achten.
Provenienz: Eine nachvollziehbare Herkunft und ein Echtheitszertifikat erhöhen den Wert.
Original oder fragwürdige Zuschreibung? Mit der wachsenden Nachfrage werden zeitgleiche Keramiken anderer südfranzösischer Werkstätten vorschnell unter ihrem Namen angeboten. Der Vergleich mit publizierten Modellen und der Kauf bei einem Händler, der für die Zuschreibung einsteht, bieten die beste Sicherheit.
Die Galerie Le Coin des Arts wählt die Keramiken von Mithé Espelt mit Blick auf Echtheit, Zustand und Provenienz aus und berät auch zu Präsentation und Rahmung. Entdecken Sie außerdem die Keramiken und Skulpturen der Galerie sowie Werke von Pablo Picasso, Fernand Léger, Jean Cocteau und Jean Chauvin und weitere Positionen der zeitgenössischen Kunst.
Antoine Candau, Mithé Espelt, le luxe discret du quotidien, Éditions Odyssée, 2020 · Numéro, 2021 · Galerie Omagh · 1stDibs · Proantic
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